Ohne zu brüllen: So dringen Eltern richtig zu ihren Kindern durch

dzErziehung

„Raus aus der Brüllfalle“ lautete das Vortragsthema in der Kita Hokuspokus. Referentin Angela Stauten-Eberhardt traf den Nerv der Teilnehmer. Viele erkannten Alltagssituationen wieder.

von Angelika Hartjenstein

Holzwickede

, 26.02.2020, 16:42 Uhr / Lesedauer: 2 min

„Es gibt kein Patentrezept für Erziehung. Da braucht es einen bunten Blumenstrauß und viel Bauchgefühl, auf das wir vertrauen sollten“, lautete das Fazit von Angela Stauten-Eberhard. Dennoch konnte sie den anwesenden Eltern hilfreiche Tipps zur Vermeidung von Eskalationen mit auf den Weg geben.

Die 53-Jährige Dozentin der Lehrer- und Erzieherfortbildung besuchte am Dienstag die Kita Hokuspokus. Im Gepäck hatte die Grundschullehrerin Verhaltenshinweisen zu alltäglichen Erziehungssituationen sowie einen Filmvortrag von Wilfried Brüning über die Falle des Erziehungsmodells „Gut gebrüllt“.

„Gerade wenn ich gestresst bin, reagiere ich gereizter“

Bevor es jedoch den Film zu sehen gab, besprach Angela Stauten-Eberhard mit den Zuhörerinnen – und einem Zuhörer – die Gründe für die Spirale „Brüllfalle“. „Wenn mein Kind nicht reagiert, mich ignoriert, dann werde ich ärgerlich. Das schaukelt sich manchmal schon hoch“, berichtete eine Mutter. Eine andere Mutter fügte hinzu: „Oft geschieht es aus dem Alltag heraus. Gerade wenn ich gestresst bin, reagiere ich gereizter.“

Ob sich eine Konfliktsituation zur „Brüllfalle“ entwickelt, hänge auch von der eigenen Haltung ab, betonte die Referentin in diesem Zusammenhang. Was aber tun, wenn die Sprößlinge nicht hören? Oft erscheint nach mehrmaligen Bitten das lautstarke Machtwort als die letzte Lösung. Angela Stauten-Eberhard riet den Eltern, in Konfliktsituationen positiv gestimmt einzusteigen.

Kita-Leiterin Stefanie Kamp war im Vorfeld schon überrascht ob des großen Interesses am Vortrag von Angela Stauten-Eberhardt (r.).

Kita-Leiterin Stefanie Kamp war im Vorfeld schon überrascht ob des großen Interesses am Vortrag von Angela Stauten-Eberhardt (r.). © Borys Sarad

Kinder bekommen falschen Eindruck von Konflikten

Lautstarke Auseinandersetzungen gäben den Kindern auf den Weg: „Wer brüllt, der gewinnt.“ Um sich in Emotionen von Kindern einfühlen zu können, übernahmen zwei Frauen mit Magnettafeln in der Hand eine „Ich“- sowie eine „Du“-Position. Unter den anderen Teilnehmern wurden Aussagekarten verteilt: Es gab zwei Aussagen mit demselben Kern, nur unterschiedlich formuliert.

Da standen: „Wenn du kippelst, fürchte ich, du wirst umkippen und dich verletzen“ gegen: „Höre endlich auf mit dem Stuhl zu kippeln. Du weißt, dass du das nicht machen sollst.“

Bei dem Experiment war zu beobachten, dass die Teilnehmer mit der „Du“-Ansage, die immer einen vorwurfsvollen Ton in sich trug, aggressiver auftraten und ihre Karten mit mehr Schwung an die Tafeln hefteten als die „Ich“-Gruppe. „Das hat sich nicht gut angefühlt“, berichtete die „Du“-Mama im Anschluss.

Eltern sollen nicht „gegen eine Wand reden“

„Wir können uns Zeit und Nerven sparen, wenn wir uns bewusst machen, dass Kinder ‚Hüllenwesen‘ sind und selektieren, was sie in ihre Blase vordringen lassen“, erklärte Angela Stauten-Eberhard. Denn befindet sich ein Kind im Spiel, so sei es mit allen Sinnen bei der Sache. Prioritäten von Kindern lägen anders als bei Erwachsenen. Da komme es schnell vor, als fühle man sich, als rede man mit einer Wand. „Mit Wänden reden, das kommt mir so bekannt vor“, verriet eine Mutter zweier Kinder.

Um den Nachwuchs in seinem „Kinderland“ erreichen zu können, riet die Referentin, die Kinder zu „kontaktieren“. Denn: „Es geht darum, in ihre „Stör-mich-nicht-Hülle“ einzudringen, ihre Aufmerksamkeit zu erlangen.“

Am Ende der zweistündigen Veranstaltung gaben die Teilnehmer durchweg positive Rückmeldungen: „Ich bin froh, dass ich her gekommen bin. Viele Dinge sind im Alltagsstress verloren gegangen. Das hier war wie eine Auffrischung, um mir wieder klar zu machen, worauf es ankommt.“

Stefanie Kamp, die Leiterin der Kita Hokuspokus, zeigte sich erfreut über die positive Resonanz: „Wir haben Angela Stauten-Eberhard auf Elternwunsch eingeladen, nachdem sie bereits im letzten Jahr mit ihrem Medienkompetenznachmittag bei uns war.“

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