Sexueller Übergriff: Täter verharmlost das Geschehen in Holzwickeder Übergangswohnheim

Gerichtsurteil

Die Darstellungen gingen weit auseinander, doch am Ende stand für das Gericht fest, dass ein 25-Jähriger ein Mädchen unsittlich berührt hatte. Ins Gefängnis muss er trotzdem nicht.

Holzwickede, Unna

, 16.09.2019, 17:16 Uhr / Lesedauer: 2 min
Sexueller Übergriff: Täter verharmlost das Geschehen in Holzwickeder Übergangswohnheim

Wurde ein Mädchen in Holzwickede unsittlich berührt? Diese Frage beantwortete das Amtsgericht Unna mit „Ja“. © picture alliance/dpa

Es stand Aussage gegen Aussage im Prozess um einen sexuellen Übergriff auf ein Mädchen in einem Übergangswohnheim in Holzwickede. Nun gab es ein Urteil: Das Amtsgericht Unna hatte keine Zweifel an der Schuld des Angeklagten.

Der Zwischenfall, der Gegenstand des Verfahrens mit drei Anläufen, etlichen Verhandlungstagen und Zeugen war, ereignete sich am 6. September 2018 in der Unterkunft an der Massener Straße.

Begegnung im Hausflur

Der 25-Jährige aus Afghanistan und das albanische Mädchen aus der Nachbarschaft begegneten sich im Hausflur. Zur späteren Überzeugung des Gerichts packte er die damals Zwölfjährige von hinten fest an die Brust und drückte sich an sie. Sie offenbarte sich kurz darauf ihrer Mutter und die rief die Polizei.

„Harmloser Kniff zur Begrüßung“

Sexueller Missbrauch von Kindern und sexuelle Nötigung wurden ihm daraufhin zur Last gelegt. Der Mann bestritt, das Mädchen unsittlich berührt zu haben, sprach von einem harmlosen Kniff in die Wange zur Begrüßung. Er führte zu seiner Entlastung einen ehemaligen Bewohner ins Feld, den die Mutter der Geschädigten auch bereits zu Unrecht derartiger Dinge bezichtigt habe.

Verifizieren ließ sich diese Behauptung in der umfangreichen Beweisaufnahme letztlich nicht. Auch eine etwaige Beeinflussung des Kindes durch die Mutter, auch wenn die im Zeugenstand von Blutrache sprach, konnte das Gericht ausschließen.

Mädchen sagt vor Gericht aus

Was am dritten Prozesstag blieb, waren die Angaben des Mädchens, die, so die Überzeugung des Gerichts, das Bestreiten des Angeklagten widerlegten. Die Zeugin, so die Richterin, habe ruhig, konstant und detailreich ausgesagt – immer wieder und ohne Belastungstendenz. Hinzu kämen die bestätigenden Aussagen der Zeugen. Auch habe sich das Kind mit Blick auf die Folgen der Tat sehr zurückhaltend geäußert.

Bewährungsstrafe und Schmerzensgeld

Diese dennoch vorhandenen Folgen und der Umstand, dass der 25-Jährige zwei Tatbestände verwirklichte, sprachen am Ende gegen ihn. Strafmildernd fiel unter anderem das bis dahin leere Strafregister ins Gewicht. Er wurde zu neun Monaten Haft auf Bewährung und 500 Euro Schmerzensgeld verurteilt.

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