Schon mehr als 70.000 Badegäste in der Schönen Flöte

dzFast wie vor 30 Jahren

1500 bis 1800 Badegäste haben das Freibad Schöne Flöte in den Wochen der Hitze zuletzt täglich besucht. Darunter Besucher aus dem gesamten Ruhrgebiet, aber auch Stammgäste und Originale.

Holzwickede

, 07.08.2018, 20:20 Uhr / Lesedauer: 3 min

Hände hinter dem Rücken, Kopf in Nacken, Bauch raus und ab dafür: „Habe ich selbst erfunden“, sagt Frank „Paco“ Denecke, als er nach seinem Seemannsköpper vom Drei-Meter-Brett am Beckenrand auftaucht. „Früher, als wir im Rhein-Herne-Kanal auf die Schiffe geklettert und bei voller Fahrt vom Schiff gesprungen sind. War ja verboten, haben wir trotzdem gemacht. Genau wie von den Brücken springen“, sagt Denecke. Tja, muss ihm erstmal einer beweisen, dass er den Seemannsköpper nicht erfunden hat.

Seit 24 Jahren kommt der gebürtige Gelsenkirchener, der seit Jahren in Unna-Massen wohnt, ins Freibad Schöne Flöte. „Manche sagen Legende, war ja auch Klippenspringer, aber da winke ich ab“, sagt Denecke. Aus dem Hintergrund schaltet sich ein Kumpel ein: „Hömma, in Brasilien hammse einen Felsen nach ihm benannt.“ Seemannsgarn im Freibad? Egal.

Bei rund 37 Grad herrscht am Dienstagvormittag bereits Hochbetrieb und gute Laune in der Schönen Flöte. An der Kasse bildet sich um 10.30 Uhr bereits eine Schlange.

Michael Hegener überblickt mit einem Kollegen das Geschehen und ist froh, dass sich für 11 Uhr ein dritter Schwimmmeister angekündigt hat. Seit 30 Jahren steht er am Beckenrand, einen Sommer wie diesen habe er zuletzt 2006 erlebt.

Kleinere Einsätze

Die klassischen Einsätze für ihn und die Kollegen: Kreislaufprobleme, Schürfwunden, Insektenstiche. „Zum Glück noch keine dramatischen Sachen. Das brauche ich auch nicht“, sagt Hegener. Man sei ein eingespieltes Team, die meisten Kolleginnen und Kollegen arbeiten seit Jahren zusammen. „Man entwickelt über die Jahre einen Blick für gewisse Kandidaten“, sagt Hegener.

Einschreiten müsse man heutzutage auch, wenn Gäste das Freibad mit dem Campingplatz verwechseln: „Hatten wir auch schon, dass eine Familie anfing und ein Drei-Mann-Zelt mit Seilen und Heringen aufzubauen. Geht natürlich nicht“, sagt der Schwimmmeister, dem zudem auffällt, „dass die Strandmuscheln von Jahr zu Jahr größer werden und Platz wegnehmen.“

Gute Gästebilanz

Im Großen und Ganzen kann Bäderchef Stefan Petersmann mit dem Freibadbetrieb in diesem Sommer sehr zufrieden sein. „100.000 Gäste wie noch vor 30 Jahren erreichen wir zwar nicht mehr, aber das ist schon ein guter Sommer“, sagt Petersmann. Und auch wenn die Hitzewelle in den kommenden Tagen abklingen soll, so ist der Sommer ja noch nicht vorbei. Mehr als 70.000 Gäste hat die Schöne Flöte seit Saisonstart im Mai schon gesehen und kommt nicht nur bei Gästen aus der Nähe gut an. „Viele Besucher kommen richtig aus dem Ruhrpott. Recklinghausen, Wattenscheid, Bochum“, sagt Schwimmmeister Hegener. Die Zahl der Freibäder schrumpft, viele Kommunen können sich den Betrieb nicht mehr leisten. Selten funktionieren Lösungen wie im Elsebad in Schwerte, wo das Freibad durch den Einsatz von Bürgern betrieben wird und das zuletzt zu den schönsten Bädern in NRW gezählt wurde.

Schon mehr als 70.000 Badegäste in der Schönen Flöte

Schon vormittags war die Schöne Flöte in den vergangenen Wochen sehr gut besucht. © Greis

Der Betrieb der „Alten Dame Flöte“, wie Petersmann das Bad nennt, ist indes gesichert. „2019 wird das Bad 85 Jahre alt. Die Brücke und das Hauptgebäude sind aus den 1980er-Jahren. Ist doch klar, dass es hier und da bröckelt, aber einen Investitionsstau wie in anderen Bädern gibt es bei uns nicht“, sagt Petersmann. Seit 1995 laufen Freibad und Kleinschwimmhalle im Eigenbetrieb. Seitdem sind laut Petersmann 4,5 Millionen Euro in das Freibad geflossen. Im kommenden Jahr sollen die Brücke und der Kanal für die Beckenentwässerung saniert werden. „Die Brücke an sich ist okay, die muss nicht komplett ersetzt werden. An manche Stelle müssen wir aber ran“, sagt Petersmann. Ein entsprechender Architekturauftrag ist in Arbeit.

Auch wenn der Sommer für Freibäder ziemlich perfekt läuft, macht sich Stefan Petersmann nichts vor. „Ein kommunal betriebenes Bad ist immer ein Zuschussgeschäft. Ich kenne kein Bad in der Form, dass schwarze Zahlen schreibt“, sagt Petersmann. Die Technik, das Personal – alles sehr kostenintensiv. „200.000 Euro im Jahr müssen wir abschreiben“, sagt der Bäderchef. Die Politik stehe jedoch hinter dem Freibad, um die Schöne Flöte muss man sich wohl keine Sorgen machen.

Schon mehr als 70.000 Badegäste in der Schönen Flöte

Beim Sprung ins kühle Nass sind Haltungsnoten nicht so wichtig. © Greis

Die Gäste danken es mit Treue, so wie Frank Denecke. Es gab aber auch Zeiten, in denen er zu moppern hatte: „Es gab mal eine Zeit, da wurde trotz Alkoholverbot getrunken, waren viele lärmende Jugendliche unterwegs. Auch Drogen waren im Spiel. Das war nicht so schön“, sagt Denecke. Seit es aber einen Security-Dienst gibt, habe sich die Situation verbessert. Nachdem er mit seinem damals vierjährigen Sohn vor 24 Jahren erstmals in die Schöne Flöte zog, kommt Denecke immer wieder gerne. „Es ist einfach idyllisch und familiär“, sagt der leidenschaftliche Turmspringer. „Wenn es einen Zehner gäbe, würde ich den Seemannköpper auch da runter springen“, sagt Denecke.

Steffi Czaya und Sohnemann Paul aus Dortmund brauchen hingegen kein Sprungbrett. Sie haben ihren Spaß auf der gelben Rutsche. „Wir wohnen am Rand von Dortmund und sind in 15 Minuten hier“, sagt Czaya. Für sie fällt die Wahl auf Holzwickede auch aus ganz pragmatischen Gründen: „Ich muss meine Schüler in den Ferien nicht in den Dortmunder Bädern treffen“, sagt die Lehrerin und lacht. Die Schöne Flöte sei aber auch schöner als die Alternativen in Dortmund.

Hunde schließen Saison


Die Saison im Freibad endet in etwas mehr als einem Monat. In der Regel ist mit dem zweiten Wochenende im September Schluss – zumindest für die menschlichen Badegäste. Das traditionelle Hundeschwimmen ist auch in diesem Jahr fest eingeplant. „Nach Saisonende lassen wir das Chlor noch entweichen, eine Woche später ist dann meist das Hundeschwimmen“, sagt Petersmann. Auch sein eigener Hund gehört dann zu Hunderten Vierbeinern, die den freien Auslauf auf dem Gelände und auch das Nass in den Becken genießen. „Meinen Hund sehe ich dann für zwei Stunden nicht mehr, der rennt nur umher. Nur im Wasser findet man ihn eher selten“, sagt Petersmann und lacht.

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