Sebastian Thrun und Anja Bechtel klären Kinder spielerisch über sexuellen Missbrauch auf. "Mein Körper gehört mir" richtet sich dabei an Kinder im Grundschulalter. © Greis
Sexueller Missbrauch

Schauspieler leisten Präventionsarbeit an Schulen und raten zum Zuhören

Wer darf mich wie und wo anfassen? Das ist Kindern nicht immer klar und wird schlimmstenfalls von Erwachsenen ausgenutzt. Hilfestellung gegen Missbrauch geben Theaterpädagogen an der Nordschule.

Für Anja Bechtel und Sebastian Thrun ist es ein schmaler Grat: Einerseits braucht es eine klare Sprache, andererseits wollen die beiden Theaterpädagogen kein Kopfkino aus Schreckensszenarien beim jungen Publikum erzeugen, das zuletzt an der Nordschule aus Dritt- und Viertklässlern bestand. An drei Terminen führte das Duo zuletzt „Mein Körper gehört mir“ auf, das über die Theaterpädaogische Werkstatt mit Sitz in Osnabrück bundesweit aufgeführt wird.

Po, Vagina, Penis – Körperteile werden klar benannt, aber Spielszenen hören da auf, wo sexueller Missbrauch beginnt. „Es ist zum Glück ja so, dass die wenigsten Kinder so etwas Schlimmes erlebt haben. Daher ist unser Anspruch, eine spannende Geschichte zu erzählen“, sagt Sebastian Thrun. Darüber sensibilisiere man die Kinder dann für Situationen, die nicht in Ordnung sind.

Kinder ins Programm einbeziehen

Mit Gesang und Tanz werden die Kinder zunächst durch den „Körpersong“ stark gemacht für das ernste Thema, dass die Grundschüler aber nicht als belastend wahrnehmen sollen. Bechtel und Thrun liefern dann weniger eine Show als kurz angespielte Szenen und beziehen dann ihr Publikum ein. Sie fragen nach, wie die Kinder das Gesehene wahrnehmen, was sie dabei denken und wie sie reagiert hätten.

Dass dabei ein Mädchen oder Junge etwas erwähnt, was aufhorchen ließe, komme laut Anja Bechtel selten vor. Sie ist seit 1998 für die Theaterpädagogische Werkstatt im Ruhrgebiet unterwegs. Eher sei es so, dass in der Folge an ihre Auftritte Kinder durchaus den Kontakt zum Lehrpersonal suchen würden.

Rat an Eltern: Zuhören und Gesagtes ernst nehmen

Ihr Programm spielen die Schauspieler mitunter auch für Eltern in eigenen Präsentationsveranstaltungen. „Eltern sollten Zeit und Raum schaffen, um ihren Kindern zuzuhören und ernst nehmen, was diese sagen“, sagt Thrun und Bechtel ergänzt: „Und wenn eine merkwürdige Aussage fällt, dann mit einer offenen Gegenfrage antworten. ‚Wie fühlst du dich damit?‘ zum Beispiel.“ Keinesfalls sollte man schockiert, verärgert oder ungläubig reagieren, das würde den Nachwuchs einschüchtern.

Sebastian Thrun, der in Holzwickede lebt und selbst Vater ist, kann seiner Arbeit mit den Kindern viel abgewinnen: „Ich finde das unfassbar wichtig, dass man Kindern so eine Orientierung an die Hand gibt, um sie zu stärken. Das macht manchmal mehr Spaß, als abends auf der Bühne zu stehen und den Applaus von Erwachsenen zu bekommen“, sagt der Schauspieler.

Die Theaterpädagogen spielen grundsätzlich nach 3G-Regeln. Bechtel und Thrun sind geimpft und zusätzlich getestet gewesen. Während der Vorführung behalten Kinder und Lehrer ihren Mund-Nasen-Schutz auf.

Über den Autor
Redaktion Holzwickede
Jahrgang 1985, aufgewachsen auf dem Land in Thüringen. Fürs Studium 2007 nach Dortmund gekommen. Schreibt über alles, was in Holzwickede passiert. 17.000 Einwohner mit Dorfcharakter – wie in der alten Heimat. Nicht ganz: Dort würden 17.000 Einwohner locker zur Kreisstadt reichen. Willkommen im Ruhrgebiet.
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Christian Greis

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