Der Holzwickeder wurde bei der Fahrkartenkontrolle drei mal ohne Ticket erwischt. Die auferlegte Strafzahlung über 500 Euro leistete er nur teilweise. (Symbolbild) © picture alliance / dpa
Verfahren am Amtsgericht

Schwarzfahren bringt Holzwickeder in eine missliche Lage

Wenig Einkommen, dazu Schulden: Um einige Euro zu sparen, verzichtete ein junger Holzwickeder auf den Ticketkauf beim Bahnfahren. Trotz knapper Haushaltskasse kommt ihn das nun um ein Vielfaches teurer zu stehen.

Exakt 18,10 Euro wollte ein Holzwickeder sparen, indem er für drei Bahnfahrten kein Ticket kaufte. Erschleichen von Leistungen nennt das Strafgesetzbuch das. Und genau dafür musste sich der Mann im Amtsgericht Unna verantworten.

Dort kam nun heraus, dass der 20-Jährige schon einmal wegen dieser Angelegenheit vor der Richterin gesessen hatte. Und zwar am 24. Juni vergangenen Jahres. Damals wie diesmal gab er die Schwarzfahrten zu.

Geringer Verdienst, leerer Kühlschrank und die Strafzahlung im Nacken

Die Vorsitzende stellte das Verfahren damals gegen die Ableistung von 50 Sozialstunden ein. Als der Angeklagte einen Job bekam, wandelte sie die Arbeitsstunden in 500 Euro an den Kinder- und Jugendhospizdienst um.

„Danach höre ich nichts mehr von Ihnen und jetzt sitzen wir wieder hier“, stellte die Richterin in der Sitzung fest. Gezahlt hat der Angeklagte laut Aktenlage nichts. Der Holzwickeder versuchte, seine damalige Situation zu erklären: Er habe nur 420 Euro verdient, aber 5000 Euro Schulden. Er habe sich Fahrkarten zur Arbeit kaufen müssen und der Kühlschrank seiner Mutter, bei der er gewohnt habe, sei ständig leer gewesen.

Er habe zusehen müssen, woher er Essen bekam. Da seien die auferlegten 500 Euro vom Gericht einfach zu viel gewesen. Inzwischen habe er Hilfe bei der Schuldentilgung in Anspruch genommen.

Bei Nichtzahlung droht dem Holzwickeder der Dauerarrest

Die Richterin zeigte Verständnis für die Lage, in der sich der Angeklagte damals befunden hatte. Allerdings ließ sie es sich nicht bieten, dass sich der 20-Jährige nicht mehr gemeldet hatte. Kurz nach Erhalt der Ladung hatte er 150 Euro an das Hospiz bezahlt, wie ein Kontoauszug bewies.

Aber: „Das funktioniert nicht so, dass Sie sich das selbst gestalten“, machte die Richterin dem Holzwickeder klar. Deswegen würde sie das Ganze heute mit einem Urteil festziehen. Zwar blieb es unter Anrechnung der gezahlten 150 Euro bei insgesamt 500 Euro. Allerdings hat die Vorsitzende nach Jugendstrafrecht nun die Möglichkeit, den Angeklagten bei Nichtzahlung für bis zu vier Wochen in den Dauerarrest zu stecken.

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