Immerhin: Der Strom in der Kleingartenanlage „Am Oelpfad“ fließt einen Tag nach dem Feuer wieder. Bis die Brandursache geklärt sein könnte, dauert es noch einige Tage – falls der Grund überhaupt gefunden wird.

Holzwickede

, 11.06.2019, 16:46 Uhr / Lesedauer: 3 min

Am Eingang der Kleingartenanlage liegt am Montagnachmittag noch der Feuergeruch in der Luft. Der Brand in der Nacht zuvor ist natürlich das Gesprächsthema unter den Kleingärtnern. Immer wieder spazieren Schaulustige am Areal vorbei, das weitläufig mit Flatterband abgesperrt ist. Die Szenerie wirkt surreal: Rund um die verkohlten Überreste der Lauben blüht und grünt es. Die abgebrannten Häuschen passen nicht recht ins Bild.

Die Laube von Vorstandsmitglied Hermann Volke liegt gegenüber den betroffenen Parzellen. „Wir wissen noch gar nichts. Wissen nicht, wie das jetzt weitergeht“, so Volke. Die Art des Brandes macht ihn rat- und fassungslos. Auch weil neben dem Vereinsheim, abseits der verbrannten Lauben, ein Haufen mit Rindenmulch gelöscht werden musste, liege die Vermutung nahe, dass hier in der Nacht zu Montag jemand absichtlich ein Feuer in der Anlage gelegt haben könnte.

Sachverständiger muss die Ursache für Gartenlaubenbrand klären

Dieser Haufen Rindenmulch liegt abseits der Stelle, wo die Lauben brannten, neben dem Vereinsheim am Eingang der Kleingartenanlage. Auch hier brannte es. Das Feuer konnte schnell gelöscht werden. © Greis

„Chahid, komm mal rüber!“, ruft Volke beim Besuch vor Ort einem jungen, kräftigen Mann zu. Chahid Eljarroude und seiner Familie gehört eine der vier abgebrannten Lauben. „Seit einem Jahr und zwei Monaten haben wir die Parzelle. Hat ja lange gehalten“, sagt er mit einem bitteren Ton in der Stimme. Am Morgen des Pfingstmontags hat man ihn informiert. Noch weiß er nicht, wie es weitergeht. „Keine Ahnung, ob und wie wir das wieder aufbauen können“, sagt Eljarroude. „Komm, du bist doch noch jung und kräftig. Das wird schon“, macht ihm Hermann Volke Mut.

Die Polizei im Kreis Unna hat die Ermittlungen aufgenommen. Im Laufe der Woche wird man sich die Überreste mit einem Sachverständigen anschauen – auch um einen möglichen technischen Defekt auszuschließen. „Vorher können wir aber nichts zur Brandursache sagen“, sagt Polizeisprecher Thomas Röwekamp auf Nachfrage.

Ursachen für Feuer in Gartenlauben oft schwer zu ermitteln

Sturmschaden

Kastanie muss gefällt werden

Bereits am Pfingstsamstag wurde eine Kastanie am Vereinsheim durch einen Sturm beschädigt. Ein großer Ast brach ab. „Wir werden die wunderschöne Kastanie leider fällen müssen. Der Schaden ist zu groß. Der Baum ist nicht mehr zu retten“, sagt KGV-Sprecher Karl-Heinz Lauer.
Sachverständiger muss die Ursache für Gartenlaubenbrand klären

Einen Sturmschaden erlitt eine Kastanie nahe des Vereinsheims am Pfingstsamstag. Ein großer Ast brach dabei aus dem Stamm. © KGV Am Oelpfad

Dass die Ursachenermittlung nicht immer einfach ist, zeigt das Beispiel des Laubenbrandes an der Montanhydraulikstraße in der Nacht zum 23. April. Hier ging die Polizei zunächst von einem technischen Defekt aus. Weil die Anlagen neben dem Montanhydraulikstadion aber gar nicht ans Stromnetz angeschlossen sind, hat sich der Verdacht nicht bestätigt. „Grillrückstände können wir eigentlich auch ausschließen. Die wurden vor Ort sachgemäß entsorgt“, sagt Röwekamp. Brandstiftung könne man aber explizit nicht bestätigen. „Das ist im Nachgang nicht immer zu ermitteln, wenn die Zerstörung zu stark ist“, so Röwekamp.

Weil zuletzt auch in Unna und Kamen Gartenlauben brannten, könnte man den Verdacht hegen, dass jemand absichtlich in der Region nachhilft. Dafür spricht beim Blick auf die Fälle aber wenig: In Unna war die Laube für eine gesicherte Aussage zu stark beschädigt. Brandstiftung sei hier aber unwahrscheinlich. In Kamen wiederum wurden zuvor Kinder beobachtet, die mit Müll zündelten. „Wir konnten die Kinder aber nicht ausfindig machen“, so Röwekamp.

KGV-Sprecher Karl-Heinz Lauer hält nichts von Spekulationen. „Wir denken nicht daran, jetzt irgendwelche Vermutungen aufzustellen“, sagt Lauer auf Anfrage dieser Redaktion am Dienstag. Er ist froh, dass mittlerweile ein Großteil der Anlage wieder am Strom ist, nachdem der Hauselektriker vor Ort war. Eine Taufgesellschaft musste am Pfingstmontag zunächst noch ohne Strom im Vereinsheim auskommen. „Die wollten uns aber auch nicht absagen. Es war ja schon alles für 40 Personen gedeckt. Da wurde dann aber das Beste draus gemacht, auch wenn die Getränke vielleicht nicht eiskalt waren“, sagt Lauer. Lediglich die Parzellen direkt neben den abgebrannten Lauben müssen auch die kommenden Tage noch ohne Strom auskommen.

Sachverständiger muss die Ursache für Gartenlaubenbrand klären

Ein Hinweis am Aushang macht darauf aufmerksam, dass die betroffenen Parzellen aktuell gesperrt sind. © Marcel Drawe

Ein großflächiger Stromausfall blieb den Holzwickedern indes erspart. Weil über der Kleingartenanlage eine 110-Kilovolt-Mittelspannungsleitung verläuft, die die Gemeinde mit Strom versorgt, waren noch in der Nacht zu Montag Techniker vom Betreiber Westnetz gefordert. „Die Leitung war aber jederzeit in Betrieb. Aufgrund der Hitze hingen die Leitungen aber durch und wir mussten eine Höhenmessung durchführen. Da war aber alles noch im Rahmen“, sagt Westnetz-Sprecherin Maren Frisch. Inwieweit die Leitungen einen bleibenden Schaden durch die Hitze genommen haben, ermittelten Westnetz-Mitarbeiter am Dienstag. Hier lagen bei Redaktionsschluss noch keine Ergebnisse zu etwaigen Reparaturen vor.

Noch kein Brand in dem Ausmaß

An ein Feuer mit Todesfolge vor einigen Jahren durch den unsachgemäßen Umgang mit einer Gasflasche kann sich Lauer erinnern, aber ein Feuer in dem Ausmaß habe es „Am Oelpfad“ noch nie gegeben. Bei dem Brand, der in der Nacht zu Montag gegen 1.30 Uhr beide Löschzüge der Freiwilligen Feuerwehr auf den Plan rief, wurden vier Lauben zum Teil komplett zerstört. Für die Feuerwehr war es vor allem eine Herausforderung, eine Schlauchleitung von der Bahnunterführung am Oelpfad durch die gesamte Kleingartenanlage bis zum Feuer zu legen.

Wie es nun mit den betroffenen Parzellen weitergeht, steht noch nicht fest. Die Kleingärtner versichern ihre Parzellen selbst und werden sicher gespannt sein, ob sich die Brandursache klären lässt. Den betroffenen Mitgliedern sicherte Lauer indes bereits die Unterstützung durch die Vereinsgemeinschaft zu.

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