Schriftprobe bringt Urteil bei Holzwickeder Spielhallen-Erpressung

dzGericht

2019 erhielt der Geschäftsführer einer Holzwickeder Spielhalle ein Erpresser-Schreiben samt Geldforderung. Verfasser sollte ein Fröndenberger sein. Vor Gericht beteuerte der seine Unschuld.

von Sylvia Mönnig

Holzwickede

, 16.06.2020, 18:29 Uhr / Lesedauer: 1 min

Der Brief, der es in sich hatte, lag am 27. März vergangenen Jahres vor der Tür der Holzwickeder Spielhalle. Später war auf der Videoüberwachung eine ominöse Gestalt mit Mütze zu sehen, die das Schreiben dort abwarf. Der Inhalt klang bedrohlich.

Der Schreiber gab sich als Mitarbeiter des Ordnungsamtes aus, der Stammgast in der Spielhalle sei und Beobachtungen gemacht habe. So werde die Sperrzeit nicht eingehalten und gegen das Nichtraucher-Gesetz verstoßen. Zudem habe er im Toilettenbereich ein Päckchen Kokain gefunden.

Keine Erpressung, nur Warnung

Dokumentiert, so betonte der Unbekannte, habe er die Missstände, die dem Geschäftsführer Haft einbringe, mit 65 Fotos. Dies sei nun sein letzter Auftrag vor der Pensionierung, erklärte er und forderte dann erfolglos 25 000 Euro. „Dies ist keine Drohung oder Erpressung – nur eine Warnung.“

Mit dem Geld, das er als Spende deklarierte, wolle er Spielsüchtigen ehrenamtlich helfen. Bei den angegebenen Daten, so stellte sich nach der Anzeige des Geschäftsführers heraus, handelte es sich um die Kontonummer des 35-Jährigen aus Fröndenberg.

Handschriftenprobe als Beweis

Im Prozess vor dem Unnaer Amtsgericht wusch der jedoch seine Hände in Unschuld. Er habe weder den Erpresserbrief geschrieben noch kenne er den Zeugen - den Geschäftsführer. „Ich kann Ihnen nicht sagen, wie das zustande gekommen ist.“ Ja, seine Scheckkarte sei irgendwann weg gewesen. Als er dann im November von dem Vorwurf erfahren habe, habe er das Konto sofort sperren lassen.

Der Richter hakte auf ganz spezielle Weise nach: Er ließ den Angeklagten einige Sätze aus dem Erpresserbrief aufschreiben und verglich das Ganze. Tatsächlich gab es bei der Rechtschreibung Unterschiede. Während der Ankläger am Ende aber keine Zweifel an der Schuld des 35-Jährigen hatte, hatte der Richter diese sehr wohl und sprach ihn frei. „Es gibt gewichtige Indizien, die auf die Täterschaft des Angeklagten, aber es gibt doch auch Zweifel.“ sam

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