Sprachkurs in den Ferien hilft beim Lernen und sorgt für neue Freundschaften

dzAngebot im Treffpunkt Villa

Wer nach Deutschland kommt, muss die Sprache lernen. Das ist richtig, aber Sprache alleine reicht nicht, um anzukommen. Das zeigt ein Angebot für Kinder im Treffpunkt Villa.

Holzwickede

, 18.10.2018, 17:38 Uhr / Lesedauer: 3 min

So schwierig ist Deutsch nicht“, sagt die elfjährige Banan und dürfte die Meinung nicht nur unter Fremdsprachlern ziemlich exklusiv haben. Seit drei Jahren wohnt sie in Schwerte und besucht dort die Gesamtschule Gänsewinkel. Genau wie ihre Freundinnen Aisha und Nahawand. Das Trio scheint ein eingespieltes Team. Hat die eine etwas zu sagen, fällt der nächsten auch noch etwas ein. Der 13-jährigen Khadija fällt das nicht so leicht. Sie wohnt in Unna und besucht die Holzwickeder Josef-Reding-Schule. Die Frage, wann sie nach Deutschland kam, muss Banan ins Arabische übersetzen. „Seit elf Monaten“, sagt Khadija dann sofort auf Deutsch.

Dass Khadija in dem Trio aus Schwerte neue Freundinnen gefunden hat, liegt am Programm „Fit in Deutsch“. Das wird durch das NRW-Familienministerium gefördert und in den Herbstferien durch den Kreis Unna und das Kommunale Integrationszentrum (KI) erstmals in Holzwickede angeboten. Dahinter steckt die Idee, Kindern mit Wurzeln im Ausland auch in den Ferien eine Möglichkeit zu geben, Deutsch zu lernen. „Zu Hause sprechen wir Deutsch, aber manchmal wechselt man ins Arabische, ohne es zu merken“, sagt Nahawand. Damit die Kinder auch in den Ferien einen Anreiz bekommen, die Sprache zu lernen, üben sie mit den Lernbegleitern Betty Jellinghaus und Christian Sapok.

Spaß an der Sprache vermitteln

Zehn Rechner mit einem Lernprogramm hat der Kreis Unna in der Villa aufgebaut. „Uns stehen darauf rund 11.000 Übungen für jedes Sprachniveau zur Verfügung“, sagt Christian Sapok. Er unterrichtet an zwei Bildungseinrichtungen in Lünen normalerweise Erwachsene. „Die Löwen haben Hunger. Da ist es etwas lebhafter“, sagt er in der Mittagspause bei Burger und Röstis. Etwas spontaner als im Umgang mit den Erwachsenen müsse er schon sein, aber von der Gruppe ist Sapok überzeugt: „Die Kinder ziehen mit. Wir achten aber auch darauf, dass die Sprache nicht zu schulisch, sondern eher spielerisch gefördert wird. Die Kinder sollen den Spaß an der Sprache mitnehmen.“

Sprachkurs in den Ferien hilft beim Lernen und sorgt für neue Freundschaften

Betty Jellinghaus hilft Khadija (l.) und Safi an den Rechnern. Theoretisch stehen den Kindern in dem genutzten Lernprogramm rund 11.000 Übungen zur Verfügung. © Marcel Drawe

27 Kinder und Jugendliche hatten sich im Vorfeld für den kostenfreien Kurs gemeldet, 19 sind in dieser Woche regelmäßig erschienen. Christian Sapok und Betty Jellinghaus mussten am Montag schnell das Eis brechen, eine gemeinsame Woche ist schließlich schnell vorbei. „Mit einem Dozenten vom Kreissportbund haben wir uns in Begrüßungsspielen kennengelernt, um locker zu starten“, sagt Sapok. Danach ging es für zehn der Kinder an die Rechner, der Rest beschäftigte sich analog in verschiedenen Spielen mit der Sprache. „Lernen am Computer ist hier viel besser. Ich weiß hier genau, was ich machen soll. Zu Hause fehlt mir das“, sagt Aisha.

Die Lerneinheiten finden in den folgenden Tagen meist vormittags statt, am Nachmittag warten Ausflüge: „Wir waren in der Bibliothek und am Flughafen. Das war ziemlich cool und es ist nicht so langweilig wie zu Hause“, sagt Aisha und freut sich am Donnerstagmittag bereits auf das Nachmittagsprogramm: „Dann tanzen wir Hip Hop.“ Tanzlehrer John Bakuma, der regelmäßig in der Villa einen Kurs gibt, hatte sich angekündigt. „Das Angebot ist dann auch offen für andere Kinder“, sagt Villa-Leiter Klaus Neumann und spricht einen wichtigen Unterschied zum ersten Kurs dieser Art während der Osterferien in Bönen an: Nach den Lerneinheiten steht es den Teilnehmern frei, in der Villa zu bleiben: Das Kinder- und Jugendcafé hat im Anschluss an den Kurs geöffnet.

Sprachkurs in den Ferien hilft beim Lernen und sorgt für neue Freundschaften

Der Rundgang über den Dortmunder Flughafen war ein Höhepunkt für die Kinder und Jugendlichen. © Kreis Unna

Laut Projektleiterin Maria Galisteo wären die Kinder im Frühjahr nach Kursende gerne noch beisammen geblieben. Das ging aber nicht. In der Villa gesellen sich zu den Kursteilnehmern dann die regelmäßigen Besucher. „Ein Viertel der Kinder aus dem Sprachkurs kennt die Villa auch schon. Der Rest ist neu und so kommen die Kinder untereinander in Kontakt“, sagt Neumann. Das ist ein Aspekt, der sowohl Galisteo als auch der KI-Leiterin Marina Raupach enorm wichtig ist. „Sprache ist eine Plattform. Sie zu sprechen, bedeutet aber nicht, automatisch integriert zu sein“, sagt Raupach. Soziale Integration geschehe vielmehr über die Teilnahme an Regelangeboten. „So ein Sprachkurs kann dafür ein Fundament sein“, sagt Raupach. Am Freitag endet der Kurs mit einer gemeinsamen Malaktion, bei der ein Bild für die Villa entstehen soll. Auch hier sind andere Kinder nach den Lerneinheiten am frühen Nachmittag willkommen.

Nach Stationen in Bönen und Holzwickede soll „Fit in Deutsch“ im kommenden Jahr in den Osterferien auch in Fröndenberg getestet werden. Für den Kurs müsse man laut Raupach einen überschaubaren vierstelligen Betrag einplanen, der in erster Linie die Kosten für die Honorarkräfte abdeckt. 80 Prozent der Kosten seien zudem förderfähig. Bislang sind der Kreis Unna und das KI mit der Resonanz auf die Kurse zufrieden. Beim Gang in die Schulen, um für den Kurs zu werben, habe man sie immer wieder darauf angesprochen, dass es an solchen Angeboten mangele, so Maria Galisteo. Nach dem letzten geplanten Kurs in Fröndenberg ist das Ziel: „Wir beenden das Pilotprojekt, werten alles aus und können dann einem Träger für das Angebot beratend zur Seite stehen“, hofft Marina Raupach auf Initiativen oder Vereine, die dieses Angebot längerfristig umsetzen möchten.

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