Stau in der Ortsmitte vermeiden: Wohin mit dem Verkehr aus dem neuen Wohngebiet?

dzWohnpark Emscherquelle

Der Verkehr, der durch den Bau des Wohnparks Emscherquelle demnächst rund um das alte Kasernengelände her fließen wird, beschäftigt die Politik seit Monaten. Jetzt wurden neue Optionen geprüft.

Holzwickede

, 23.09.2020, 17:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wo neue Wohnhäuser entstehen, da sind hinterher meistens auch mehr Autos unterwegs: Auf dem Gelände der alten Emscherkaserne, wo für Holzwickeder Verhältnisse derzeit ein sehr großes Neubaugebiet entstehen wird, wird nach der Fertigstellung eine verkehrliche Mehrbelastung erwartet, die man möglichst um die ohnehin schon sehr stark belastete Gemeindemitte herumleiten möchte.

Die Sölder Straße dürfte für viele Anwohner des Wohnparks Emscherquelle die Route der Wahl sein, wenn sie schnell in die Gemeindemitte kommen wollen.

Die Sölder Straße dürfte für viele Anwohner des Wohnparks Emscherquelle die Route der Wahl sein, wenn sie schnell in die Gemeindemitte kommen wollen. © Greis

Um alle Möglichkeiten auszuloten, hat die Gemeinde eine Fachfirma aus Düsseldorf beauftragt, die rund um den Wohnpark Daten erfasst hat. Auf Antrag der FDP-Fraktion hat ein Vertreter der Firma Lindschulte am Dienstagabend im Planungs- und Bauausschuss erneut Optionen vorgestellt, die für einen möglichst effizienten Verkehrsfluss in Frage kommen könnten.

Zur Sache

Wohnpark Emscherquelle

  • Im Wohnpark Emscherquelle werden etwa 200 Wohneinheiten entstehen. Zudem soll es in dem Wohngebiet auch eine Kita mit vier Gruppen geben, deren Träger der evangelische Kirchenkreis Unna wird.
  • Der Verkaufsstart für die ersten Häuser ist bereits erfolgt. Die Firma Wilma Immobilien nennt eine Preisspanne zwischen 400.000 und 450.000 Euro für je eine Doppelhaushälfte. Je nach Lage bieten die zwischen 131 und 139 Quadratmeter Wohnraum.
  • Zudem werden dort auch sechs Mehrfamilienhäuser mit insgesamt 66 Mietwohnungen gebaut.

Ausbau der Schäferkampstraße nicht zwingend nötig

Zum Hintergrund: Der Wohnpark Emscherquelle wird mit dem Auto von der Sölder Straße aus erreichbar sein. Weil der Verkehr von dort aus über die Hauptstraße in die Gemeindemitte zu langen Rückstaus führen könnte, haben sich die Fachleute nun etwas näher mit der Schäferkampstraße beschäftigt.

Die Quintessenz: Auch nach dem Bau des Wohnparks sollte die Schäferkampstraße dem erwarteten Verkehrsaufkommen gewachsen sein, müsste laut Gutachten nicht unbedingt ausgebaut werden. Nach den Erkenntnissen der Verkehrsplaner ist der Weg von der Schäferkampstraße in die Ortsmitte zudem schneller als die Route über die Sölder Straße, dafür aber etwas länger.

Jetzt lesen

Die Route ist nur schneller, wenn man nicht vor der Bahnschranke stehen muss

Wichtig zur Einordnung: Der Weg über die Schäferkampstraße ist nur schneller – und für die künftigen Anwohner des Wohnparks Emscherquelle wohlmöglich attraktiver – sofern man am naheliegenden Bahnübergang nicht vor der verschlossenen Schranke warten muss.

Soll der verkehrlichen Mehrbelastung, die der Bau des Wohnparks Emscherquelle mit sich bringen soll, gewachsen sein und müsste offenbar nicht ausgebaut werden: die Schäferkampstraße.

Soll der verkehrlichen Mehrbelastung, die der Bau des Wohnparks Emscherquelle mit sich bringen soll, gewachsen sein und müsste offenbar nicht ausgebaut werden: die Schäferkampstraße. © Carlo Czichowski

Die durchschnittliche Wartezeit liegt in diesem Fall bei ungefähr vier Minuten. Hinzu kommt, dass bei der Route über die Schäferkampstraße keine „sinnvollen“ Zwischenstopps, etwa in einem Supermarkt, einer Schule oder Kita möglich sind. Fraglich ist also ohnehin, ob der Weg über die Schäferkampstraße für die Anlieger des Wohnparks attraktiv genug sein wird – und ob sie ihn von sich aus in Betracht ziehen werden.

„Ich finde es schade, dass sowohl Rad- als auch Fußgängerverkehr darin nicht berücksichtigt wurden“
Lars Berger, FDP-Chef in Holzwickede

„Finde es schade, dass der Rad- und Fußgängerverkehr nicht berücksichtigt wurde“

Aus Sicht des Antragsstellers waren die Ausführungen der Düsseldorfer Fachfirma nicht ganz zufriedenstellend: „Ich finde es schade, dass sowohl Rad- als auch Fußgängerverkehr darin nicht berücksichtigt wurden“, sagte FDP-Chef Lars Berger im Anschluss an den Vortrag und bezeichnete ihn aus diesem Grund als „nicht vollumfänglich“.

Aus Sicht der Liberalen wäre es wünschenswert, alle Verkehrsteilnehmer in die Überlegungen mit einzubinden, um eine bestmögliche Regelung des Verkehrs zu bezwecken. „Wenn ich gewisse Dinge für Radfahrer attraktiver gestalten kann, steigt vielleicht auch im eher flachen Dorf der ein oder andere mehr aufs Fahrrad, wenn er in die Gemeindemitte will“, so Berger. Das hätte das Potenzial, den Pkw-Verkehr in diesem Bereich zusätzlich zu entlasten.

Jetzt lesen

Zudem gebe es, so berichten Anwohner aus dem betroffenen Gebiet, eine Diskrepanz zwischen ihrer Wahrnehmung und den vorliegenden Fakten. Es bleibe abzuwarten, wie sich der Bau des Wohnparks Emscherquelle am Ende wirklich auf den Verkehr auswirken wird – und welche Route die neuen Anwohner wählen werden, wenn sie so schnell wie möglich in die Gemeindemitte wollen.

Der Sprecher des Düsseldorfer Büros verwies auf die Erkenntnisse der bisherigen Gutachten: Die Präsentation ist nicht solitär zu betrachten. Es handelt sich gewissermaßen um ein Add-on“, so der Verkehrsplaner einen Tag nach der Ausschusssitzung.

Lesen Sie jetzt
Hellweger Anzeiger Feuerwehr Holzwickede
Holzwickeder Feuerwehr übergibt kleines Feuerwehrauto auf großer Mission an Dortmund
Hellweger Anzeiger Neubaugebiet in Holzwickede
Wohnpark Emscherquelle: Wilma findet Investor für Mehrfamilienhäuser