Lust auf Grillen? Schmeckt die Wurst schön würzig, stehen die Chancen gut, dass ein Holzwickeder Unternehmen beteiligt war. Die Produkte von Rüther Gewürze finden sich nicht im Supermarkt und sind doch allgegenwärtig.

Holzwickede

, 09.07.2019, 17:42 Uhr / Lesedauer: 3 min

Seit 1994 sitzen Rüther Gewürze in Holzwickede. Aus einem kleinen Produktions- und Lagerstandort an der Hauptstraße ist im Laufe von 25 Jahren ein Unternehmen mit Millionen-Umsatz geworden, das zwischenzeitlich an der Natorper Straße sein Zuhause gefunden hat.

Wer vor dem Firmengebäude steht, der riecht die geballte Kraft aus gut 400 Rohstoffen – eine Prise Maggi weht durch die Luft. Aus den verschiedenen Extrakten mischen die Holzwickeder wiederum rund 1600 Produkte, die je nach Kundenwunsch maßgeschneidert gemischt werden.

Auf 850 Quadratmetern arbeiten Mitarbeiter im Labor an den Kundenwünschen, in der Produktionshalle wiederum werden die fertigen Mischungen eimer-, kanister- oder fässerweise abgefüllt. Ein kleines Lager hält die wichtigsten Extrakte vorrätig. An der Laderampe herrscht nicht selten Betrieb und werden flüssige Extrakte in großen Kanistern und Fässern angeliefert.

Die Spezialisten für die richtige Würze sitzen an der Natorper Straße

Anlieferung: Am Lager an der Natorper Straße herrscht reger Betrieb. Nachschub kommt nicht nur von extern sondern auch aus dem Dortmunder Hauptlager. © Borys Sarad

Das Hauptlager steht in Dortmund

Das Hauptlager des Unternehmens befindet sich nämlich nicht in Holzwickede sondern auf gut 2500 Quadratmetern in Dortmund. Zwischen 80 und 150 Tonnen an Gewürzextrakten und ätherischen Ölen hat man so immer vorrätig. „So wie wir arbeiten, mit einer sehr hohen Lagerkapazität und der Individualität – das können nur wenige Firmen in Deutschland“, sagt Geschäftsführer Michael Reiter.

Der Österreicher arbeitete einst für einen Rüther-Kunden. Vor etwas mehr als einem Jahr ist er nach Holzwickede gewechselt. Firmengründer Dirk Rüther hat sich mittlerweile aus dem operativen Geschäft zurückgezogen. Seit rund 20 Jahren im Unternehmen und noch immer dabei ist Michael Bartsch. „In der Branche gilt er durchaus als Koryphäe“, weiß Reiter um die Qualitäten seines Produktionsleiters.

Ein großer Absatzmarkt liegt für Rüther in der Nahrungsindustrie. „Wir beliefern quasi die komplette Fleischindustrie“, sagt Reiter. Aber auch in Arzneimitteln und kosmetischen Produkten finden Erzeugnisse von Rüther ihre Verwendung. Dabei geht es freilich weniger um Geschmack und Aromen als um färbende Eigenschaften.

Gewürzextrakte für immer gleich schmeckende Produkte

Warum braucht es aber ein Extrakt, um die Grillwurst zu würzen, wäre das Rohgewürz nicht natürlicher? „Die Wurst soll immer gleich schmecken. Das geht nur über Extrakte“, sagt Reiter. Künstlich sei das nicht. „Ein Gewürzkonzentrat ist im Grunde nichts anderes als ein Fruchtsaftkonzentrat“, sagt der Rüther-Geschäftsführer.

Die Spezialisten für die richtige Würze sitzen an der Natorper Straße

In der Produktionshalle werden die fertigen Mischungen eimer-, kanister- oder fässerweise abgefüllt und versiegelt. © Borys Sarad

Beispiel Pfeffer: „Die Früchte wachsen auf Rispen an Lianenpflanzen. Wir brauchen die kleinen Pfefferperlen. Ähnlich wie beim Schnaps wird das Pfefferkorn mit Dampf destilliert. Das leicht flüchtige Öl entweicht“, erklärt Reiter. Die nicht flüchtigen Geschmacksstoffe im Korn werden wiederum über Lösungsmittel wie Ethanol gewonnen. Das Lösungsmittel wird abgedampft, übrig bleibt das Extrakt.

„Öle und Extrakte kombiniert man wiederum je nach Kundenwunsch. Je mehr Öl desto mehr Aroma. Je mehr Extrakt desto mehr Geschmack“, sagt Produktionsleiter Michael Bartsch.

Pfeffer ist dabei nur ein Beispiel. Die auch Oleoresine genannten Gewürzextrakte können aus zahlreichen Pflanzen gewonnen werden – und teuer sein. „Ein Kilo natürliches Vanilleextrakt liegt schnell bei 2000 Euro“, sagt Reiter.

Die Spezialisten für die richtige Würze sitzen an der Natorper Straße

Weißer und schwarzer Pfeffer: Vor allem links beim weißen Pfeffer lassen sich anhand dieser Probe das Öl (obere Schicht) und das Extrakt gut erkennen. © Greis

Markt für Gewürze unterliegt natürlichen Schwankungen

Die Extrahierung erfolgt nicht in Holzwickede, hier wird mit den fertig angelieferten Ölen und Extrakten an neuen Produktmischungen gearbeitet. „Natürlich versteht man beispielsweise in Indien das Produkt an sich sehr gut. Aber bei der Anwendung kommen wir ins Spiel“, sagt Reiter. Der Markt für Gewürze sei kein einfacher, die Produktion in den Anbaugebieten unterliegt natürlichen Schwankungen. Meist reist Reiter zwei Mal im Jahr in die Anbaugebiete, „um sich ein reales Bild vom Markt vor Ort zu machen.“

32 Mitarbeiter erwirtschaften für Rüther Gewürze laut Michael Reiter rund 13 Millionen Euro Umsatz im Jahr. Aufgrund des Firmenwachstums ist die Arbeit an der Natorper Straße in den vergangenen Jahren aber zunehmend schwieriger geworden. „Die einzelnen Bereiche sind hier vor Ort getrennt. Das große Lager ist in Dortmund. Das ist logistisch natürlich eine Herausforderung“, sagt der Geschäftsführer.

An der Natorper Straße sind die Kapazitäten ausgereizt. Rüther Gewürze in Holzwickede: Das wird es wohl so nicht mehr lange geben. „Wir suchen einen gemeinsamen Standort für Labor, Produktion und Lager“, sagt Reiter. Eine Fläche bis zu 10.000 Quadratmetern ist dafür nötig. Die wird in Holzwickede schwerlich zu finden sein. „Wir wollen aber im Kreis Unna und möglichst in der Nähe bleiben“, sagt Michael Reiter auch mit Blick auf die Belegschaft.

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