Für die Sanierung des Nichtschwimmerbeckens in der Schönen Flöte drohen der Gemeinde hohe Kosten – mit Blick auf das millionenschwere Corona-Loch im Haushalt bahnt sich eine schwierige Entscheidung an.

Holzwickede

, 17.06.2020, 17:39 Uhr / Lesedauer: 3 min

Komplexe Sanierung der Kleinschwimmhalle im Schulzentrum, Reparatur des Aktionsbeckens in der Schönen Flöte: Stefan Petersmann ist als Chef der Holzwickeder Wasserversorgung Hiobsbotschaften inzwischen durchaus gewöhnt. Der Riss im Nichtschwimmerbecken, der sich während der ersten Lockerungen nach der harten Phase des Corona-Lockdowns aufgetan hat, spielt aus seiner Sicht aber in einer völlig neuen Liga.

In der Sitzung des Betriebsausschusses am Dienstag, 16. Juni, hatten sich Politik und Öffentlichkeit in der Rausinger Halle erste Antworten zum Ausmaß des Problems erhofft. Diese Erwartung musste Petersmann vorerst enttäuschen: „Ich habe momentan selbst noch sehr viele Fragen“, sagte er einleitend und fügte hinzu: „Ich weiß derzeit überhaupt nicht, wo wir das Schiff hinlenken sollen.“

Zu viele Fragen offen: Sanierung des Nichtschwimmerbeckens ist noch nicht möglich

Das metaphorische Schiff, die Schöne Flöte, steht nämlich gewissermaßen vor dem Scheideweg: Im Raum stehen mindestens zwei Optionen, mit denen das Freibad langfristig – und weiterhin möglichst attraktiv – betrieben werden kann. Die aufwendigste Variante wäre eine vollständige Sanierung des Beckens.

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Eine andere Option ist eine Teilsanierung, bei der lediglich der schadhafte Beckenboden erneuert werden würde. Zunächst, so teilte Petersmann mit, muss aber von Fachleuten geklärt werden, ob die zweite Option überhaupt möglich ist. Mit Blick auf die Größe des Risses (25 Meter lang, mehrere Zentimeter hoch) könnte es sein, dass neben dem Beckenboden auch weitere Bereiche betroffen sind.

„Ich habe momentan selbst noch sehr viele Fragen.“
Stefan Petersmann, Chef der Holzwickeder Wasserversorgung

Über den Riss ist bisher wenig bekannt, Untersuchungen könnten dauern

Das Problem bei der Entscheidungsfindung: Bisher ist über den Riss zu wenig bekannt. Petersmann hat sich zwar bereits von Fachfirmen Meinungen eingeholt. Genaueres zum tatsächlichen Ausmaß des Schadens und etwaigen Kosten einer Sanierung sei noch nicht hundertprozentig sicher.

Und auch bei der Ursache will sich Petersmann nicht zu weit aus dem Fenster lehnen: Nach dem bisherigen Stand geht die Verwaltung davon aus, dass es sich um einen Spannungsriss handeln könnte. Zu hundert Prozent sicher sei das aber nicht.

In ersten Gesprächen mit Fachleuten wurde Wasserversorgungs-Chef Stefan Petersmann bestätigt, dass es sich bei dem 25 Meter langen Riss um einen besonders schwerwiegenden Schaden handelt, den selbst die Experten nicht oft zu Gesicht bekommen.

In ersten Gesprächen mit Fachleuten wurde Wasserversorgungs-Chef Stefan Petersmann bestätigt, dass es sich bei dem 25 Meter langen Riss um einen besonders schwerwiegenden Schaden handelt, den selbst die Experten nicht oft zu Gesicht bekommen. © Udo Hennes

Ausschussmitglied fordert, die Frage nach der Ursache in den Mittelpunkt zu rücken

Rolf Rehling, der als sachkundiger Bürger für die Grünen im Ausschuss sitzt, ist der Auffassung, dass die Verwaltung mit der Klärung von Sanierungskosten und -alternativen den zweiten Schritt vor dem ersten macht: Sie solle stattdessen dringend bei der Frage nach der Ursache weiter ansetzen.

Für eine langfristige Lösung sei es schließlich wichtig zu wissen, warum der Riss entstehen konnte: „Ehe ich mich mit Finanzen beschäftige, möchte ich mich erst mit technischen Fragen beschäftigen. Und dazu gehört eben auch die Frage nach der Ursache“, sagte Rehling in der Ausschusssitzung.

„Ehe ich mich mit Finanzen beschäftige, möchte ich mich erst mit technischen Fragen beschäftigen. Und dazu gehört eben auch die Frage nach der Ursache.“
Rolf Rehling, sachkundiger Bürger (Grüne)

Nach Angaben von Petersmann gibt es aber noch ein weiteres Problem, das die Suche nach Antworten derzeit erschwert: Die Auftragsbücher vieler Fachfirmen seien voll. Petersmann und sein Team müssen sich bei den weiteren Untersuchungen wohl auf lange Wartezeiten einstellen.

Die Politik beauftragt die Verwaltung mit der Suche nach Sanierungsplänen

Einen konkreten Fahrplan konnte Petersmann den Ausschussmitgliedern also noch nicht vorlegen. Der von der Verwaltung empfohlene Beschluss sah lediglich vor, dass der Ausschuss die Verwaltung mit der Suche nach „weitergehenden Planungsvarianten“ beauftragt. Soll bedeuten: Petersmann und seine Kollegen sammeln gemeinsam mit Experten weitere Erkenntnisse zum Riss, ehe man eine Entscheidung treffen kann.

Das ist am Ende mit der Gegenstimme von Rolf Rehling beschlossen worden. Politik und Verwaltung einigten sich aber noch auf einen Zusatz: Sie bilden einen Arbeitskreis, um sich auch während der Sommerpause mit dem Thema zu beschäftigen.

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Eine Sanierung wird den coronageschädigten Haushalt noch mehr belasten

Egal zu welchen Erkenntnissen man am Ende auch kommen mag, einfach dürfte die politische Diskussion so oder so nicht werden: Eine entscheidende Frage, um die Politik und Verwaltung nicht herum kommen werden, ist die Tatsache, ob und wie eine Sanierung mit Blick auf den coronageschädigten Gemeindehaushalt wirtschaftlich sinnvoll umsetzbar ist.

Petersmann sprach davon, dass man technische und wirtschaftliche Belange unter einen Hut bringen müsse, wenn man das Schiff Schöne Flöte am Ende in die richtige Richtung lenken möchte.

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