Die Holzwickeder Diamorphin-Ambulanz von Dr. Christian Plattner öffnet an der Wilhelmstraße. © Greis
Diamorphinambulanz

Schlimmer Vorwurf: Drogen-Patienten dürfen Läden nicht mehr betreten

Rund um die Diamorphinambulanz gab es zuletzt viel Diskussionsstoff. Jetzt berichtet die Leiterin der Praxis von mehreren Erfahrungen ihrer Patienten, die sie fassungslos machen.

Neue Vorwürfe im Streit um die Diamorphinambulanz: Aus der Praxis an der Wilhelmstraße, in der seit mehr als einem halben Jahr Drogenabhängige behandelt werden, gibt es neue Berichte über unangenehme Zwischenfälle.

Praxis-Leiterin Martina Harbrink-Schlegel schildert im Gespräch mit dieser Redaktion, was ihre Patienten in den vergangenen Tagen in Holzwickede erlebt haben sollen. So soll es zuletzt mehrfach vorgekommen sein, dass Patienten beim Einkaufen in einem benachbarten Lebensmittelladen vom Personal angesprochen wurden. Man habe ihnen deutlich zu verstehen gegeben, dass sie dort nicht erwünscht seien und sie den Laden verlassen sollten.

„Für euch gibt es hier nichts, weil ihr alle klaut“

Dabei sei ziemlich klar geäußert worden, dass man sie offenbar dem Praxisumfeld der Diamorphinambulanz zuordnet: Sie würden aussehen, als würden sie „von da oben“ kommen, habe zum Beispiel ein Mitarbeiter eines Lebensmitteldiscounters gesagt, berichtet Harbrink-Schlegel – und weiter: Sie dürften dort nicht einkaufen, weil sie alle klauten.

Festgemacht hätten die Mitarbeiter des Discounters ihre Mutmaßungen am Kleidungsstil und dem übrigen Äußeren der betreffenden Kunden, die in diesem Fall jedenfalls tatsächlich aus dem Umfeld der Praxis stammten.

Nach Auffassung der Praxisleiterin kommt das, was ihren Angaben nach außerdem in mindestens einem weiteren Laden vorgefallen und geäußert worden sein soll, einem generellen Einkaufsverbot für Drogenabhängige gleich. Die Praxisleitung sieht sich dadurch in ihrer Kritik bestätigt, dass sich die Patienten in Holzwickede zunehmend einer Stigmatisierung ausgesetzt sehen. Noch mehr: Die berichteten Vorfälle stellten eindeutig eine offenkundige Ausgrenzung dar.

Generelles Hausverbot für Drogenabhängige? Noch keine Antwort der Beschuldigten

Ihre Angaben beruhen allerdings ausschließlich auf den Berichten ihrer Patienten. Wie sie erläutert, sollen aber mehrere von ihnen unabhängig voneinander ähnliche Erfahrungen gemacht haben. Eine Anfrage an einen der beiden Discounter, gegen den sich dieser Vorwurf richtet, blieb bislang unbeantwortet.

Harbrink-Schlegel hat zu den Berichten jedenfalls eine klare Haltung: „Ein generelles Hausverbot finde ich schrecklich“, sagt sie. Das Vorgehen erinnere sie an eine Art Sippenhaft, in die eine ganze Menschengruppe genommen werde: „Ich dachte ehrlich gesagt, dass wir diese Zeiten überwunden hätten.“

Über den Autor
Redaktion Unna
1993 in Hagen geboren. Erste journalistische Schritte im Märkischen Sauerland, dann beim Westfälischen Anzeiger in Werne. Spielt in seiner Freizeit gerne Handball und hört Musik.
Zur Autorenseite
Carlo Czichowski

Unna am Abend

Täglich um 18.30 Uhr berichten unsere Redakteure für Sie im Newsletter über die wichtigsten Ereignisse des Tages.

Informationen zur Datenverarbeitung im Rahmen des Newsletters finden Sie hier.