Kleines Team, großer Sport: Das hält zehn engagierte Segelflieger vom LSV in der Luft

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Randsportart mit Adrenalin pur: Die Segelflieger vom LSV Unna-Schwerte lassen an fast jedem Wochenende ihre Maschinen in die Hengsener Luft. Aber der Verein hat seine Schwierigkeiten.

Holzwickede

, 13.10.2019, 04:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Jeder Mensch hat seinen eigenen Freiheitsbegriff. Für rund zehn Segelflug-Piloten des Luftsportvereins (LSV) Schwerte-Unna, dessen Flugplatz ziemlich versteckt Nahe des Grenzgebiets von Hengsen zu Schwerte liegt, ist es das Fliegen. Eine Leidenschaft, die heutzutage ziemlich exotisch klingt.

Für großen Aufschwung sorgte vor knapp 100 Jahren der deutsche Jagdflieger Manfred von Richthofen, der im Ersten Weltkrieg das wohl prominenteste Geschwader seiner Zeit kommandierte. Das ist zwar schon lange vorbei, die Sehnsucht nach dem Fliegen ist gewissermaßen am Rande der Gesellschaft angekommen. Aber nicht für die Segelflieger des LSV.

Kleines Team, großer Sport: Das hält zehn engagierte Segelflieger vom LSV in der Luft

Soll ich wirklich fliegen, oder lass ich’s lieber sein: Beim Blick auf den Windsack wissen die LSV-Sportler, ob die Verhältnisse einen Flug zulassen. © Marcel Drawe

Segelfliegen ist Teamsport

Ein Tag beginnt für das zehnköpfige LSV-Gespann, das sich regelmäßig auf dem Flugplatz trifft, immer gleich. Am Morgen treffen sie nach und nach am Flugplatz ein, dann folgt ein kurzes Pläuschchen - Vereinsleben halt. Was sie schätzen ist die Gemeinschaft unter Gleichgesinnten.

Nach einem kurzen Blick auf den Windsack, der die Flugbedingungen offenbart, geht es dann zur Sache: Sie schieben ihre Flugzeuge aus den beiden vereinseigenen Hallen. Acht Maschinen befinden sich darin. Sieben Segelflieger und ein motorbetriebenes Flugzeug.

Kleines Team, großer Sport: Das hält zehn engagierte Segelflieger vom LSV in der Luft

HA-Redakteur Carlo Czichowski lässt sich von Yves van Hauwermeiren eine Motor-Maschine zeigen. Es ist eines von insgesamt acht Flugzeugen, das der LSV in seinen zwei Hallen stehen hat. Der Rest sind allerdings Segelflieger. © Marcel Drawe

Was für sie zur Routine geworden ist, ist ein wesentlicher Bestandteil für einen sicheren Flugbetrieb. Anschließend werden nämlich alle Flugzeuge noch einmal gründlich inspiziert. Vereinssprecher Yves Van Hauwermeiren streift mit der Hand über eine der Tragflächen: „Wir gucken, ob alles heile ist.“ Zwar werden die Flieger regelmäßig gewartet und einmal im Jahr auf Herz und Nieren geprüft. Dennoch wollen van Hauwermeiren und seine Mitstreiter auf Nummer sicher gehen, denn Dellen können das Flugverhalten beeinflussen.

Zur Sache

Der „harte Kern“ des LSV

  • 100 Mitglieder zählt der Verein aktuell, 50 Davon sind Aktive. Nur 20 fliegen noch, etwa die Hälfte davon regelmäßig. Einer von ihnen ist Yves van Hauwermeiren. Der 74-Jährige mit belgischen Wurzeln ist begeisterter Segelflieger. Mit neun Vereinskollegen sorgt er beim Flugplatz am Ulanenweg während der Saison für regelmäßigen Betrieb.
  • Das ist aber nicht ganz einfach, denn das Segelfliegen ist ein Teamsport. Hinterm Steuer sitzt zwar meistens nur ein Pilot, abheben kann der aber nur mit der Unterstützung von vier weiteren Aktiven. Daher kommen Flüge nicht immer zustande. Zu oft fehlen engagierte Mitglieder.

„Das Ding beschleunigt wie ein Porsche“

Dann geht es in die Luft: Während der Pilot ins Flugzeug steigt, machen sich die anderen bereit für begleitende Tätigkeiten. Per Windenstart zieht beispielsweise einer die Maschine mit Fahrzeug und Seilen quer über die 900 Meter lange Startbahn. „In 2,5 Sekunden sind wir bei 100 Stundenkilometern“, sagt van Hauwermeiren. „Das Ding beschleunigt wie ein Porsche“, erzählt er weiter und schmunzelt. Nichts für schwache Nerven also.

Trotz der Begeisterung des „harten Kerns“, der die Fahne des Segelflugsports in Holzwickede hoch hält, hat auch der LSV Probleme mit dem Nachwuchs, „wie eigentlich alle Vereine heutzutage“, erklärt van Hauwermeiren, der mit 74 Jahren der älteste aktive Flieger in ihren Reihen ist.

Etwas erschwert werden nach seiner Auffassung die Bedingungen durch die Abgeschiedenheit des Flugplatzes. „Wir haben schon mehrfach bei der Gemeinde angefragt, ob man nicht noch weitere Schilder anbringen kann“, sagt van Hauwermeiren. Derzeit hängt eines davon an der Brauckstraße. „Da fährt aber kaum ein Mensch her“, erklärt der 74-Jährige. Weitere Schilder an der Langscheder Straße würden kaum etwas kosten, dem LSV aber möglicherweise helfen.

Kleines Team, großer Sport: Das hält zehn engagierte Segelflieger vom LSV in der Luft

Viele Knöpfe, viel Verantwortung: Die Segelflugpiloten werden in einer rund zweijährigen Ausbildung auf das Fliegen vorbereitet. In der Luft ist der Pilot auf sich allein gestellt. © Marcel Drawe

Flugausbildung dauert ungefähr zwei Jahre

„Wenn mal jemand bei uns reinschnuppert, kommt es oft vor, dass der irgendwann sagt: Meine Freundin will nicht, dass ich fliege“, sagt van Hauwermeiren etwas enttäuscht. Für allzu gefährlich hält er sein Hobby nämlich nicht. Flugschüler würden beim LSV von insgesamt vier Fluglehrern sehr lange und bestens ausgebildet. Rund zwei Jahre dauert die Ausbildung und kostet laut van Hauwermeiren ungefähr so viel wie ein Autoführerschein.

Die Tür zum Flugplatz steht für Nachwuchsflieger immer offen. Wer nicht sofort voll einsteigen möchte, der kann für den Anfang mal mitfliegen: Für 30 Euro geht es für 15 Minuten in die Luft – selbstverständlich nur als Gast hinten in einem Zweisitzer. Wer mehr möchte, der kann dort einen zweitägigen Schnupperkurs machen. Für 75 Euro üben Interessierte an einem Wochenende alles, was ein Segelflugpilot auch machen muss. Unter Begleitung darf man dann auch selbst ins Fluggeschehen eingreifen.

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