Die Tourismusbranche nimmt langsam wieder an Fahrt auf. Aus Sicht der heimischen Reisebüros und -portale aber ein wenig zu langsam. Manchen steht das Wasser inzwischen bis zum Hals.

Holzwickede

, 28.06.2020, 04:55 Uhr / Lesedauer: 3 min

Die Tourismusbranche war eine der ersten, die von der Corona-Krise hart getroffen wurde. Seit mehreren Monaten haben sie mit Umsatzeinbußen zu kämpfen. Besserung ist nicht in Sicht: Auch nach den letzten Lockerungen buchen kaum Holzwickeder vor Ort einen Urlaub.

Reisebüro Raupach: Die Verunsicherung der Kunden ist zu groß

Zu groß sei die Verunsicherung der Kunden, berichtet etwa Renate Raupach, die ein Reisebüro an der Hauptstraße betreibt. Einzelkämpferin Raupach blickt in eine ungewisse Zukunft: „Es ist eigentlich immer noch tote Hose“, sagt sie. Ihr Umsatz liege effektiv immer noch bei Null, die Auftragslage habe sich seit Ausbruch der Corona-Pandemie kaum verändert.

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Vereinzelt hätten ihre Stammkunden schon Reisen für die Weihnachtszeit gebucht. Für die Sommersaison geht sie aber bisher fast leer aus. Ein weiterer Unsicherheitsfaktor, mit dem sie leben muss: Das Geld, das durch bereits gebuchte Reisen in ihre Kasse geflossen ist, ist nicht allzu sicher: „Ich gehe davon aus, dass viele in den kommenden Monaten noch stornieren werden“, vermutet sie. In diesem Fall breche ihre Provision schnell wieder weg.

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Kunden würden sich momentan mehr nach günstigen Ferienwohnungen umsehen als nach Hotels. Diese habe sie auch im Angebot: Mit Blick auf die hohen Temperaturen zum Ferienbeginn hofft sie aber darauf, dass sie in den kommenden Wochen also doch noch Aufträge bekommt. Die Finanzspritze in Höhe von 9000 Euro, die sie von der Landesregierung für die Monate März, April und Mai überwiesen bekommen hat, sei so langsam aufgebraucht.

A-Z Reisen: Reisewarnung für die Türkei ist das Zünglein an der Waage

Ähnlich sieht es auch beim Reisebüro A-Z an der Nordstraße aus: Inhaber Hüseyin Tercan stößt mit Blick auf seine Zielgruppe finanziell an seine Grenzen, geht so langsam auf dem Zahnfleisch. In seinem Büro buchen Kunden zu einer großen Zahl ihren Türkei-Urlaub.

Der Strand von Lara bei Antalya in der Türkei bleibt wohl noch eine Weile weitestgehend leer. Die Bundesregierung hat das Land bis Ende August als Corona-Risikogebiet eingestuft. Für das Reisebüro A-Z an der Nordstraße ist das problematisch. Dort buchen normalerweise viele Holzwickeder ihren Türkei-Urlaub.

Der Strand von Lara bei Antalya in der Türkei bleibt wohl noch eine Weile weitestgehend leer. Die Bundesregierung hat das Land bis Ende August als Corona-Risikogebiet eingestuft. Für das Reisebüro A-Z an der Nordstraße ist das problematisch. Dort buchen normalerweise viele Holzwickeder ihren Türkei-Urlaub. © picture alliance/dpa

Durch die Reisewarnung, die das Auswärtige Amt für dieses Ziel jüngst bis Ende August verlängert hat, ist auch bei ihm bisher kein Aufschwung absehbar: „Das wird für uns sehr problematisch, weil wir bis September keine Einnahmen haben werden, vielleicht auch bis Oktober“, sagt Tercan, „man versucht, so durchzukommen.“

Reisebüro Quecke: „Vieles ist momentan ziemlich überteuert“

„Man kann es noch nicht mit vorher vergleichen. Aber es gibt einige, die sich schon mal für September oder Oktober bereit machen“, sagt Inhaber Jens-Eric Quecke vom gleichnamigen Reisebüro.

Der Grund für die Zurückhaltung der Urlauber hängt aus seiner Sicht nicht nur damit zusammen, dass wegen der teils unberechenbaren Ausbreitung des Coronavirus kurzfristig Reiseziele wegfallen können, sondern auch mit der preislichen Entwicklung in der gesamten Reisebranche: „Vieles ist momentan ziemlich überteuert. Da kommen noch viele ins Grübeln“, sagt er.

Hat seit Beginn der Corona-Krise mit Umsatzeinbußen zu kämpfen: Das Reisestudio Quecke in Holzwickede. Inzwischen hat sich die Lage im Reisebüro von Inhaber Jens-Eric Quecke (links) wieder ein wenig entspannt. Sie ist aber noch lange nicht wie vor der Krise.

Hat seit Beginn der Corona-Krise mit Umsatzeinbußen zu kämpfen: Das Reisestudio Quecke in Holzwickede. Inzwischen hat sich die Lage im Reisebüro von Inhaber Jens-Eric Quecke (links) wieder ein wenig entspannt. Sie ist aber noch lange nicht wie vor der Krise. © UDO HENNES

Uniq: Beim Reiseportal Urlaubsguru bessert sich die Lage von Tag zu Tag

Die Firma Uniq, die unter anderem das Reiseportal Urlaubsguru betreibt, geht der Trend wieder aufwärts: „Bei uns ist das vor allem am Traffic auf der Website zu spüren. Seitdem die internationale Reisewarnung aufgehoben wurde, steigt das Interesse an Reisen von Tag zu Tag“, sagt Unternehmenssprecherin Annika Hunkemöller.

Während im März und April kaum Besucher auf der Seite waren, seien es jetzt wieder fast 70 Prozent von den üblichen Besucherzahlen. Vor allem günstiger Urlaub ist gefragt. Das führt Uniq darauf zurück, dass sich viele Menschen in Kurzarbeit befinden und folglich weniger Geld fürs Reisen haben.

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Was die Ziele betrifft, zeichnet sich ebenfalls ein Trend ab: „Inlandsreisen sind gefragter denn je – vor allem die beliebten Touristenregionen an der Nord- und Ostsee. Es ist sehr schwer, für die Hochsaison noch ein günstiges Angebot an der Küste zu finden“, erklärt Hunkemöller. Spitzenreiter unter den Auslandszielen seien Mallorca und Griechenland.

Tipp für Verbraucher: „Pauschalreisen sind am sichersten“

Als die ersten Lockerungen verkündet wurden und Urlaub in Deutschland wieder möglich war, sei die Nachfrage stark gestiegen. Verbrauchern gibt sie zwei Tipps: Wer Erholung im eigenen Land sucht und etwas sparen möchte, der sollte sich in eher unbekannteren Regionen umschauen, zum Beispiel in Brandenburg oder Thüringen.

Außerdem seien Pauschalreisen momentan am sichersten: „Bis zu 14 Tage vor Abreise können viele Angebote kostenfrei storniert werden und auch im Falle einer Absage der Reise durch den Reiseveranstalter sind Reisende abgesichert.“

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