Sieben Jahre lang hat Klaus Dahl ehrenamtlich den Schrott der Holzwickeder gesammelt, verkauft und den Erlös gespendet. Seine letzte Fahrt zum Schrottplatz lehrt viel über unsere heutige Gesellschaft.

Holzwickede

, 16.08.2019, 17:40 Uhr / Lesedauer: 2 min

Weil sein Stammhändler in Holzwickede am vergangenen Donnerstag seinen Schrottplatz letztmals öffnete, wird Klaus Dahl nach sieben Jahren künftig den Schrott der Holzwickeder nicht mehr entgegennehmen. Schrotthändler Herbert Hittmeyer verabschiedet sich in den Ruhestand und damit werden Klaus Dahl und seine Ehefrau Elisabeth, die ihn stets unterstützte, förmlich zum Aufhören gezwungen.

Die nächsten Händler liegen außerhalb Holzwickedes – das ist für den 73-Jährigen zu weit, der in der Vergangenheit mitunter mehrmals am Tag den gesammelten Schrott an der Schäferkampstraße ablieferte. Ohne den kurzen Weg von der Hohenleuchtestraße zum Schrottplatz würde das Sammeln zu viel Aufwand bedeuten. Noch nach seiner letzten Tour sitzt der gelernte Schreiner in seinem Auto und macht sich Gedanken: „Wer hilft in Zukunft den Menschen in der Gemeinde, die betagt und ganz alleine sind?“

Noch am Donnerstag hat er vier Adressen abgefahren, um quasi als kostenloser Haushaltsauflöser vom kaputten Bügelbrett bis zum defekten Heizkörper geldwerten Unrat abzuholen. „Wenn sich ein junger Mann meldet, dann kann man auch mal absagen. Aber älteren Menschen hilft ja sonst niemand“, sagt Dahl.

Was man während einer Fahrt mit Schrottsammler Klaus Dahl über unsere Gesellschaft lernt

Der Schrott wird auf dem Platz nochmals nach wertvollen Materialien wie Zinn, Kupfer oder Blei sortiert und separat gewogen. © Greis

Bei Terminen vor Ort ging es nicht nur um den Schrott

Wenn er bei alleinstehenden, älteren Menschen zu Gast war, um Schrott abzuholen, dann ging es dabei nicht alleine darum, durch den Erlös an Spendengeld für wohltätige Zwecke zu kommen. „Die Menschen freuen sich ja auch, wenn jemand mit ihnen redet. Manch einer hat mich schon Schrott-Pastor genannt“, sagt Dahl lachend.

Er macht keinen Hehl daraus, dass er sich als Christ diesen Kontakt zu den Menschen eigentlich von den offiziellen Würdenträgern wünscht. Die Kirchen dem heutzutage aber nicht mehr ausreichend nachkommen würden. Dass er in der Vergangenheit in der katholischen Kirche und auch innerhalb der Kolpingsfamilie schon mal mit seiner Meinung aneckte – das ist ihm bewusst.

Was man während einer Fahrt mit Schrottsammler Klaus Dahl über unsere Gesellschaft lernt

Neben einer Schaufel landete auch eine Jauchekelle auf dem Schrottplatz. © Greis

Ebenso hat er ein klare Meinung zu den Dingen, die er über die Jahre aus seinem Anhänger gezogen hat. Fast neues Kochgeschirr, gut erhaltenes Werkzeug, ein tadellos funktionierendes E-Fahrrad: „Das habe ich behalten und meiner Frau vermacht. Dafür haben wir aus eigener Tasche dann etwas im Gegenzug gespendet“, sagt Dahl.

Die Wegwerfgesellschaft zeigt sich auf dem Schrottplatz

Im Wissen, dass der Schrotterlös einem guten Zweck zugute kommt, sah Dahl das zuletzt ähnlich pragmatisch wie sein langjähriger Abnehmer Herbert Hittmeyer. „Oma oder Opa leisten sich neue Töpfe. Die werden noch ein halbes Jahr benutzt und die Kinder oder Enkel wollen die dann nicht. Das landet dann fast neu hier. Tja, es heißt ja nicht umsonst Wegwerfgesellschaft“, sagt Hittmeyer.

Neun Jahre lang hat er seinen Platz eigenständig und alleine an der Schäferkampstraße geführt. Nun ist die Zeit für den Ruhestand gekommen. „Zuvor war ich selbstständig auch am Dortmunder Hafen. Aber jetzt ist es genug.“ Dass sich Klaus Dahl nun auch mal etwas Zeit für sich und seine Frau nehmen will, kann er nur begrüßen: „Mensch, denk auch mal an dich. Das habe ich ihm oft genug gesagt“, so Hittmeyer.

Was man während einer Fahrt mit Schrottsammler Klaus Dahl über unsere Gesellschaft lernt

Auch der Schrott, der nach dem Laubenbrand in der Kleingartenanlage am Oelpfad im Juni übrig blieb, liegt noch auf dem Schrottplatz. Auch den hatte einst Klaus Dahl vor Ort abgeholt. © Greis

280 Euro gehen durch Schrottsammeln an Kolping International

Zwei Fahrten brauchte Klaus Dahl am Donnerstag noch, um die letzten Töpfe, Heizkörper, Fahrräder, Metallstangen, Sägen oder Armaturen abzuliefern, die ihm die Holzwickeder zuvor noch in den Anhänger warfen. Am Ende standen nochmals 280 Euro zu Buche, die wie immer an Kolping International gehen.

Im Auto kann er sich dann schließlich doch damit abfinden, dass nun Schluss ist. In der nun freien Zeit wird er schließlich nicht nur an sich denken, wenn der eine oder andere Ausflug in die Region geplant ist: „Das tue ich ja dann auch für meine Frau.“

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