Dr. Westermann reagierte auf seine Corona-Erkrankung zunächst mit einem Aushang, der aus einer emotionalen Situation heraus entstand. Mittlerweile hängt ein Nachfolger an seiner Praxistür, in dem der Arzt aber auch deutlich macht, dass er es als "unvernünftig, gesundheitsschädlich und unsolidarisch" empfindet, sich nicht impfen zu lassen. © Greis
Meinung

„Shitstorm“ gegen Holzwickeder Arzt – das ist asozial

Ein Arzt infiziert sich mit Corona, klebt einen Aushang an seine Tür und im Internet bricht ein Sturm der Entrüstung los wegen eines Wortes: asozial. Doch daran gibt es nichts auszusetzen, meint unser Autor.

Vor allem der Schlusssatz in seinem ursprünglichen Aushang ist für Dr. Dirk Westermann zu einem Bumerang geworden. Der geimpfte Allgemeinmediziner ist in Quarantäne, nachdem er sich in seiner Praxis mit Corona infizierte. Er vermutet, dass dies zum Ende der Ferien über ungeimpfte Menschen passiert sei, von denen er viele positiv auf Covid-19 testete.

„Sich nicht impfen zu lassen, ist gesundheitsschädlich und asozial“, so schloss er diesen ursprünglichen Aushang und bekam dafür vor allem im Internet Schelte. Anscheinend löst der Begriff „asozial“ bei manchen Menschen direkt Schnappatmung aus, weil er oft in abwertenden Zusammenhängen genutzt wird.

Asozial allen anderen Patienten gegenüber

Dabei ist asozial nur das Gegenteil von sozial. Und in diesem Sinne liegt Dr. Westermann richtig, wenn etwa ungeimpfte Urlaubsrückkehrer ohne Voranmeldung zu ihm kommen und den Praxisbetrieb zu gefährden. Das ist asozial allen anderen Patienten gegenüber – geimpft oder nicht. Und es ist, wie der Arzt richtigerweise bemerkt, ein asoziales Handeln gegenüber Menschen, die geimpft sein mögen aber ein geschwächtes Immunsystem haben.

Und bei allem Respekt für die eigene Meinung: Einem studierten Mediziner die eigenen Erkenntnisse aus der Schule des Lebens gegenüberzustellen und das teils mit Beleidigungen zu garnieren – das ist mal so richtig asozial.

Über den Autor
Redaktion Holzwickede
Jahrgang 1985, aufgewachsen auf dem Land in Thüringen. Fürs Studium 2007 nach Dortmund gekommen. Schreibt über alles, was in Holzwickede passiert. 17.000 Einwohner mit Dorfcharakter – wie in der alten Heimat. Nicht ganz: Dort würden 17.000 Einwohner locker zur Kreisstadt reichen. Willkommen im Ruhrgebiet.
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Christian Greis

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