Sorge um die Zukunft des Sozialkaufhauses

dzBeschäftigungsprogramm läuft aus

Die Diakonie Ruhr Hellweg sorgt sich um den Fortbestand der Sozialkaufhäuser. Das Bundesprogramm „Soziale Teilhabe am Arbeitsmarkt“ läuft aus. Das könnte für das Kaufnett das Aus bedeuten.

Holzwickede

, 12.10.2018, 16:54 Uhr / Lesedauer: 2 min

Mit großer Sorge blickt die Diakonie Ruhr Hellweg auf ihre Sozialkaufhäuser und damit auch auf das Holzwickeder Kaufnett.

Es geht um das Bundesprogramm „Soziale Teilhabe am Arbeitsmarkt“, das zum Ende des Jahres ausläuft und für das bislang kein Ersatz gefunden wurde. Treffen wird dieses Aus allein zehn Mitarbeiter in Holzwickede, ehemalige Langzeitarbeitslose, die aufgrund von Krankheit, Behinderung, familiärer Situation keine Chance auf dem ersten Arbeitsmarkt hatten. 63 Mitarbeiter sind in den Kaufnett-Kaufhäusern der Diakonie im Kreis Unna betroffen. 100 in den Kaufnett-Kaufhäusern insgesamt. Christine Weyrowitz, Geschäftsführerin Kaufnett, hatte deshalb zur Modenschau am Freitag Unterstützer wie den Superintendenten Hans-Martin Böcker und den Vorstand der Diakonie, Christian Korte, eingeladen. „Wir sind leider im Moment in einer Situation, in der wir nicht wissen, wie es weitergeht. Wir wollen uns aber nicht den Schneid abkaufen lassen und hoffen auf gute Nachrichten“, machte Weyrowitz in ihrer Begrüßungsansprache deutlich. Sie bekräftigte, dass ihre Mitarbeiter sehr gute Arbeit leisten, dass es ihnen durch das Programm ermöglicht wird, eigenes Geld zu verdienen, sich auf dem Arbeitsmarkt wieder zurechtzufinden.

Und nicht nur das: Das Sozialkaufhaus dient auch den Bürgern. Sie können hier günstig einkaufen und sich im Café treffen, für kleines Geld Kaffee und Kuchen genießen. Und sie kommen zahlreich, wenn bei einer Modenschau die Mitarbeiter über den „Laufsteg“ laufen. Im Sozialkaufhaus arbeiten zudem Jugendliche, die mithilfe eines weiteren Arbeitsmarktprogramms verschiedene Arbeitsbereiche, vom Verkauf über die Gastronomie bis zum Handwerk in einer Upcycling-Werkstatt, kennenlernen. „Auch ihre Zukunft ist ungewiss“, machte Weyrowitz deutlich.

In Superintendent Böcker findet die Diakonie einen Unterstützer: „Die Menschen, die hier arbeiten, haben es schwer gehabt in ihrem Leben“, befürchtet er, dass mit dem Ende des Programms die Existenz der Sozialkaufhäuser insgesamt gefährdet ist. „Das Sozialkaufhaus ist eine wichtige soziale Einrichtung und unverzichtbar für Menschen, die darauf angewiesen sind. Ein sozialer Arbeitsmarkt ist Sinn und Ziel unserer Beschäftigungsgesellschaft und muss unbedingt erhaltenbleiben.“ Auch Hans-Ulrich Bangert, Vorsitzender des Diakonieausschusses der Evangelischen Kirchengemeinde Holzwickede und Opherdicke, betonte die Bedeutung des Sozialkaufhauses aus sozialen und ökologischen Gründen und weil hier Menschen eine Chance bekommen, sich in der Arbeitswelt zurechtzufinden.

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