Schlaglöcher, kaputte Reifen und ein Bach vor der Tür – Leben an der Landskroner Straße

dzBauarbeiten in Holzwickede

Vor rund einem Jahr begannen die Bauarbeiten an der Landskroner Straße, aus einem kleinen Projekt wurde ein großes. Eine Anwohnerin erzählt, wie das Leben an der Dauerbaustelle aussieht.

Holzwickede

, 18.08.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Dort, wo der Asphalt endet, beginnt das Abenteuer Leben. Handtiefe Fräskanten an den Seiten, auf der Straße tiefe Schlaglöcher. Die Randsteine sind durch die Regenfälle der letzten Tage unterspült worden, vereinzelt umgefallen und für Autos und Fußgänger zu gefährlichen Stolperfallen geworden.

„Vor ein paar Tagen hatten wir noch einen Fluss vor der Tür“, sagt Michaela Schultz-Franck. Die stellvertretende Schulleiterin einer Dortmunder Gesamtschule ist Anwohnerin in der Landskroner Straße und beobachtet das Treiben vor ihrer Haustür mit einem lachenden und einem weinenden Auge.

Schotterpiste vor der Haustür

Rund ein Jahr ist es her, dass ihre Familie über die Maßnahmen informiert wurde. „Wir waren damals im Urlaub“, erzählt sie. Über Nachbarn erfährt sie von dem Brief in ihrem Briefkasten, datiert auf den 9. August 2019. Er informiert die Anwohner über den Beginn der Bauarbeiten am 12. August. „Als wir aus dem Urlaub kamen, war die Straße bereits aufgerissen.“

Tiefe Schlaglöcher und ein starkes Gefälle zum Bordstein hin. Die Landskroner Straße ist ein Abenteuerparcours für Autos.

Tiefe Schlaglöcher und ein starkes Gefälle zum Bordstein hin. Die Landskroner Straße ist ein Abenteuerparcours für Autos. © Lisa Dröttboom

Seither hat sich vor der Haustür der Schultz-Francks wenig getan. Der Zustand der aufgerissenen Straße wird immer schlimmer, dabei sind die Arbeiten noch gar nicht zu ihrem Teil der Straße vorgedrungen. „Ein Satz Reifen ist schon durch“, sagt sie und blickt auf die Schotterpiste vor ihrer Haustür. Der Abrieb und die Belastung für das Gummi auf dem groben Kies sind hoch.

Ich kann es mit Humor nehmen und drüber lachen und die Lage genießen, aber wenn die Autos demnächst mit 70 durch die Straße brettern, dann wird einem anders.
Michaela Schultz-Franck

Den Winter über hätte der Weg größtenteils aus Pfützen bestanden. „Teilweise so schmal, dass man gerade so daherlaufen konnte.“ Wenn es nicht matschig in der Straße ist, ist es staubig. Die Häuser der Anwohner, viele erst vor wenigen Jahren frisch gestrichen, tragen bereits Spuren der hohen Staubbelastung.

Während des Starkregens am vergangenen Wochenende verwandelte sich die Straße in einen Fluss. „Wenn es regnet, haben wir jetzt immer einen Bach vor der Tür.“ Da die Straße aufgerissen ist, kann das Wasser nicht in die Kanalisation ablaufen, sondern versickert im Boden und unterspült die Randsteine. „Unsere Wände im Keller sind feuchter als vor einem Jahr“, sagt Schultz-Franck besorgt.

Erschwerte Kommunikation

Die ersten neun Monate geschieht vor dem Haus der Schultz-Francks nichts. Nur die Buckelpiste wird immer schlimmer. „Wann immer sich wer von uns beschwert hat, weil die Schlaglöcher so groß waren, dass man mit dem Auto aufgesetzt hat, wurde neuer Schotter aufgeschüttet.“

Regen hat die Randsteine am Bürgersteig so unterspült, dass sie auf die Straße gekippt sind. Ein Stolperstein für Autos, besonders nachts.

Regen hat die Randsteine am Bürgersteig so unterspült, dass sie auf die Straße gekippt sind. Ein Stolperstein für Autos, besonders nachts. © Lisa Dröttboom

Die Kommunikation mit dem Kreis ist erschwert. Die angesetzten fünf Monate, die in dem Brief vom August 2019 für die Bauarbeiten angesetzt waren, sind längst verstrichen. Immer neue Hürden und Hindernisse verzögern die Arbeiten, die Baustelle wird nun schon mindestens anderthalb Jahre dauern. „Es hat kein Anschreiben oder eine Information gegeben, dass sich was verzögert.“

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Wie es an der Landskroner Straße weitergeht, erfährt die Familie nur, wenn sie sich beim Kreis durchfragt oder in Sitzungen geht. „Es wäre schön, wenn man einen Ansprechpartner hätte“, sagt Michaela Schultz-Franck. Derzeit zum Beispiel kippen die unterspülten Randsteine auf die Straße. Für die Autos wird das besonders bei Nacht gefährlich.

Ruhe vor dem Sturm

Im Mai und Juni wurde die Lage vor der Haustür noch durch die Baustelle an der Bahnbrücke in Sölde verschlimmert. Viele Autofahrer nutzten die Landskroner Straße als Abkürzung, ließen sich nicht von aufgestellten Barken beeindrucken und nahmen auch Wege durch die Vorgärten der Anwohner in Kauf.

In Teilstücken wird die Wasserleitung an der Landskroner Straße ersetzt. Links zu sehen sind die alten Rohre.

In Teilstücken wird die Wasserleitung an der Landskroner Straße ersetzt. Links zu sehen sind die alten Rohre. © Lisa Dröttboom

Mittlerweile hat sich die Lage an der Landskroner Straße wieder verbessert, Michaela Schultz-Franck kann die Situation fast genießen. „Ich kann aus dem Haus gehen und meine Hunde laufen lassen. Es ist, als würde ich am Feldweg wohnen“, sagt sie. „Es ist herrlich still.“

Trotzdem bleibt auch bei ihr die Angst vor dem Moment, wenn die Bauarbeiten abgeschlossen sind. „Es war schon vorher ein Krampf, wenn die Leute die Straße heruntergebrettert sind.“ An Tempo 50 hätten sich nur wenige gehalten. Wie es erst aussieht, wenn die Straße breiter ist, will sie kaum denken. „Ich denke dabei auch an die Radfahrer, die zum Emscherquellhof wollen.“

Als die Straße kurzfristig ganz gesperrt werden musste, wichen die Autofahrer ganz dreist auf den Vorgarten der Nachbarin aus, um trotzdem weiterfahren zu können.

Als die Straße kurzfristig ganz gesperrt werden musste, wichen die Autofahrer ganz dreist auf den Vorgarten der Nachbarin aus, um trotzdem weiterfahren zu können. © Lisa Dröttboom

Angst vor der Zukunft

Bei all den Verzögerungen und Ärgernissen bleibt Michaela Schultz-Franck trotzdem guten Mutes. „Ich kann es mit Humor nehmen und drüber lachen und die Lage genießen, aber wenn die Autos demnächst mit 70 durch die Straße brettern, dann wird einem anders.“

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Allzu viel Hoffnung auf Ruhe hat sie nicht. Die Gemeinde verkündete erst kürzlich, dass ab der Landskroner Straße auch ein Radweg gebaut werden soll, ein Anschluss an den Emscherradweg. „Wenn diese Baustelle fertig ist, dann kommt die nächste.“

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