Schutzstatus mindern und das Vergrämen der Tiere erleichtern: Das wollte die Gemeinde per Resolution an die NRW-Landesregierung erreichen. Das hat nicht geklappt. Die Saatkrähe bleibt geschützt.

Holzwickede

, 10.03.2020, 13:26 Uhr / Lesedauer: 3 min

Suchen sich im Februar und März die ersten Paare in Holzwickede ihre Brutstätten, weiß der gemeine Holzwickeder: In den kommenden Wochen wird es an bestimmten Orten vor allem morgens und abends laut. Und Dreck machen die Vögel auch noch.

Die Diskussion um die Tiere ähneln sich Jahr für Jahr. 2019 hatte sich das Thema so hochgeschaukelt, dass auf Antrag der SPD-Fraktion eine Resolution beschlossen wurde, die im Namen der Gemeinde von der Verwaltung an die Landesregierung ging. Ziel war, den Schutzstatus der Tiere zu mindern, um vehementer vergrämen zu dürfen.

Die Antworten lassen zumindest für diese Brutsaison erahnen, dass man von Gemeindeseite nicht mehr als die gewohnten Maßnahmen anwenden darf. So teilte in Patricia Peill (CDU) die Vorsitzende im NRW-Umweltausschuss lediglich mit, dass die Resolution in Beratungen zum Thema einfließen werde.

Krähenpopulation in NRW ist stabil

Ausführlicher antwortete der Grüne Norwich Rüße. Er ist Sprecher für Natur- und Tierschutz seiner Fraktion im Landtag. Rüße verweist dabei auf Zahlen des Naturschutzbundes (NABU), die einen stabilen Bestand für NRW aufweisen. Dennoch könne es wie in Soest oder auch Holzwickede regional zu belastenden Häufungen kommen.

Im Kreis Unna zählt zudem die Ornithologische Arbeitsgemeinschaft jedes Jahr die Brutpaare im Kreis. Eine Zunahme an Vögeln ist dabei für Holzwickede nicht zu erkennen. Im Gegenteil: Nach einem Hoch von 293 Paaren in 2017 waren die Zahlen zuletzt stabil. 240 und 241 Paare wurden in den vergangenen beiden Jahren gezählt.

Rüße machte aber klar, dass sich am Schutzstatus der Vögel nichts ändern wird – wo genehmigt, darf demnach nur bis zum 15. März vergrämt werden. Dann beginnt die Brutzeit der Vögel. Ein Abschuss in Wohngebieten sei rechtlich und aus Sicherheitsgründen keine Option. Zudem müsste eine Vielzahl an Krähen geschossen werden – ohne vernünftigen ökologischen Grund, wie Rüße betont.

Untersuchungen hätten laut dem Landespolitiker zudem gezeigt: Jagdbedingte Ausfälle kompensieren die Tiere durch mehr Nachkommen. Die Tiere würde den urbanen Raum suchen, weil Flurbereinigungen im Ackerland, Flächenversiegelung und Abholzungen ihnen außerhalb von Siedlungen den Lebensraum nehmen.

Am Schutzstatus der Saatkrähen ist nicht zu rütteln

Im Umweltausschuss am Montagabend mussten die Fraktionen die Reaktionen auf die Resolution so hinnehmen. Ebenso wie den Hinweis der Verwaltung, dass man auch beim Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz Nordrhein-Westfalen (LANUV) angefragt habe, inwieweit eine Änderung des Bundesnaturschutzgesetzes mit Blick auf den Schutzstatus der Vögel realistisch sei und ob andere Kommunen hier ebenfalls schon aktiv wurden. Die Einschätzung des LANUV: Solch ein Vorhaben sei aussichtslos.

Jochen Schönsee (BBL) schlug eine Brücke zum Thema Müll: Ich denke, dass die Menschen auch darauf achten können, weniger Abfall auf den Boden zu werfen. Wer keine Krähen will, sollte ihnen keine Nahrung verschaffen.“

Bis Mitte März dürfen noch Nester entnommen werden

Obschon die Resolution verpuffte, immerhin im Emscherpark und am Marktplatz darf bis 15. März vergrämt werden. „Das haben wir auch schon gemacht. Und werden wohl zum Ende der Woche nochmals ausrücken“, sagt Armin Nedomansky, stellvertretender Leiter des Baubetriebshofes. Beim Vergrämen werden Nester aus den Baumkronen entfernt – wenn sie noch leer sind. Andernfalls sind die Brutstätten tabu.

Die Astknäuel an der Parkstraße zeigen, dass sich hier bereits die ersten Krähenpaare niedergelassen haben.

Die Astknäuel an der Parkstraße zeigen, dass sich hier bereits die ersten Krähenpaare niedergelassen haben. © Greis

An der Nordstraße zur Rausinger Straße und an der Hauptstraße auf Höhe der Aloysiusschule gab es wie schon im Vorjahr keine Genehmigung durch die Untere Naturschutzbehörde im Kreis. Da der Trinkbrunnen an der Parkstraße zwischenzeitlich beschädigt und abgebaut wurde, ist dieser Bereich aktuell nicht mehr relevant. „Wir müssen mit den bekannten Maßnahmen auskommen“, sagt Holzwickedes Umweltbeauftragte Tanja Flormann.

Zumindest den Bereich an der Aloysiusschule werde man beobachten. Gegenüber brüten die Vögel in den Bäumen neben der Liebfrauenkirche auf dem Grundstück der katholischen Kirche. Weder hier noch auf Seite der Aloysiusschule durfte in den vergangenen Jahren vergrämt werden.

Das wird definitiv auch dieses Jahr so sein: Den Bereich an der Aloysiusschule will man in der anstehenden Brutzeit aber gesondert im Blick halten, um im nächsten Jahr erneut einen Antrag zu stellen. Florman ist aber realistisch: „Die Chancen sind gering, weil damit argumentiert wird, dass sich die Nester an der Schule nicht direkt über dem Schulhof befinden.“

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