Mitunter haben sie sich seit Jahrzehnten im Rat der Gemeinde für Holzwickede eingebracht. Nun sind sie raus. Die Frage bleibt: Was hat den Menschen hinter dem Mandat die Ratsarbeit gebracht?

Holzwickede

, 24.10.2020, 16:55 Uhr / Lesedauer: 3 min

Es ist ein Gesicht, dem fast jeder Holzwickeder schon einmal begegnet ist. Sie war auf Jubiläen, bei Geburtstagen – und im Rat. In Zukunft könnte man Monika Mölle weniger oft zu Gesicht bekommen. Nach 33 Jahren im Rat und 21 Jahren als stellvertretende Bürgermeisterin zieht sie sich aus der Politik zurück und geht auch beruflich in den Ruhestand.

Die 61-Jährige ist in Bergkamen geboren und Anfang der 80er-Jahre nach Holzwickede gezogen. „Ich habe damals meinen Mann kennengelernt, der in Holzwickede wohnte, und mich in die Gemeinde verliebt.“ Der Stadt Bergkamen bleibt sie dennoch treu und arbeitet 44 Jahren in der Verwaltung, vorrangig in der Kämmerei.

Für die Politik beginnt sie sich Mitte der 80er-Jahre zu interessieren, wird durch den SPD-Ortsverein in Holzwickede politisch eingebunden und startet 1987 als sachkundige Bürgerin. Zwei Jahre später zieht sie in den Rat ein und ist dort seitdem nicht mehr wegzudenken. „Ich habe meinen Wahlbezirk sechs Mal gewonnen“, sagt sie nicht ohne Stolz.

Alle Ausschüsse einmal durchlaufen

Im vergangenen Jahr kommt dann die Entscheidung, dass sie einen Schlussstrich ziehen möchte. „Ich gehe nicht aus Frust oder Ärger, sondern weil ich mehr Freizeit haben möchte.“ Die ist in den vergangenen 30 Jahren zu kurz gekommen und das möchte Mölle nun ändern.

„Bis jetzt war der Kalender immer voll mit Ratssitzungen.“ Privatleben und Freunde mussten oft hintenanstehen. „Ich habe in allen Ausschüssen mindestens einmal gesessen“, erzählt sie. Zuletzt saß sie noch im Hauptausschuss, im Bau und Planungsausschuss, im Ausschuss für Wirtschaftsförderung und war Stellvertreterin in einigen anderen.

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Ein großer Vorteil, wie sie es nennt, war ihr dabei auch immer ihre Arbeit in der Kämmerei. „Als Ratsmitglied braucht man keine Vorkenntnisse.“ Man könne sich in alles einarbeiten, aber das erfordere oft auch Zeit. Durch ihre Arbeit in der Verwaltung sei sie „immer im Stoff“ gewesen. „Zahlen sind mein Steckenpferd“, sagt sie und lacht.

Ehrenamt erfüllt sie viele Jahre

1999 trifft sie die Entscheidung, als ehrenamtliche stellvertretende Bürgermeisterin anzutreten. Dass sie in den vergangenen Jahren drei Mal wiedergewählt wurde, erfüllt sie mit Stolz. „Ich denke, das heißt, dass man mit mir zufrieden war.“ Wenn sie den Bürgermeister vertrat, bedeutete das oft lange Tage. „Da bin ich teilweise um 4.30 Uhr aufgestanden, um schon ins Büro zu fahren, weil ich nachmittags in Holzwickede sein musste. Da war am Abend dann auch nicht mehr viel mit mir los.“

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Das Amt der stellvertretenden Bürgermeisterin habe sie der Emscherquellgemeinde noch näher gebracht. „Ich habe erst dadurch die Leute und Vereine richtig kennengelernt und über Jahre hinweg begleitet.“ In Erinnerung geblieben ist ihr vor allem der liebenswürdige und offenherzige Umgang der Holzwickeder. „Ich wurde sehr gut aufgenommen.“

Der Ausschuss für Jugend, Familie, Senioren und Gleichstellung lag ihr über all die Jahre besonders am Herzen. Als er 1989 gegründet wurde, übernimmt sie die ersten fünf Jahre den Vorsitz. „Ich habe seitdem viele Kindergärten entstehen sehen.“ Unter anderem hat sie auch den Bau der Kita Sonnenschein im Emscherpark begleitet. „Da bin ich auch stolz drauf, dass er heute steht, wo er ist. Da waren ja nicht alle Parteien für.“

Sport und Freizeit bestimmen ihr Leben

Was sie nun mit ihrer freien Zeit machen möchte, das lässt sie sich offen. „Ich möchte mich weniger binden, nicht wieder in den alten Trott verfallen, sondern den Rhythmus selbst bestimmen.“ In der Bücherei hat sie sich „endlich“ angemeldet, liest wieder mehr, schläft morgens mal aus.

Auch die Spaziergänge und der Sport haben zugenommen, soweit Corona das zulässt. „Ich möchte auch wieder öfter schwimmen gehen.“ Und auch für ihren Mann möchte sie sich künftig mehr Zeit nehmen.

Das 25-jährige Jubiläum der Gemeindebibliothek Holzwickede hat die Monika Mölle als stellvertretende Bürgermeisterin begleitet. Hier hat sie sich nun auch angemeldet, um wieder mehr zu lesen.

Das 25-jährige Jubiläum der Gemeindebibliothek Holzwickede hat Monika Mölle als stellvertretende Bürgermeisterin begleitet. Hier hat sie sich nun auch angemeldet, um wieder mehr zu lesen. © Marcel Drawe

Aus ihrer Arbeit im Rat nimmt sie viel mit: „Ich habe viel dazugelernt, bin selbstbewusster geworden und habe viele Leute kennengelernt.“ Das Gefühl, zu einer großen Gemeinschaft zu gehören, habe sie über viele Jahre hinweg getragen. „Die Ratsarbeit hat mich gefordert. Da bleibt man fit im Kopf.“ Noch eine Sache, die sie nicht verlieren möchte. „Ich will das Leben jetzt genießen.“ Mit ihrem Mann ist sie auch vorher schon viel gereist. „Das kann uns keiner mehr nehmen.“

Ein würdiger Abschied

Für die Holzwickeder hat sie nur einen Wunsch: „Ich bin immer traurig, dass so wenig Menschen in die öffentlichen Sitzungen gehen. Das würde das Verständnis für die Ratsarbeit vielleicht beeinflussen.“

Dass sie durch die Corona-Krise gerade mehr oder weniger still und heimlich aus dem Rat verschwindet, geht ihr nah. „Ich bin froh, mich auf diese Art und Weise von den Holzwickedern verabschieden und mich noch einmal bedanken zu können.“ Auch wenn sie der Gemeinde natürlich erhalten bleibt – wenn auch nicht mehr in der ursprünglichen Funktion.

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