Es tut sich was in der politischen Landschaft Holzwickedes: Die Satirepartei „Die Partei“ hat einen Ableger in der Gemeinde gegründet. Für die Kommunalwahlen 2020 steckt sich der Ortsverband hohe Ziele.

Holzwickede

, 13.10.2019, 14:05 Uhr / Lesedauer: 3 min

Mehr Spaß in die Lokalpolitik bringen – das darf schon als Prämisse für die derzeit acht Mitglieder des Holzwickeder Ablegers der Partei „Die Partei“ gelten. Offiziell im Juli diesen Jahres gegründet, schickt sich der Ortsverband an, im kommenden Jahr bei den Kommunalwahlen mitzumischen. „Wir wollen ein Liste aufstellen und im kommenden Jahr natürlich auch acht Sitze im Rat einnehmen“, sagt der Partei-Vorsitzende Justus Scherding.

Treffen sie sich auch erst seit wenigen Wochen regelmäßig in der Kneipe „Zum Fässchen“ an der Nordstraße, so wurden im Ortsverband schon einige Ideen geboren, um die Wähler im kommenden Jahr zu überzeugen:

  • Hengsen und Opherdicke besser an die Gemeindemitte anbinden: „Die Verkehrsanbindung ist eine Katastrophe. Wir fordern einen Sessellift aus der Mitte nach Hengsen mit Schloss-Anbindung. Und damit es zügig wieder runter geht, braucht es eine Sommerrodelbahn“, sagt Justus Scherding. Die gelben Mitfahrbänke, die niemand nutze, seien der beste Beweis, dass man hier größer denken müsse.
  • Altersarmut bekämpfen: „Uns als Partei interessiert auch der Letztwähler. Um der Altersarmut zu begegnen, braucht es mehr Pfandringe an Mülleimern, damit sich jeder die eigene Rente aufstocken kann“, fordert Scherding.
  • Emscherpark und Kita Sonnenschein: „Wir setzen uns für die ‚Kita 21‘ ein. Heißt: Gebäude abreißen und unter die Hundescheißwiese verlegen. Der Festplatz indes wird begrünt durch einen knalligen Farbanstrich“, so der Partei-Vorsitzende.

Eine „sehr gute“ Partei will den Holzwickeder Gemeinderat übernehmen

Opherdicke und auch Hengsen müssten verkehrlich besser an die Gemeindemitte angebunden werden. Warum nicht über einen Sessellift? Das fordert zumindest „die Partei“. © Marcel Drawe

Auch bildungspolitisch hat man beim Bier im Fässchen schnell neue Ideen: Statt mit Tablets zu lernen, sollten die Kinder erst die Grundkenntnisse des Digitalen vermittelt bekommen. „Lernen wie in den 90ern. Mit dem Gameboy ab in die letzte Reihe“, fordert Scherding.

Der Wähler darf und soll über derlei Vorschläge lachen. Er darf auch einfach den Kopf schütteln und sich die Frage stellen, warum Holzwickede einen satirisch-politischen Ortsparteiverband braucht.

Scherding hat eine Antwort, die natürlich den oft genutzten Partei-Slogan „sehr gut“ enthält: „Zunächst brauchte mal Deutschland eine sehr gute Partei. Das macht Die Partei zur einzig wählbaren. Damit ist auch klar, dass Holzwickede einen Ortsverband braucht, damit wir lokalpolitisch aufräumen können.“ Und der örtliche Sportbeauftragte Jan Brückhändler fügt an: „Wir machen alles bierernst.“

„Die Partei“ setzt auf ein einheitliches Äußeres von C&A

Sportbeauftragter? Ja, das ist ein offizieller Posten im Vorstand. Ebenso wie der Posten des Drogenbeauftragten, den Lukas Kaldenbach inne hat. Bei den jungen Satire-Politikern läuft eben alles ein wenig anders. Ausdruck davon sind auch ihre Anzüge: Ein bieder-graues Standardmodell mit roter Krawatte von C&A, vorgegeben durch den Bundesverband. Kostenpunkt: 79,90 Euro.

Auf Bundes- und gar Europaebene – als fraktionsloser EU-Parlamentarier sorgt der Bundespartei-Vorsitzende Martin Sonneborn regelmäßig mit spitzen Reden für mediale Aufmerksamkeit – greifen die Satiriker den etablierten Parteien durchaus Wähler ab. Vor allem junge Protestwähler, die sich eher links denn rechts orientieren, finden hier Anschluss.

„Bei den Europawahlen war klar, dass ich ‚Die Partei‘ wähle. So bin ich dann auch hier reingerutscht. Es gibt einfach eine politische Unsicherheit. Und da wir jung, dynamisch und sexy sind, rechnen wir uns auf lokaler Ebene gerade bei den jungen Wählern etwas aus“, sagt Jan Brückhändler.

Ein eigener Bürgermeisterkandidat ist nicht ausgeschlossen

„Die Partei“

Treffen ein Mal im Monat

  • Wie andere Orts-Parteien auch kommt „die Partei“ zu regelmäßigen Treffen zusammen. Die finden, außer an Feiertagen, immer am ersten Donnerstag im Monat in der Gaststätte „Zum Fässchen“ an der Nordstraße statt. Beginn ist jeweils um 18.30 Uhr. Interessierte sind willkommen.
  • Der Vorstand des Ortsverbandes besteht aus dem Vorsitzenden Justus Scherding, Stellvertreter Jan Simon, Schatzmeister Jonas Siebert sowie den Sport- und Drogenbeauftragten Jan Brückhändler und Lukas Kaldenbach.

Selbst einen eigenen Bürgermeisterkandidaten werde man nicht ausschließen. „Falls wir einen anderen Kandidaten unterstützen, müsste das ein sehr witziger und sehr guter sein. Außer der FDP nehmen wir aber jeden mit, der uns letztlich als Steigbügelhalter dient“, sagt Justus Scherding.

Weil alle Parteimitglieder noch jung sind, warnen sie auch die jugendpolitische Konkurrenz in der Gemeinde. „Den Vorsitzenden der Jungen Union, Marcal Zilian, den kenne ich ja ganz gut. Da weiß ich: Der hat die Hosen voll. Zurecht“, sagt Jan Brückhändler.

Was die Jusos angeht, hat wiederum Scherding eine ganz eigene Sicht: „Ich weiß gar nicht, ob es die noch gibt. Man hört ja nichts“, sagt einer, der einst selbst das SPD-Parteibuch besaß. Der 25-Jährige ist der Sohn der SPD-Vorsitzenden Heike Bartmann-Scherding, die seinen Parteiwechsel nach eigener Aussage mit Fassung trug.

Ein Denkmal zum Abschied für die SPD

„Ich habe mich auf Landes- und Bundesebene im Wahlkampf engagiert. Aber die SPD rückt von sozialer Politik ab. Das Hin und Her mit der GroKo war dann ausschlaggebend“, sagt Scherding. So kam dann aus einer Bierlaune heraus der Gedanke: „Wir wollen jetzt sehr, sehr gute Politik machen.“ Scherding trat aus der SPD aus und in „Die Partei“ ein.

Eine „sehr gute“ Partei will den Holzwickeder Gemeinderat übernehmen

Stilllegen und der SPD zum Gedächtnis ein Denkmal aus ihr machen: Diesen Plan hat die Satirepartei für die Carolinenbrücke. © UDO HENNES

Mit Blick auf seine alte Parteizugehörigkeit nennt der Partei-Vorsitzende noch ein letztes Ziel für die Kommunalwahlen: „Die SPD ist allgemein tot. Und weil die Carolinenbrücke unter SPD-Bürgermeister Jenz Rother angeleiert wurde, wollen wir das würdigen. Das Ding ist sowieso ständig kaputt, also wollen wir die Brücke stilllegen und ein Denkmal daraus machen: die SPD-Gedächtnisbrücke.“

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