Für die Familien Breer und Ledwon ist es immer noch unwirklich. Zwei Wochen ist der Brand in der Kleingartenanlage Am Oelpfad her. Das Leben geht weiter, der Schock sitzt jedoch noch tief.

Holzwickede

, 28.04.2020, 15:35 Uhr / Lesedauer: 3 min

Es ist nachts um drei, als Marita und Horst Breer aus dem Schlaf geklingelt werden. Am Telefon ist die Polizei. In der Kleingartenanlage Am Oelpfad hat es gebrannt. Ihre Gartenlaube ist nur noch Schutt und Asche.

„Wir haben erst gezweifelt, ob das wirklich stimmt“, sagt Marita Breer und sieht zu ihrem Ehemann. „Wir haben gedacht, das sind Einbrecher, die uns von zuhause weglocken wollen. Es kam uns alles komisch vor, aber wir sind dann trotzdem zur Gartenlaube hingefahren.“

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Vor Ort kam dann der große Schock. „Als wir zur Kleingartenanlage fuhren, wussten wir, dass es stimmt. Wir haben das Blaulicht gesehen“, erinnert sich Breer. In der Nacht brennen zwei Gartenlauben bis auf die Grundmauern nieder. Familie Ledwon, zwei Parzellen weiter, wird gegen vier Uhr kontaktiert. Ihre Familie wartet bis zum Morgen, bevor sie in die Kleingartenanlage fährt. „Schlafen konnte aber keiner mehr“, sagt Christine Ledwon.

Schutt und Asche, viel mehr ist von den meisten Dingen in den Gartenlauben nicht übrig geblieben.

Schutt und Asche, viel mehr ist von den meisten Dingen in den Gartenlauben nicht übrig geblieben. © Marcel Drawe

Der Schock nach dem Laubenbrand sitzt noch immer tief

Mittlerweile sind zwei Wochen vergangen. „Es ist immer noch unwirklich“, sagt Marita Breer. Zuhause bekäme man Abstand, aber „sobald man wieder herkommt, ist es wieder ein Schock.“ Die Lust, hinaus in den Garten zu fahren, ist beiden Familien derzeit vergangen.

Ob sie ihre Gartenlaube wieder aufbauen werden? Für Familie Ledwon besteht kein Zweifel. „Auf jeden Fall. Zumindest eine einfache Laube.“ Die Familie hängt an ihrem Garten. „Das ist unser zweites Zuhause.“ Tochter Annika ist hier quasi groß geworden. Die ersten Kartoffeln sollen schon bald eingepflanzt werden.

Das Rad mit dem Korb stand nah am Hause der Breers, ist aber nur halb verbrannt. Marita Breer wollte in der Woche des Brandes eigentlich Blumen dort einpflanzen.

Das Rad mit dem Korb stand nah an der Laube der Breers, ist aber nur halb verbrannt. Marita Breer wollte in der Woche des Brandes eigentlich Blumen dort einpflanzen. © Marcel Drawe

Die Angst vor erneutem Feuer bleibt

Familie Breer hingegen schwankt noch. „Wenn ich 25 Jahre jünger wäre, wäre das keine Frage“, sagt Horst Breer. Nun würde er täglich überlegen. In ihm schwelt die Angst: „Was, wenn der Brandstifter wiederkommt? Was, wenn er wieder unsere Laube nimmt?“ Für die Breers besteht kein Zweifel, dass es Brandstiftung war. „Unsere Laube ist so gleichmäßig abgebrannt, da muss jemand einmal rundherum Benzin verteilt haben.“ In der vergangenen Woche hat die Polizei diesen Verdacht bestätigt.

Breer geht noch einen Schritt weiter. Er glaubt, dass es derselbe Täter war, der schon zehn Monate zuvor bei vier anderen Gartenlauben in der Kleingartenanlage Feuer gelegt hat. Dabei handelt es sich aber um eine bloße Vermutung. Von der Polizei gab es bisher keine Erkenntnisse für einen Zusammenhang der beiden Taten.

„Seit diese Anlage existiert, hat es erst einmal gebrannt“, erinnert sich Horst Breer. „Und das war ein Unfall. Die Brandstiftung im Vorjahr war der erste Vorfall dieser Art. Die anderen sind immer noch bei den letzten Arbeiten, um ihre Gartenlauben wieder aufzubauen.“ Er verstummt.

Nun wollen Breers erst einmal abwarten, bis die Ruinen abgerissen und ausgeräumt sind. „Dann entscheiden wir. Vielleicht sieht dann alles schon anders aus.“ Annika Ledwon schüttelt entschieden den Kopf. „Das darf nicht das Ende sein“, sagt sie in die Runde.

Suche nach den verbrannten Sachen

Die beiden Familien haben noch Glück im Unglück. Nach dem Brand vor zehn Monaten haben sie ihre Versicherung für die Gartenlaube erhöht, auf das Maximum. „Die anderen Familien mussten viel selber bezahlen.“ Das ist allen anderen eine Lehre gewesen. Den teuren Abriss der Ruinen zahlt die Versicherung. Nur den ideellen Wert kann das Geld nicht aufwiegen.

Von dem Geschwirr und der Einrichtung ist nur wenig übrig geblieben, was noch erkennbar ist.

Von dem Geschirr und der Einrichtung ist nur wenig übrig geblieben, was noch erkennbar ist. © Marcel Drawe

„Da war ein zweiter Haushalt hier“, sagt Marita Breer. „Wir hatten den Garten 35 Jahre, vieles haben wir selbst gebaut. Geschirr, Tupperwaren, das ist alles verbrannt.“ Sie ertappt sich selbst noch oft dabei, wie sie zuhause nach etwas sucht. „Dann fällt mir ein, dass es in der Gartenlaube war.“ Ihre Nähmaschine zum Beispiel. Mit der wollte sie Mundbedeckungen nähen und den Sonnenschirm flicken. Oder Familienerbstücke. Ein gesticktes Kissen ihrer Mutter, Auszeichnungen von gemeisterten Wanderrouten. „Das ist jetzt alles weg.“

Stimmung in der Anlage angespannt

Die Stimmung in der Anlage ist seit dem Brand angespannt. „Das hier war immer ein sicherer Ort“, sagt Annika Ledwon. Sicher fühlt sich im Moment jedoch niemand. Die Gartenbesitzer, die gerne mal in ihrer Laube übernachtet haben, schlafen derzeit alle Zuhause. „Das ist das Schlimmste“, sagt Horst Breer und schüttelt den Kopf. „Man ist so machtlos. Man weiß nicht, was man machen soll.“

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„Man glaubt ja nie, dass es einen selbst trifft“, sagt Christine Breer. Sie hat mit ihrer Familie an dem Wochenende Kaffee getrunken, der Sohn hat sein Fahrrad in der Laube gelassen. „Immerhin haben wir nicht mehr abgewaschen.“ Ein schmales Lächeln huscht über ihre Lippen.

Tochter Annika watet durch die Trümmer ihrer Gartenlaube, bückt sich, hebt etwas auf. „Guck mal, das ist unsere Uhr“, ruft sie und klappt den schwer beschädigten Wecker auf. „Man kann sogar die Uhrzeit noch erkennen.“

In den Trümmern findet Familie Ledwon immer wieder Habseligkeiten, die trotz Flammentod zumindest noch erkennbar sind.

In den Trümmern findet Familie Ledwon immer wieder Habseligkeiten, die trotz Flammentod zumindest noch erkennbar sind. Zum Beispiel einen alten Wecker. © Marcel Drawe

Die Obstbäume und Büsche, die den Flammen am nächsten gestanden haben, sind nur noch zur Hälfte grün, die andere Seite ist braun, verwelkt. Wie nach einem heißen Sommer mit wenig Wasser. „Auch die Pflanzen müssen das Feuer noch verkraften“, sagt Marita Breer. „Ich warte jetzt einfach ab, welche Pflanzen nächstes Jahr wiederkommen.“

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