Joachim Huske hat sein Leben dem Bergbau verschrieben. Mit 86 recherchiert er noch immer die Geschichte der Steinkohlenzechen. Ihre Geschichte möchte er bis zu ihrem Ende 2018 fortschreiben.

Holzwickede

, 12.11.2018, 16:45 Uhr / Lesedauer: 4 min

„Das Schlimmste, was ich erlebt habe, war auf Königin Elisabeth in der Steillagerung. Ich war Reviersteiger und wäre beinahe erwischt worden, weil ein Teil des Strebes zu Bruch ging. Da hatte ich Todesangst.“ Dieses tragische Erlebnis verschüttet zu werden, ist das erste, von dem der heute 86-jährige Joachim Huske berichtet. Seine Kumpels haben ihn damals gerettet. Nach zwei Stunden war er wieder frei. Angst habe er danach aber nicht mehr gehabt. Und das Leben mit dem Bergbau, das sind für ihn nicht nur die 15 Jahre und vier Monate unter Tage und die Jahre bis zu seinem Vorruhestand mit 57 Jahren. Huske lebt auch heute noch täglich mit und irgendwie auch für den Bergbau, denn er schreibt, arbeitet weiter an der Geschichte der Steinkohlenzechen im Ruhrrevier und sitzt dabei in seinem Arbeitszimmer unter dem Dach, umgeben von Erinnerungsstücken. Da hängt hinter Glas ein Anschnitt der Steinkohlenzeche Hundsnocken aus Juni 1818 an der Wand. Da steht die erste elektrische Grubenlampe, die laut Huske Elfeinhalbpfünder genannt wurde, weil sie so viel wiegt. Die Lampen wurden von den Bergleuten am Gürtel getragen. Da zeugen zahlreiche Fotos von Huskes aktiver Zeit, stehen gleich mehrere Bronzestatuen der Heiligen Barbara in der Vitrine.

Sie nennen ihn Bergbau-Papst

Der Anschnitt hinter Glas, den Joachim Huske in Händen hält, stammt aus dem Jahr 1818 und listete alle Schichten aus dem Monat Juni auf. © UDO HENNES

Wenn Joachim Hucke anfängt zu erzählen, dann sollte der Zuhörer viel Zeit mitbringen, denn der ehemalige Bergbauingenieur hat viel zu erzählen.

Joachim Huske wurde in Berlin geboren. „Mein Großvater kam aus der Eifel, dann ging er nach Oberschlesien und später nach Breslau“, nennt Huske ein Vorbild, denn der Opa war auch Bergmann. Als Joachim Huske 1951 sein Abitur in der Tasche hatte „da war in Berlin nichts los, aber der Bergbau suchte Leute“, kannte Huskes Vater einen Mann, der Berufsschulrektor war und vorgeschlagen hatte, der Junge müsse „auf der Zeche Emscher-Lippe anfangen“. Also ging Joachim Huske nach Essen. „Dort in Essen-Heisingen war das Bergbau-Durchgangslager. Ein Arzt ging die Reihe ab und dann wurde man verteilt“. Huske kam nach Emscher-Lippe und hörte es flüstern: „Das ist eine Knochenmühle“.

Dem jungen Mann machte das nichts, ihm war klar: So wie viele andere, die nur im Bergbau arbeiteten, um sich als Neubergleute die Horex Regina (ein Moped) zu verdienen, wollte er es nicht machen. „Die haben uns das Gedinge kaputtgemacht“, erklärt Huske, dass diese Neubergleute so dermaßen „reinkloppten“, dass sie viel Ertrag machten, auf sich selber und ihre Gesundheit aber wenig oder keine Rücksicht nahmen. „Ich bekam damals für die Schicht 8,93 Mark“, weiß Huske noch. Gearbeitet wurde an sechs Tagen in der Woche. Und von dem Geld musste das Grubenzeug bezahlt werden. „Da blieben dann noch 160 Mark. Und davon musste man 120 Mark fürs Kolping-Haus und Verpflegung bezahlen“, erinnert er sich an diese nicht leichte Zeit.

Sie nennen ihn Bergbau-Papst

Zahlreiche Erinnerungsstücke hat Joachim Huske gesammelt. Achim Ackermann (l.) leitet heute den Arbeitskreis. © UDO HENNES

Joachim Huske wollte aber nicht nur ein einfacher Bergmann werden, er wollte Bergbautechnik studieren, wurde Bergbaubeflissener und musste eine sechsmonatige Beflissenenzeit leisten. Auf der Zeche Auguste Viktoria baute er Kupfer ab, denn der Erzabbau war Pflicht in der Beflissenenzeit, wie er erzählt. Fürs Studium zog Huske dann nach Österreich. „In Deutschland gab es den Numerus clausus. Das hätte ich nicht geschafft“, legt Huske den Grund für das Auslandsstudium in Leoben dar. Dort gefiel es ihm aber letztlich so gut, dass er sogar über das Vorstudium hinaus blieb. Und in Leoben lernte er auch seine spätere Frau kennen. Dass er mit Haut und Haaren Bergmann war, zeigte sich auch in den Semesterferien. Dann arbeitete Huske unter Tage - lernte zahlreiche Bergwerke kennen. Ob Steinkohle, Braunkohle oder auch Erze - Huske kam herum und verdiente sich zum Studium Geld dazu.

Nach dem Studium in Österreich zu bleiben, war für Huske aber keine Option. Und so bewarb er sich als Diplom-Ingenieur für Bergbautechnik bei der Essener Steinkohle. Sein Aufgabengebiet: die Mechanisierung unter Tage und die Sicherheit der Bergleute. Huske denkt noch immer gern an die Zusammenarbeit mit den Japanern und Chinesen. „Die kamen zum Gucken, fuhren mit an und waren irgendwie wie Stehaufmännchen“, staunt er heute noch über den Elan der Besucher.

Arbeitskreis

Zuerst ging es am Mundloch ans Werk

Erstes Ziel des 1990 gegründeten Arbeitskreises im Förderverein Bergbauhistorischer Stätten Ruhrrevier war es, das Mundloch des rund 5,2 Kilometer langen, fast vergessenen Caroliner Erbstollens wieder zugänglich zu machen. 1995 konnte die Fertigstellung gefeiert werden. Es folgte die Festlegung eines bergbauhistorischen Rundweges mit 27 bergbaulichen Objekten. Hierbei ist die gesamte Entwicklung des Ruhrbergbaus, vom oberflächennahen Kohlengraben über den Stollenbau und Tiefbau bis zum Kleinzechenbergbau erfasst. Von 2003 bis 2005 wurde die Tagesöffnung eines ehemaligen Wetterschachtes der ehemaligen Zeche Margarethe freigelegt und restauriert. Über dem Schacht wurde eine Fördereinrichtung, bestehend aus Dreibaum, Handhaspel und Förderkübel, aufgestellt. 2011 konnte auf dem Gelände der ehemaligen Zeche Caroline ein Bergbaudenkmal mit Seilscheibe, Schild, Förderwagen und Grenzstein eingeweiht werden.

Bergbaurundweg (1461 kB)

„Später kam die Ruhrkohle AG“, berichtet Huske , dass er dort bereits eine eigene Abteilung übernahm. Für Forschung und Entwicklung und das Betriebliche Vorschlagswesen war er da zuständig. Am 1. Januar 1990 wechselte Huske in den vorgezogenen Ruhestand. Da war er 57 Jahre alt. Dass er gehen musste, bedauert er noch heute. Das nimmt er den Vorgesetzten übel.

Bis zu diesem Punkt in seinem Leben war Huske ein Bergmann wie viele andere vor und auch nach ihm. Dann aber stieg er sozusagen in die Bergbauarchive ein, sammelte Daten und Fakten über „Die Steinkohlenzechen im Ruhrrevier von den Anfängen“. Das deutsche Bergbaumuseum veröffentlichte Huskes Arbeit. Huske wurde damit zum Bergbau-Papst. Die Estauflage listet die Entwicklung bis 1986 auf. Es folgte Auflage zwei mit Daten bis 1997, dann folgte die dritte Auflage mit Daten bis 2005. Jetzt arbeitet Huske an der vierten Auflage. „Ich würde das gern abschließen bis 2018“, ist sein Wunsch. Nach 2018 wird es kein aktives Bergwerk mehr in Deutschland geben. „1857“, sagt Huske, „waren es noch 296“.

Von Essen nach Holzwickede

Das Ehepaar Huske kam 1972 von Essen nach Holzwickede. „Eigentlich wollten wir in Essen-Kupferdreh bauen“, erinnert sich Huske, dass er dann aber bei den Bergbauwohnstätten von einem Grundstück in Holzwickede erfuhr. „Ich wusste gar nicht so richtig, wo Holzwickede liegt, und habe meiner Frau dann einfach erzählt, das sei gleich am Anfang vom Sauerland“, schmunzelt Huske heute.

Joachim Huske hat sich aber nicht nur mit zahlreichen Veröffentlichungen zum Thema Bergbau einen Namen gemacht. Huske schrieb unter anderem auch das Buch „Der ehemalige Bergbau im Raum Holzwickede“. Er war es auch, der dafür sorgte, dass erst im Kreis Unna und dann auch in der Emschergemeinde Arbeitskreise gegründet wurden. Der Arbeitskreis Kreis Unna im Förderverein Bergbauhistorischer Stätten Ruhrrevier wurde zuerst gegründet. Huske war dabei und gründete den Arbeitskreis auch für Holzwickede. Mit 85 Jahren war für Huske Schluss. Heute leitet Achim Ackermann den Holzwickeder Arbeitskreis.

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