Einer spricht im Klassenraum. Und das ist der Lehrer. Die Schüler hören zu. Dieses Bildungsmodell ist längst überholt. Moderner Unterricht sieht heute anders aus – und er braucht Platz.

Holzwickede

, 19.09.2019, 17:30 Uhr / Lesedauer: 3 min

Räume, Räume, Räume – zusammengefasst ist es das, was die sechs Schulen unter der Trägerschaft der Gemeinde in Holzwickede brauchen. Und was Gutachter Heinfried Habeck in seinem Schulentwicklungsplan für die vier Grundschulen, die Josef-Reding-Hauptschule sowie das Clara-Schumann-Gymnasium aufzeigt.

Um sich einen Überblick über die Holzwickeder Schullandschaft zu machen, führte Habeck Interviews mit den Schulleitungen, schaute sich die Gebäude vor Ort an, war im Austausch mit der Verwaltung und wertete vorhandene Daten aus, um schließlich Prognosen bis ins Schuljahr 2028/29 zu erstellen.

Alle Holzwickeder Schulen haben eine Zukunft

Die zeigen: Alle Holzwickeder Schulen sind in ihrem Bestand gesichert. Auch in den kommenden Jahren weisen die Grundschulen zweizügige Klassenstrukturen auf. Ausnahme ist die Nordschule, die statistisch auf eine Einzügigkeit hinausläuft. „Ihr Bestand steht aber außer Frage, auch weil es die einzige Schule im Norden der Gemeinde ist“, sagte Habeck bei der Vorstellung der Prognosen im Schulausschuss am Mittwochabend.

Bei den weiterführenden Schulen sieht Habeck für das Clara-Schumann-Gymnasium auch in den kommenden Jahren mit durchschnittlich 80 Eingangsschülern eine Dreizügigkeit. Die Realität bedeutet zumindest für dieses Schuljahr: 115 Fünftklässler in vier Klassen. Neun dieser Kinder haben einen sonderpädagogischen Förderbedarf, der zusätzlichen Personal- und Raumbedarf mit sich bringt.

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Einzügig ist indes die zweite Bildungseinrichtung im Schulzentrum an der Opherdicker Straße in das laufende Schuljahr gestartet. Für die Josef-Reding-Hauptschule prognostiziert Gutachter Habeck in den kommenden Jahren aber zwei Eingangsklassen. Seiner Einschätzung nach bewegen sich die Zugänge für die Jahrgangsstufe 5 künftig um die 30 Kinder – mit leicht steigender Tendenz.

Das Mit- und Nebeneinander von Hauptschule und Gymnasium ist laut Habeck durchaus eine Besonderheit, die fordernd ist: „Nach der Grundschule verlassen Holzwickeder Kinder die Gemeinde als Realschüler und kommen mitunter als Hauptschüler in den 7. und 8. Klassen zurück. Das ist nicht optimal für eine Schülerkarriere.“

Förderräume braucht es überall

Die Besonderheit wirkt sich aber auch auf den Kern des Entwicklungsplans aus: Raumbedarf. Grundsätzlich mangele es allen Schulen nicht an Klassenräumen. Was es heutzutage aber braucht, sind zusätzliche Förderräume sowie mehr Fachräume für MINT-Fächer, Kunst, Sport, Musik und Werken. So würden eigene Räume für die beiden letztgenannten Bereiche an der Paul-Gerhardt-Schule komplett fehlen. Und während an der PGS und der Nordschule durch Neu- und Umbauten der Platzbedarf für die Offene Ganztagsbetreuung gesichert ist, sieht Habeck noch Bedarf an Aloysius- und Dudenrothschule. Entsprechende Maßnahmen sind hier durch die Verwaltung zumindest auf den Weg gebracht.

Die Holzwickeder Schulen sind sicher – aber es braucht mehr Räume

Das neue OGS-Gebäude an der Paul-Gerhardt-Schule sichert die Betreuung der Grundschulkinder nach dem Unterricht. © Greis

Am Gymnasium muss durch die Umstellung von G8 auf G9 sowie das gemeinsame Lernern von Schülern mit und ohne sonderpädagogischen Förderbedarf künftig von einem erhöhten Bedarf an Förderräumen ausgegangen werden. Ebenso fehlen an allen Schulen Arbeitsplätze für das Lehrpersonal sowie Räume für nicht-lehrende Mitarbeiter.

Für das Schulzentrum schlägt Habeck gar einen Neubau vor – auch weil es auf Sicht schwierig wird, wenn die Hauptschule dem Gymnasium immer wieder Räume zur Verfügung stellen muss. Das Forum ersetze zudem eine richtige Schulaula für Schulveranstaltungen nicht. Unbestritten ist, dass der Raum auch zu Schulzeiten für Gemeindeveranstaltungen genutzt wird – siehe die Erneuerung der Städtepartnerschaft mit Weymouth am vergangenen Freitag.

Lob für die pädagogische Ausrichtung

Habeck lobte aber auch: Weil die Gemeinde nicht über eine Realschule verfügt, würden viele Eltern ihre Kinder im Zweifel eher aufs CSG schicken. „Und hier müht man sich, die Kinder zu halten. In anderen Kommunen wird abgeschult. Das ist pädagogisch hoch ehrenwert.“ Im Namen der Schulen hatte er auch für die Verwaltung ein Lob übrig: Der Schulträger würde stets versuchen, das möglich zu machen, was möglich ist.

Der Gutachter plädiert für einen Masterplan Schule, der auch einen Renovierungszyklus für die Einrichtungen beinhalten sollte. Michael Klimziak (SPD) machte als Ausschussvorsitzender deutlich, „dass wir nicht alles erfüllen können. Wir müssen die Prioritäten herausarbeiten und umsetzen.“

Das wird in allen Fraktionen wichtiger Teil der Klausurgespräche zum Haushalt 2020 sein. Maßnahmen aus dem Schulentwicklungsplan werden dann wieder ein Thema im Rat der Gemeinde am 12. Dezember sein.

Einstimmige Empfehlung

Medienentwicklungsplan vor der Umsetzung

  • Am Mittwoch hat der Schulausschuss die Umsetzung des Medienentwicklungsplans einstimmig abgesegnet. Vorbehaltlich der Ratsentscheidung hierzu im Oktober sollen bis 2024 rund 1,1 Millionen Euro in die Digitalisierung der Schulen fließen.
  • Vor allem muss hierfür in allen Gebäuden weiterhin zunächst die Infrastruktur für schnelles und kabelloses Internet geschaffen werden. Die Gemeinde arbeitet hier mit einem kommunalen IT-Dienstleister zusammen.
  • Kritik kam mit Blick auf den Digitalpakt Schule von Bund und Land. Der sieht für Holzwickede maximal 480.000 Euro vor. „Die Schulförderrichtlinie hierzu sieht umfangreiche Anträge und Vorgaben vor, um das Geld zu erhalten. Damit sind wir nicht zufrieden, denn einfach ist anders“, kritisierte der Erste Beigeordnete Bernd Kasischke das Förderprogramm.

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