Reisewarnungen: Urlaubsguru-Gründer wenden sich mit Offenem Brief an Außenminister Maas

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Sollten Urlauber mitgezählt werden, wenn Regionen oder gar Ländern als Risikogebiet eingestuft werden? Die Urlaubsguru-Gründer sind dafür, fürchten um die Existenz und wenden sich an den Außenminister.

Holzwickede

, 03.09.2020, 11:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ein simples Rechenbeispiel zu Beginn: Fantasialand hat 100.000 Einwohner. 50 davon dürfen sich mit dem Coronavirus infizieren, ohne dass Fantasialand zum Risikogebiet wird und die Bewohner mit weiteren Einschränkungen leben müssen.

Fantasialand ist aber auch schön, so dass sich auch 100.000 Urlauber dort aufhalten. Die fallen nicht in die Risiko-Berechnungen. Würden sie, dann hätte das kleine Land statt 50 Corona-Infizierten möglicherweise nur noch 25.

Geht es nach den Urlaubsguru-Gründern Daniel Krahn und Daniel Marx, müsste so gerechnet werden, bevor über das Auswärtige Amt Reisewarnungen für Regionen oder ganze Länder verhängt werden.

Aus diesem Grund haben sich die beiden als Uniq-Geschäftsführer, Mutterunternehmen hinter dem Internet-Reisevermittler, in einem Offenen Brief an Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) gewandt.

Grundsätzlich begrüßen die Unternehmer eine Regelung, um Corona-Risikogebiete zu identifizieren. Sie „wollen aber gleichzeitig dazu anregen, über die Berechnungsgrundlage der definierten Obergrenze nachzudenken“, heißt es in dem Brief an Maas. Sie verweisen etwa auf Gästezahlen für Mallorca im Juli: Rund 350.000 Touristen wurden demnach bei den Berechnungen außen vor gelassen.

Zudem verweisen Krahn und Marx auf Beispiele, die ihre Sichtweise stützen sollen. Etwa Erfahrungen der eigenen Mitarbeiter im Ausland, wo man wirtschaftlich auf Touristen angewiesen sei und aus Angst vor einem neuerlichen Shutdown penibler auf die Einhaltung der Corona-Regeln achten würde als in Deutschland.

Unternehmer sind sich des Eigennutzes in schwieriger Lage bewusst

Aus Sicht der beiden würden deutsche Urlaubsziele ob der Reisewarnungen fürs Ausland überlaufen und es sei schwieriger, die Corona-Verhaltensregeln durchzusetzen. Auch wenn es einen erhöhten Aufwand bedeuten würde: Das Tourismusunternehmen fordert differenzierte Entscheidungen pro Land.

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Die beiden Geschäftsführer machen zum Ende ihres Briefes keine Hehl daraus, „dass wir natürlich in unseren Aussagen befangen sind.“ Man habe ein Interesse daran, die Angst vor einer Infektion in anderen Ländern zu nehmen, stelle die Gesundheit der Menschen aber nicht vor wirtschaftliche Interessen.

Nach eigenen Angaben tendierte der eigene Umsatz zwischenzeitlich gegen Null. Die Urlaubsguru-Geschäftsstellen in Unna und Münster musste das Unternehmen schließen. Arbeitsplätze wurden abgebaut und diverse Finanzhilfen waren nötig, um den Betrieb aufrechtzuerhalten.

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