Ruhrpott-Humor trifft harte Brutalität: Thomas Matiszik veröffentlicht dritten Thriller

dzKommissar Modrich ermittelt

Der Holzwickeder Autor Thomas Matiszik schickt Kommissar Modrich in seinen dritten Fall – zu Giraffen, menschlichen Abgründen und Musik. Bei einer Lesung stellt er sein neuestes Werk vor.

05.03.2019, 14:02 Uhr / Lesedauer: 3 min

Die Welt ist wie ein Katzenklo. Auch wenn du es noch sooft säuberst, den fiesen, säuerlichen Geruch kriegst du einfach nicht raus.“ Einen starken Magen braucht man zwischenzeitlich schon, wenn man gemeinsam mit Peer Modrich Mörder im Ruhrgebiet jagen will. Aber gerade für seinen schnoddrigen Ton, seine Abneigung gegen jegliche Hierarchien und für seine stets etwas angeschlagene Physis und Psyche wird Thomas Matisziks Kommissar geliebt. Der Holzwickeder Autor schickt ihn nun in seinen dritten Fall – und eins ist klar: Auch diesmal geht Kommissar Modrich bis an seine Grenzen. Und darüber hinaus.

Der dritte Thriller von Thomas Matisziks beschäftigt sich mit menschlichen Abgründen

Schon fast aus einer Laune heraus entstanden Triebtäter Karlchen, Kommissar Modrich und seine Kollegin Guddi. „Ich versuche, jetzt mal ein Buch zu schreiben“, habe er 2013 gedacht, erinnert sich Matiszik zurück. Einen Thriller, das war klar. Schließlich faszinieren ihn das Böse, die menschlichen Abgründe, das, was viele beschäftigt und was niemand auszusprechen wagt: „Jeder von uns verabscheut es, aber jeder von uns will es auch verstehen.“

„Die Realität ist meist viel schlimmer als in den Büchern.“
Thomas Matiszik, Autor

Von der Idee zum Text, vom Text zum Buch, vom Buch zum Leser – das war dann aber doch ein weiter Weg. Nach unzähligen Absagen sei er mehr oder weniger durch Zufall auf den Dortmunder OCM-Verlag gestoßen, erzählt Matiszik. Und von da an ging dann plötzlich alles ganz schnell. Vertragsunterschrift, Lektorat, 2016 der Druck von „Karlchen“, nur ein Jahr später mit „Blutsgeschwister“ der zweite Band und jetzt schon wieder ein neuer Fall: „Totkehlchen“. Eine „vielleicht nicht große, aber sehr, sehr treue Leserschaft“ habe er gewonnen, erklärt Matiszik. Und die lassen ihn einfach nicht in Ruhe. Woher kommt dieser beständige Erfolg?

Mischung aus beinharter Brutalität und dem trockenen, bodenständigen Humor des Ruhrpotts

„Ich glaube, es ist die Mischung aus beinharter Brutalität und dem trockenen, bodenständigen Humor des Ruhrpotts, die meine Leser schätzen“, meint Matiszik. Nahbare Charaktere, eine Täterperspektive, kurzum viel Identifikationspotenzial bieten seine Romane. Und stellen so auch immer die Frage: Wozu wäre ich fähig? Dieses Mal zur Debatte: Eine Bluttat im Dortmunder Zoo. Neben dem Giraffenhaus wird der Zoodirektor geköpft aufgefunden. Ein Motiv lange nicht Sicht, ein Auftragsmörder bei der Arbeit.

„Jeder von uns verabscheut es, aber jeder von uns will es auch verstehen.“
Thomas Matiszik, Autor

Kaum hat die Suche nach dem Täter begonnen, taucht bereits eine weitere enthauptete Leiche auf; diesmal in Berlin. Während die Ermittler ein Phantom jagen, meldet sich ein Junge auf dem Dortmunder Präsidium, der seine Eltern vermisst: Das letzte Lebenszeichen aus ihrem Urlaub ist ein beunruhigendes Video von einer Safari. Plötzlich spannen sich die Fäden des Falls von Deutschland über Südafrika nach Russland. Und zu all dem muss Modrich um sein Leben fürchten, kämpft Guddi noch immer mit den Folgen des letzten Falls und bringt ein neuer Chef frischen Wind ins Präsidium. Ob das nicht alles etwas viel ist? „Die Realität ist meist viel schlimmer als in den Büchern“, weiß Matiszik. Auch ihn selbst hat der neue Fall vor neue Herausforderungen gestellt. Noch nie in Südafrika gewesen, habe er dieses Mal recherchieren müssen, damit auch alles realistisch und logisch wird. Sein „Faible für durchtriebene Gestalten“ habe da – ausnahmsweise – nicht ganz gereicht.

„Musik kann viel für Literatur tun.“
Thomas Matiszik, Autor

Normalerweise gibt es für Matiszik in puncto Fakten eigentlich nur eine Hürde: einen befreundeten pensionierten Polizisten, der als erster Leser vor allem die polizeiliche Arbeit seines (fiktiven) Dortmunder Kollegiums auf Herz und Nieren prüft. Für die musikalische Gestaltung der Mordfälle und der Mördersuche ist Matiszik selbst der beste Experte. „Was wäre ‚Spiel mir das Lied vom Tod?‘ ohne die Musik von Ennio Morricone?“, verrät er über einen seiner Vorbilder. Denn: „Musik kann viel für Literatur tun.“ Wohl deshalb beschreibt der freie Musik-Journalist, Konzertagent und Frontmann einer Cover-Band häufig viel genauer die Lieblingsklänge als die Anblicke seiner Protagonisten. Und gestaltet die meisten seiner Lesungen mit Liedern wie Farin Urlaubs „Die Leiche“.

Buchpremiere im Vivo

Premiere feiert „Totkehlchen“ am Sonntag, 10. März, ab 18 Uhr im Restaurant Vivo in Holzwickede. Der Einlass findet ab 16 Uhr statt, um Voranmeldung unter (02301) 2577 wird gebeten.

Weitere Lesungen sind bisher in Hattingen, Datteln, Köln, Düsseldorf und Herne geplant.

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