Holzwickede, der Ort der Reichen und Schönen? Vielen Bewohnern der Emschergemeinde dürfte so eine Aussage ein Stirnrunzeln bereiten. Statistiker können sie belegen – und haben noch mehr Überraschungen.

Unna

, 05.08.2019, 16:33 Uhr / Lesedauer: 3 min

Der typische Holzwickeder... ist natürlich eine Kunstfigur. Auch bei 17.118 Einwohnern, die der Statistikbetrieb des Landes im vergangenen Jahr berechnet hat, wird vermutlich nicht ein Mensch sein, der in allen Datensätzen dem Durchschnitt entspricht. Trotzdem lässt das sogenannte Kommunalprofil von IT NRW aussagekräftige Rückschlüsse über das Leben in der Emschergemeinde zu. Und einige davon dürften die Holzwickeder selbst überraschen.

Der typische Holzwickeder ist eine Holzwickederin

Ungewöhnlich hoch ist in Holzwickede zum Beispiel der Frauenanteil. 51,6 Prozent der Einwohner sind weiblich, 48,4 Prozent dementsprechend männlich. Der Weisheit, dass auf jeden Topf ein Deckel passt, dürfen Alleinstehende in Holzwickede also mit Skepsis begegnen. Im Landesdurchschnitt liegt die Frauenquote übrigens nur bei 50,9 Prozent.

Eine mögliche Erklärung – oder Folge – des hohen Frauenanteils ist auch die Altersverteilung. Exakt 25 Prozent der Menschen im Ort sind 65 oder älter. Im Landesschnitt sind es 20,9 Prozent. Dass Holzwickede einerseits eher weiblich und andererseits eher alt ist, fällt in dem Befund zusammen, dass Frauen eine höhere Lebenserwartung haben.

Der typische Holzwickeder ist eine reiche, alte Frau

Die Mehrheit der Menschen in Holzwickede ist weiblich. Vor diesem Hintergrund ist zum Beispiel die Evangelische Frauenhilfe gut aufgestellt. © UDO HENNES

Taufen und Todesfälle sind relativ selten

Im Allgemeinen also darf der Holzwickeder auf ein langes Leben hoffen. Die Todesrate lag in den vergangenen Jahren leicht unter dem Durchschnitt: Von 1000 Einwohnern bereiteten 11,6 ihren Angehörigen Anlass für eine traurige Zusammenkunft. Kreisweit liegt der Wert bei 12,4.

Unterdurchschnittlich verhalten sich die Holzwickeder aber auch bei den Gründen für freudige Familienfeste: Auf 1000 Einwohner kamen zuletzt jährlich 7,1 Geburten. Kreisweit lag die Quote bei 8,3, landesweit sogar bei 9,1. Wer nun annimmt, dass Holzwickede auf natürlichem Wege jährlich 4,5 Promille Einwohnerrückgang verzeichnet, hat vor allem eines: richtig gerechnet.

Schöner wohnen (vor allem als in Dortmund)

Trotzdem ist die Bevölkerung relativ stabil. Das liegt vor allem am Saldo aus Zuzügen und Fortzügen. Zwischen 2013 und 2017 werteten die Statistiker im Durchschnitt 1031 Zu- und 884 Fortzüge aus. Der größte Tauschpartner dabei ist Dortmund, gefolgt von Unna. Größter Unterschied zwischen den beiden Nachbarstädten: Der Umzugsverkehr mit Dortmund brachte den Holzwickedern unterm Strich ein Plus von 74 Bürgern, während der Saldo zwischen Zu- und Fortzügen mit Blick auf Unna ein Minus von 53 ergibt. Von Dortmund via Holzwickede nach Unna? Statistisch gesehen mag das vorkommen.

Der typische Holzwickeder ist eine reiche, alte Frau

Die frühere Emscherkaserne ist abgerissen worden, um Platz für ein Wohngebiet zu schaffen. Bedarf ist gegeben. © Drossel

Freiraum ist knapp, Wald gibt es wenig

Dass Holzwickede der Wohn- und Schlafort von Dortmund wäre, ist schon oft behauptet worden. Ob es stimmt, ist mit den Mitteln der Statistik schwer zu prüfen. Dass Holzwickede insgesamt ein ausgeprägter Wohnort ist, stimmt aber durchaus.

Auf einem Quadratkilometer Fläche leben in Holzwickede durchschnittlich 764 Menschen. Im ganzen Kreis Unna sind es 725. Der Landeswert von 525 Bewohnern je Quadratkilometer zeigt, dass NRW nicht nur aus dem Ruhrgebiet besteht.

Wo Menschen sind, wird auch gebaut. 44,4 Prozent des Gemeindegebietes sind Siedlungs- und Verkehrsflächen, dienen also dem Wohnen, Arbeiten und Konsumieren oder der Fortbewegung. Auch unversiegelte Flächen wie die der Friedhöfe oder des Emscherparks fallen in diese Kategorie. Im Kreisdurchschnitt liegt der Flächenanteil der unmittelbar vom Menschen genutzten Grundstücke nur bei 32 Prozent und im Landesmittel bei 22,9 Prozent.

Dass Holzwickede im Umkehrschluss wenig Freiflächen hat, ist eine logische Konsequenz: 45 Prozent des Gemeindegebietes sind Acker- oder Weideland, 8,2 Prozent Wald. Kreisweit liegt der Waldanteil bei 13,2 Prozent, landesweit bei 26 Prozent.

Dass diese Verteilung insgesamt auf kleinem Raum erfolgt, überrascht wohl nicht. 2.236 Hektar beträgt die Gemeindefläche von Holzwickede. Rechnerisch ließen sich auch 3.131 Fußballplätze darauf setzen. Aber dann gäbe es keinen Platz mehr für Spieler und Zuschauer.

Bauboom stärkt die Wirtschaftskraft

Einen Boom beim Flächenverbrauch hat Holzwickede erst in den zurückliegenden 15 Jahren erlebt. Seit 2004 ist der Umfang der Siedlungs- und Verkehrsflächen um gut ein Drittel gestiegen. Wer sich ein wenig mit der Geschichte des Ortes befasst, dem fallen schnell einige Ursachen für diesen Befund ein: Das Wohngebiet Neue Caroline, das Gewerbe an Stehfen- und Borsigstraße sowie große Teile des Ecoports am Flughafen sind in dieser Zeit entstanden.

Die Betriebe dort haben auch das wirtschaftliche Fundament Holzwickedes gestärkt. 11.171 sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze gibt es im Ort. Stark vertreten sind Unternehmen aus Handel, Dienstleistung und Logistik. Das produzierende Gewerbe macht trotz der Großarbeitgeber Wiederholt und Montanhydraulik nur 19,1 Prozent des Arbeitsplatzangebotes aus. Im Landesmittel sind es 26, 9 Prozent.

Der typische Holzwickeder ist eine reiche, alte Frau

Ab 2004 ist in Holzwickede sehr kräftig gebaut worden. Das Gewerbe an Stehfen- und Borsigstraße ist ein Beispiel dafür. © Greis

„Herr Holzwickede“ ist ein Gutverdiener

Lohnt es sich, so zu arbeiten? Absolut! Denn Geld scheint dem Holzwickeder nicht zu fehlen. Das durchschnittliche Primäreinkommen liegt bei jährlich 30.002 Euro. Im Kreismittel beträgt es 23.925 Euro und im Landesdurchschnitt 26.140 Euro.

Nach Abzug grundlegender Ausgaben bleibt dem Holzwickeder ein frei verfügbares Einkommen von 26.212. In der Rangliste der 396 Kommunen in NRW liegt die Emschergemeinde damit auf Platz 29.

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