Schlange stehen für Reiseschnäppchen

dzUrlaub buchen vor 30 Jahren

Urlaub buchen geht heute rund um die Uhr. Das war früher undenkbar. Vor 30 Jahren standen Urlauber für Reiseschnäppchen freitagnachmittags im Reisebüro sogar noch Schlange.

von Jennifer Freyth

Holzwickede

, 22.11.2018, 11:19 Uhr / Lesedauer: 2 min

Dann nämlich verschickten die Reiseveranstalter ihre wöchentlichen Last-Minute-Angebote. Feinsäuberlich für die reisenden Schnäppchenjäger im Ordner abgeheftet, bedeutete das für Kunden auch schon mal eine Wartezeit von ein bis zwei Stunden, bis sie buchstäblich Zugriff auf die Reiseschnäppchen bekamen. Gebucht waren die dann aber noch lange nicht. „Dann musste man ja erstmal anfragen, ob das Angebot überhaupt noch da ist. So etwas wäre heute unvorstellbar“, sagt Jens-Eric Quecke und kann sich ein Schmunzeln beim Gedanken an das damalige Ordnerwälzen nicht verkneifen.

Quecke ist Inhaber des Reisestudios Holzwickede, das in diesem Jahr sein 30-jähriges Bestehen feiert. Ein stattliches Alter für ein Geschäft, das eigentlich längst totgesagt war: „Anfang der 2000er wurde vorausgesagt, dass es durch das Internet bald keine Reisebüros mehr geben wird“, erinnert sich Quecke, der mit seinem Ladenlokal an der Hauptstraße 1 das Gegenteil beweist. „Zuletzt wurden sogar mehr Reisebüros eröffnet als geschlossen“, freut sich der Inhaber, dass es ihm und seinen Kollegen gelingt, der Konkurrenz aus dem weltweiten Netz zu trotzen. Viele Kunden schätzten eben immer noch die persönliche Beratung. Und den Ansprechpartner vor Ort, der auch im Notfall schnell greifbar ist. „Anderswo bleibt nur der Kontakt per E-Mail oder die Warteschleife“, sagt Quecke.

Seit 1992 arbeitet er im Reisestudio Holzwickede, zu dem eine weitere Filiale in Schwerte gehört. Quecke hatte damals zunächst die Holzwickeder Büroleitung übernommen. Seit 2000 ist er Inhaber beider Büros, in denen noch fünf weitere Mitarbeiter beschäftigt sind. Eine lange Zeit, in der der Reisefachmann Vieles erlebt hat. Trauriges mit Todesfälen während der eigentlich schönsten Zeit des Jahres. Aber auch Außergewöhnliches wie den Ausbruch des isländischen Vulkans mit dem unaussprechlichen Namen Eyjafjallajökull, der 2010 sämtlichen Flugverkehr über Europa lahmlegte. „Das war eine heiße Sache“, erinnert sich Quecke. Einen Kunde, der dringend aus Australien nach Hause musste, lotste er damals per Flieger zunächst bis nach Südeuropa - wo schließlich ein Mietwagen für ihn bereitstand.

Etwas, das sich früher sicher nicht so schnell hätte organisieren lassen. Das gilt auch für Buchungen. „Früher dauerte eine Beratung schnell mal ein bis zwei Stunden, in der Zeit hat man heute eine große Australienrundreise geplant“, so Quecke.

Ein Relikt eigentlich längst vergangener Tage hält sich aber auch nach 30 Jahren noch: Nach wie vor ziert der gute alte Reisekatalog die Regale in dem Ladenlokal an der Hauptstraße 1. Allerdings längst nicht mehr in dem Ausmaß von früher. „Bis vor vier hatten wir noch extra einen Keller nur für die Kataloge angemietet“, erzählt Quecke. Das ist heute nicht mehr nötig, weil im Internet alles in noch größerer Auswahl mit einem Klick verfügbar ist. Ganz darauf verzichten möchte Quecke darauf aber nicht - und das gilt auch für seine Kunden.

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