Der tageweise Unterricht an Grundschulen für einzelne Klassenstufen endet Montag. Organisatorisch wird der Umstieg vom rollierenden auf das gewohnte System in Holzwickede klappen. Unsicherheit herrscht an den Schulen dennoch.

Holzwickede

, 12.06.2020, 04:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ab Montag sollen an den Grundschulen in NRW wieder alle Kinder in ihren gewohnten Klassen unterrichtet werden. In der Theorie beinhalten die Vorgaben des Schulministeriums sogar, dass man die Abstandsregeln nicht mehr einhalten muss und Kinder auch auf den Mund-Nasen-Schutz verzichten können.

In der Praxis zeigt sich an den Holzwickeder Grundschulen, dass man von diesen Vorsichtsmaßnahmen gegen das Coronavirus weiterhin nicht abrücken möchte. Ob an der Aloysius- oder Paul-Gerhardt-Schule: Auf dem Weg von A nach B sind die Kinder weiter angehalten, ihre Masken zu tragen. Im Unterricht selbst bleibt es ihnen überlassen.

Auch beim Abstand setzen die Schulleitungen darauf, dass die Gebäude mehrere Ein- und Ausgänge bieten, man die Schulhöfe unterteilen kann. „Ich bin froh, dass wir durch zwei Schulhöfe und vier verschiedene Eingänge ein bisschen Spielraum haben“, sagt Katja Buschsieweke aus der Dudenrothschule.

Logistische Probleme werden erwartet

PGS-Kollege Magnus Krämer verkleinert den Lehrerparkplatz, um den Schulhof zu erweitern. In Detailfragen unterscheidet sich das Vorgehen an den einzelnen Standorten. An der PGS verzichtet man auf unterschiedliche Startzeiten für den Unterricht, will hier mehrere Eingänge nutzen.

Katja Buschsieweke wiederum erwartet durch gestaffelte Pausen und Anfangszeiten und die bestehenden Hygiene- und Schutzmaßnahmen weiterhin „logistische Probleme.“

Dank der Spende eines Dachdeckerbetriebes und der schulübergreifenden tatkräftigen Unterstützung der jeweiligen Hausmeister konnte jede Schule mit Spuckschutzen ausgerüstet werden. Die sollen auch im Regelbetrieb weiter zum Einsatz kommen.

Dank der Spende eines Dachdeckerbetriebes und der schulübergreifenden tatkräftigen Unterstützung der jeweiligen Hausmeister konnte jede Schule mit Spuckschutzen ausgerüstet werden. Die sollen auch im Regelbetrieb weiter zum Einsatz kommen. © Greis

Als „unglücklich gewählt“ empfindet sie zumindest den Zeitpunkt für die komplette Schulöffnung. „Unser rollierendes System lief endlich, da wurde alles wieder umgeschmissen.“ Zudem seien die Zeugnisse bereits geschrieben. Bewerten mag sie den Sinn hinter der kompletten Öffnung 14 Tage vor den Sommerferien nicht. Sie sagt aber: „Wenn das hier jetzt schiefgeht, dann gehen Kinder, Eltern und Lehrer krank in die Ferien. Das wäre natürlich unglücklich, aber damit müssen wir jetzt leben.“

Betreuung am Nachmittag gewährleisten

In den vergangenen Tagen musste Gabi Spieker an der Aloysiusschule nicht nur den Unterricht ab Montag organisieren, auch die Betreuung nach Schulschluss musste geregelt werden. In den Gesprächen mit Eltern nahm sie alle denkbaren Reaktionen wahr. „Es gibt Familien mit Vorerkrankungen, da ist die Unsicherheit groß. Auf der anderen Seite gibt es Eltern, die kürzlich noch ihre Kinder vom Unterricht beurlauben wollten und jetzt plötzlich die Rolle rückwärts machen. Das ist nicht so recht nachvollziehbar“, so Spieker.

Auch die Eltern der Nordschule reagieren „nicht durchweg begeistert“, wie Nordschul-Direktorin Claudia Paulo erzählt. „Lehrer und Eltern hoffen alle darauf, gesund zu bleiben.“ Einige Eltern seien besorgt, nachdem sie in den vergangenen Wochen stark auf die Einhaltung der Schutzmaßnahmen geachtet hätten.

Feste Lernverbände bleiben bestehen

„Wenn das hier jetzt schiefgeht, dann gehen Kinder, Eltern und Lehrer krank in die Ferien. Das wäre natürlich unglücklich, aber damit müssen wir jetzt leben.“
Katja Buschsieweke, Schulleiterin Dudenrothschule

An allen vier Grundschulen verbleiben die Kinder ab Montag in festen Lernverbänden. Die decken sich an der Aloysius-, der Dudenroth- und der Nordschule mit den vor Corona gewohnten Klassen. Lediglich an der PGS reichen die personellen Kapazitäten nicht, da Lehrer aus Risikogruppen weiterhin nicht vor Ort unterrichten können.

Aus sieben Klassen werden hier sechs feste Lerngruppen gebildet. Hier wie auch an den anderen Schulen steht der Unterricht auf dünnen Säulen: Im Krankheitsfall würde es schwer, die geforderten Stunden zu besetzen.

Nach Unterrichtsschluss sollen die Kinder in der Ganztagsbetreuung im Grunde nicht gemischt werden. Das funktioniert beispielsweise an der Aloysiusschule, wo Kinder mit Bedarf in ihren Klassenräumen bleiben und sich auf dem Hof verteilen. „Parallelklassen sind auch in benachbarten Räumen. Das ist übersichtlich und für uns vom Personal her machbar“, sagt Schulleiterin Gabi Spieker.

An der PGS wiederum werden nach Schulschluss aus sechs Lerngruppen dann drei Betreuungsgruppen in fester Besetzung. Anders wäre das Angebot nicht zu stemmen. Das Risiko hierbei ist Magnus Krämer bewusst: „Haben wir hier ein infiziertes Kind, dann sind auch gleich mehrere Lerngruppen dicht.“

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