Stennertkreuz in Opherdicke: Ein Zeichen der Dankbarkeit am Wegesrand

dzReligion

Er leidet seit Jahrzehnten still am Stennertkreuz: Der Jesus, gestaltet vom kürzlich verstorbenen Unnaer Künstler Josef Baron, ist eng mit einer Opherdicker Persönlichkeit verbunden.

Holzwickede

, 12.02.2020, 14:59 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ein Wegekreuz wie es in Opherdicke am Stennert an der Kreuzung zum Krämersweg steht, ist zwischen Dortmund und Unna eine Rarität. Auf dem Gebiet der Gemeinde ist auch Holzwickedes Pastor Bernhard Middelanis nur noch das Kreuz am Hilgenbaum als zweites Wegekreuz bekannt, das einst von der KAB gestiftet wurde, aber ohne Korpus auskommt.

Dieser Korpus, die Darstellung des leidenden Jesu am Kreuze, macht das Kruzifix schon besonders. Er wurde einst vom Unnaer Künstler Josef Baron gestaltet, der zu Jahresbeginn verstorben ist. Am 19. Februar hätte Baron seinen 100. Geburtstag gefeiert.

Jetzt lesen

Neben dem unverkennbaren Unnaer Eselsbrunnen hat Baron in den vergangenen Jahrzehnten als Fachmann für sakrale Bauten vor allem seine Spuren in Kirchen in und um Unna hinterlassen.

Nicht nur der Künstler hinter dem Flurkreuz ist besonders – auch die einstige Auftraggeberin ist den älteren Opherdickern wohlbekannt, schließlich brachte sie als Hebamme viele von ihnen auf die Welt: Anne König stiftete das Kreuz einst der Kirchengemeinde.

Von 1939 an hat König, die aus dem Münsterland stammte, in gut 20 Jahren rund 1000 Hausgeburten durchgeführt. Die Möhnekatastrophe, als die Talsperre durch britische Bomber im Zweiten Weltkrieg zerstört wurde, erlebte die Hebamme in einem Bauernhof an der Ruhr: Sie half bei der Geburt eines Kindes, während ringsum das Wasser stieg.

Bekannte Hebamme stiftete das Kreuz aus Dankbarkeit

Anne König verstarb Mitte der 1990er-Jahre, aber Verwandschaft von ihr lebt noch in Opherdicke. Namentlich in Erscheinung treten – das müsse nicht sein, aber die Anekdoten rund um die bekannte Hebamme, die dürften gerne verwendet werden.

Das Wegekreuz am Stennert habe Anne König letztlich aus Dankbarkeit gestiftet – dafür, dass ihre Arbeit auch während der schwierigen Kriegsjahre möglich war und stets ein glückliches Ende nahm. Nur wann genau das Kreuz aufgestellt wurde? Das wissen auch die alteingesessenen Opherdicker nicht mehr genau. Mindestens 40 Jahre dürfte das Kreuz aber bereits stehen.

Stennertkreuz in Opherdicke: Ein Zeichen der Dankbarkeit am Wegesrand

Am Hilgenbaum steht ebenfalls ein Wegekreuz. Das kommt im Unterschied zum Stennertkreuz aber ohne eine Jesus-Darstellung aus. © Greis

Und weil besagte Anne König aus dem Münsterland stammte und Flurkreuze dort weit verbreitet sind, findet sich noch heute auch eines in Opherdicke. Der Standort ist übrigens nicht zufällig: Schon bevor das Kreuz stand, wurde hier zur Fronleichnamsprozession ein Halt gemacht. „Wenn heute alle zwei Jahre die Prozession stattfindet, ist das noch immer so“, sagt Pastor Middelanis. Auch an Gründonnerstag gibt es hier in den Abendstunden eine Andacht.

Pflege des Stennertkreuzes ist vorerst gesichert

Kürzlich machte das Pastoralteam der katholischen Kirchengemeinden Liebfrauen und St. Stephanus in ihren Pfarrnachrichten auf das Kreuz aufmerksam: Freiwillige wurden gesucht, die eine Patenschaft für das Wegekreuz und damit die Pflege übernehmen würden. „Bislang hat sich der Männerkreis gekümmert, aber der hat sich altersbedingt aufgelöst“, sagt Bernhard Middelanis.

Vorerst hat die Kirchengemeinde einen Gärtner beauftragt, der das Pflanzbeet und die Hecken rund um das Stennertkreuz in Ordnung brachte. Der Aufruf in den Pfarrnachrichten war jedenfalls erfolgreich: Zwei Familien aus dem Krämersweg haben sich unabhängig voneinander gemeldet und wollen nun dafür sorgen, dass das Stennertkreuz stets gepflegt aussieht. „Das ist eine schöne Sache und es freut mich sehr, dass sich Freiwillige aus der Gemeinde dafür gefunden haben“, sagt Bernhard Middelanis.

Schlagworte:
Lesen Sie jetzt
Hellweger Anzeiger An den Bahngleisen
Nachbar hört Knall: Jugendliche zündeln mit Spraydosen und lösen Vollalarm aus
Hellweger Anzeiger Medikamente
Rezept vom Arzt: Statt auf Papier bald aufs Handy oder gleich online an die Apotheke
Hellweger Anzeiger Kurs der Volkshochschule
Schnell ausgebucht: Mehr Bewerber als Plätze für Kurs zum „Emscher-Guide“
Meistgelesen