Zu nah am Treffpunkt Villa? Darum musste die Spielhalle an der Nordstraße nicht schließen

dzGlücksspielgesetz

Seit zwei Jahren gilt in NRW ein verschärftes Glücksspielgesetz. Es sieht unter anderem einen Mindestabstand zwischen Spielhallen und Jugendeinrichtungen vor. Doch das greift nicht in jedem Fall.

Holzwickede

, 02.10.2019, 15:17 Uhr / Lesedauer: 2 min

350 Meter müssen zwischen Spielotheken und Jugendeinrichtungen liegen. So ist es in dem NRW-weiten Glücksspielgesetz geregelt, das nach einer fünfjährigen Übergangsfrist bereits 2017 in seiner vollen Form in Kraft getreten ist.

Knapp zwei Jahre danach stellt sich daher die Frage, warum die Spielhalle an der Nordstraße noch existiert. Die Nordschule liegt zwar nach Messungen der Gemeinde außerhalb dieses Radius, der Treffpunkt Villa ist dafür nur rund 200 Meter entfernt. Mit anderen Worten: Nach dem Sinn des Gesetzes ist sie jugendschutztechnisch möglicherweise bedenklich. Trotzdem sind die Pforten für volljährige Zocker an der Nordstraße weiterhin geöffnet.

Gesetz gilt nur für neu eröffnete Spielhallen

Auf Nachfrage erklärte Ordnungsamtschefin Stefanie Heinrich, dass das Gesetz nur bei neu eröffneten Spielhallen Anwendung finde. Bei Bestandsspielhallen greife es hingegen nicht. Die Spielothek an der Nordstraße existierte nach ihren Angaben bereits lange vor Inkrafttreten des Gesetzes. Von der 2017 befürchteten Schließungswelle der landesweiten Spielhallen blieb sie daher verschont.

Aus juristischer Sicht ist die Existenz der Spielhalle also durchaus legitimiert. Sie fällt aber gewissermaßen durchs Raster jenes Gesetzes, das eigentlich unter anderem das Thema Jugendschutz anpacken wollte.

Zu nah am Treffpunkt Villa? Darum musste die Spielhalle an der Nordstraße nicht schließen

Die Jugendeinrichtung Treffpunkt Villa ist knapp 200 Meter von der Spielhalle an der Nordstraße entfernt. Jugendschutztechnische Bedenken gibt es in der Einrichtung nicht. © Greis

„Nehmen den Jugendschutz sehr ernst“

Bedenken gibt es aus Sicht der Gemeindeverwaltung nicht: „Wir nehmen den Jugendschutz sehr ernst“, sagt Heinrich. Sie halte die Spielhalle an der Nordstraße für verhältnismäßig unscheinbar. Wenn man Kinder nicht bewusst auf sie aufmerksam mache, würde sie von ihnen vermutlich gar nicht erst wahrgenommen werden.

Das sieht auch Ralf Sonnenburg, Diplom-Sozialpädagoge aus dem Treffpunkt Villa, so: „Ich arbeite nun schon lange Jahre hier, aber dass Kinder oder Jugendliche in der Spielhalle verkehren oder das ein Thema für sie ist, das ist mir nicht bekannt.“ Die Kinder würden das Gebäude gar nicht wahrnehmen. „Eher zieht es sie schon zu McDonald‘s, obwohl die Entfernung hier um einiges größer ist“, sagt Sonnenburg.

Neben dem Jugendschutz ist eine weitere Frage, wie Spielotheken ins Bild einer Kommune passen. In vielen Großstädten wie Hagen prägen sie die ganze Bahnhofsgegend. In Bergkamen, auch als „Hauptstadt der Spielhallen“ im Kreis Unna bekannt, ist man wiederum bemüht, die Zahl der Spielhallenkonzessionen von derzeit 18 auf neun bis Sommer 2021 zu reduzieren.

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