Eine Kombination aus Geh- und Radweg verhindert an der Holzwickeder Straße, dass Fußgänger und Radfahrer auf die Straßenfahrbahn geraten. Genau das müssen Radfahrer aber nun tun.

Holzwickede

, 19.11.2018, 18:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Wer die Holzwickeder Straße von Opherdicke kommend mit dem Rad entlang fährt, der weiß: Auch auf zwei Rädern und ohne Motor zeigt der Fahrradtacho hier gerne mal einen mittleren zweistellige Wert an. Der bewegt sich dann gerne im Bereich von Autos, Motorrädern oder Lkw, die in dem Bereich auch nur 50 Kilometer in der Stunde fahren dürfen. „Das Tempo hatte ich an der Stelle mit dem Rad auch schon drauf“, sagt Michael Arnold, beim Kreis Unna zuständig für die Verkehrssicherung. Der Kreis ist für die Holzwickeder Straße, eine Kreisstraße, zuständig.

Auch Ulrich Lohenstein vom ADFC Holzwickede weiß um die Gefahren der Abfahrt vom „Berg“ gen Gemeindemitte. „Da muss man schon auf Gott vertrauen“, sagt Lohenstein. Offiziell sind die beiden Wege links und rechts der Holzwickeder Straße für Fußgänger vorgesehen, aber ebenso für Radfahrer freigegeben. „Das heißt laut Straßenverkehrsordnung: Schrittgeschwindigkeit“, sagt Arnold. Er weiß aber auch, dass das bergab unrealistisch ist. Lohensteins Erfahrung: „Man will ja weder sich noch Fußgänger gefährden. Da bleiben Vollbremsungen nicht aus.“

Schulweg wird durch schlecht einsehbare Kreuzung zur Gefahrenstelle

Ausfahrt Unter dem Stennert: Bevor Verkehrsteilnehmer hier sehen, wer oder was von links kommt, stehen sie schon auf dem Geh-/Radweg. © Greis

Auf die gefährlichste Stelle hatte vor Monaten schon ein Anwohner hingewiesen: die Straße Unter dem Stennert. Für Anlieger sei es nahezu unmöglich, Radfahrer rechtzeitig zu erkennen, die mit Tempo aus Richtung Opherdicke kommen. Arnold und ein Mitarbeiter der Gemeinde haben sich den Kreuzungsbereich daraufhin angeschaut, auch verschiedene Fahrzeuge getestet und sind zu dem Schluss gekommen: Der Anwohner liegt richtig. Der Kreuzungsbereich in Richtung Opherdicke ist erst einsehbar, wenn man als Autofahrer auf den Geh-/Radweg fährt. Ein Radfahrer mit Tempo könnte in dem Moment bereits über die Motorhaube segeln – oder ruckartig ausweichen, auf die Straße geraten und dabei von einem anderen Verkehrsteilnehmer erfasst werden. „Im Grunde hatten wir bislang schon Glück, dass noch nie etwas passiert ist“, sagt Arnold.

Der Kreis handelte in der Folge und setzt den Radweg rund 50 Meter bergauf am Stennert aus. Ein Schild weist Radfahrer an, auf die Fahrbahn zu wechseln. Gut 300 Meter weiter, an der Einfahrt zum Vosskuhlenweg, wird der Gehweg dann auch wieder für Radfahrer freigegeben. „Durch die Geschwindigkeitsbegrenzung auf 50 km/h, den guten Straßenbelag und die Verkehrsbelastung sehen wir den Wechsel auf die Straße als durchaus sichere Lösung“, sagt Arnold. Zwar habe man im Kreuzungsbereich Unter dem Stennert auch über einen Spiegel nachgedacht, der habe aber den Nachteil, dass man Verkehrsteilnehmer ohne Licht nur schwer erkennen könne – unabhängig von der Tages- und Nachtzeit. Gerne würde man den Bereich, den Radfahrer auf der Straße nutzen sollen, entsprechend markieren. Das erlaubt die Straßenverkehrsordnung außerorts aktuell aber nicht. „In Holland geht das. Hier wird es getestet. Wir beobachten, wie sich die Gesetzeslage entwickelt“, sagt Arnold.

Schulweg wird durch schlecht einsehbare Kreuzung zur Gefahrenstelle

Nach gut 300 Metern ist der Weg neben der Fahrbahn wieder für Radfahrer freigegeben. © Greis

Wechsel zwischen Radwegen und Straße sieht Ulrich Lohenstein nicht so unproblematisch. „Das sind grundsätzlich gefährliche Situationen“, sagt Lohenstein. Überhaupt sei der Geh-/Radweg recht rumpelig und auch die schlecht beleuchtete Unterführung unterhalb der A1 sei eine Gefahrenstelle – auch wenn man nun mal abwarten müsse, wie sich die Situation nach Ende der Brückenbauarbeiten vor Ort darstelle. Aktuell ist die Holzwickeder Straße deswegen für Kraftfahrzeuge ohnehin gesperrt.

Auswirkungen auf den Schulweg

Die Gefahrenlage an der Holzwickeder Straße hatten in der Zwischenzeit auch Eltern schulpflichtiger Kinder im zuständigen Fachbereich der Gemeinde moniert – eben durch den Wechsel von Radweg auf die Straße. Bereichsleiter Matthias Aufermann hatte daraufhin nach Absprache mit der Polizei den Abschnitt als Gefahrenstelle einstufen lassen. Eltern können seitdem beantragen, dass die Schulverwaltung die Schülerbeförderungkosten übernimmt, damit Kinder im Zweifel den Bus und nicht das Rad nutzen. Normalerweise geht das bei Grundschülern nur, wenn die Schule außerhalb eines Radius von zwei Kilometern vom Wohnort entfernt liegt. Für Sekundarstufen I und II gelten Radien von 3,5 beziehungsweise 5 Kilometern. Das trifft in Holzwickede laut Aufermann eigentlich nirgends zu.

Inwieweit der Gemeinde nun Mehrkosten durch diese Gefahrenstelle entstehen, prüfe man aktuell. „Wir müssen erstmal schauen, wie viele Anträge dazu eingegangen sind“, sagt Aufermann. Zudem will er sich nochmals mit der Polizei absprechen, ob die Gefahrenstelle mit der jetzigen Regelung weiterhin eine ist. Und selbst wenn: „Wir sehen das dann auch nicht als Mehrkosten. Wenn dort weiterhin eine gefährliche Stelle vorliegt, dann übernehmen wir die Schulbeförderungskosten“, sagt Aufermann.

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