Im August erfolgte der Baustart für ein neues OGS-Gebäude an der Dudenrothschule. Vier Millionen Euro werden hier investiert, ein Großteil davon wird gefördert. Im Herbst 2022 soll der Bau für die Betreuung von rund 150 Kindern fertig sein. © Greis
Kinderbetreuung

Recht auf Ganztag: Keine Angst vor der Warteliste in Holzwickede

Ab 2026 sollen Eltern einen rechtlich verbindlichen Anspruch auf einen Platz für die Ganztagsbetreuung in Grundschulen bekommen. Den Anspruch fürchtet man in der Gemeinde nicht und sieht sich gewappnet.

Es war eine politische Einigung auf Bundesebene, die mit zu den letzten vor der Bundestagswahl am Sonntag gehörte: Bundestag und Bundesrat einigten sich auf ein Ganztagsförderungsgesetz, das schrittweise ab 2026 jedem Grundschulkind einen Anspruch auf Förderung in einer Tageseinrichtung über mindestens acht Stunden garantiert – unabhängig vom Bedarf. Schrittweise meint, dass der Anspruch ab 2026 jedes Jahr erweitert wird und damit ab dem Schuljahr 2029/2030 der Förderanspruch von der 1. bis zur 4. Klasse gilt.

Zwar muss ein rechtlicher Anspruch nicht zwingend damit einhergehen, dass die Zahl der Plätze explodiert. Dass aber mehr und mehr Eltern auch nach Unterrichtsschluss eine Betreuung brauchen, zeigen die Anstrengungen der Gemeinde bei der Infrastruktur: An der Nordschule wurden Räume umgewidmet. Zur Paul-Gerhardt-Schule gehört ein eigener OGS-Bau. Ein weiterer entsteht momentan an der Dudenrothschule. Und auch an der Aloysiusschule stehen bauliche Veränderungen bevor, hier stehen die Planungen noch aus.

An allen Grundschulen wird baulich in die OGS-Betreuung investiert

„Wir investieren in einem hohen Millionenbereich, um unsere OGS-Betreuung zu erweitern. Dieser grundsätzliche Anspruch auf Betreuung ist für uns auch gar nicht das Thema. Wir führen keine Wartelisten und jedes Kind, das einen Platz braucht, hat den bislang auch bekommen“, sagt Bernd Kasischke, Erster Beigeordneter. Er räumt aber auch ein, dass die Bedingungen an den einzelnen Grundschulen eben noch nicht optimal seien.

Kinderbetreuung

Ganztag in NRW

  • Für Ganztagsschulen in NRW gibt es von Seiten des Landes zusätzliche Lehrerstellen und Mittel für die Mitwirkung außerschulischer Partner.
  • In der offenen Ganztagsgrundschule (OGS) leisten immer auch Kommunen und Eltern einen Beitrag zur Finanzierung.
  • Der Elternbeitrag wird über eine entsprechende Satzung geregelt und richtet sich nach dem Bruttojahreseinkommen der Eltern bzw. Erziehungsberechtigten. Er beträgt für ein Kind maximal 150 Euro im Monat. Für Geschwister in Betreuung entfallen die Beiträge.
  • Während für die Grundschulen im Ort die Gemeinde zuständig ist, werden die OGS-Angebote vom Evangelischen Kirchenkreis (Nord-, Dudenroth-, Paul-Gerhardt-Schule) und dem Verein Initiative Ganztag getragen.

Bis zur Fertigstellung des neuen Gebäudes muss an der Dudenrothschule improvisiert werden, ebenso an der Aloysiusschule. Hier kümmert sich die Initiative Ganztag in einem Pavillon auf dem Schulhof sowie in verschiedenen Räumen im Schulgebäude um die Kinder. „Ganztag besteht nicht nur aus Betreuungsräumen. Wir brauchen auch eine neue Küche und Büros“, sagt Leiter Tobias Jansen.

Mit Blick nach Hengsen und zur nahegelegenen Dudenroth-Baustelle sagt er: „Wenn wir einen Ausbau in ähnlicher Form bekommen, wären wir zufrieden.“ Noch ist offen, wie die Räumlichkeiten an der Hauptstraße erweitert werden. „Das wird vom Platz, der zur Verfügung steht, ein schwieriges Thema“, sagt Bernd Kasischke mit Blick auf Lage und Grundstück.

Mehr Personal für Kinderbetreuung außerhalb des Unterrichts

In die Infrastruktur investieren ist die eine Seite der Medaille, die der Bund mit zusätzlichen 3,5 Milliarden Euro stützen will. Die andere Seite betrifft die laufenden Kosten. Hier will der Bund die Unterstützung um 340 Millionen Euro auf jährlich 1,3 Milliarden Euro aufstocken. „Was da letztlich auf uns zukommt, ist noch nicht klar. Natürlich hätten wir gerne mehr und vor allem auch mehr Vollzeitstellen“, sagt der Diplom-Pädagoge Jansen.

In Michael Klimziak konstatiert der OGS-Koordinator für den evangelischen Kirchenkreis Unna, der als Träger für die Betreuung in Nord-, Dudenroth- und Paul-Gerhardt-Schule fungiert, dass Unterricht und Betreuung mittlerweile eng miteinander verknüpft sind. „Als wir 2004 angefangen haben, hätte niemand gedacht, dass die Offene Ganztagsschule zahlenmäßig so stark wird“, sagt Klimziak.

Ein eigener OGS-Bau an der Paul-Gerhardt-Schule ist 2019 in Betrieb gegangen. Aktuell wird auf dem Schulgelände noch der Außenbereich umgestaltet. © Greis © Greis

Von 648 Grundschülern im Ort werden derzeit 438 in den OGSen gefördert; 113 Schülerinnen und Schüler werden zudem abseits von Unterrichtszeiten im Programm „Schule von acht bis eins“ betreut – ergibt eine Gesamtquote von rund 85 Prozent. „Wir erleben überall im Kreis, dass die Schulträger ihre Hausaufgaben machen und in die Infrastruktur investieren. Die Frage ist aber: Wie verändert sich der Schulalltag durch das Gesetz? Da müssen wir mit den Kommunen die Personalfragen klären und da wird und muss sich was verändern“, sagt Klimziak.

Unterricht und Betreuung gehen zusammen

Die Betreuung über die OGS-Angebote habe sich in den vergangenen Jahren stetig entwickelt und sei mittlerweile für Eltern ein wichtiges Kriterium bei der Schulwahl. „Anfangs gab es eben das Lehrerkollegium sowie das OGS-Kollegium. Auf der einen Seite stand Unterricht und auf der anderen Betreuung. Mittlerweile ergänzt man sich, tauscht sich aus. Da hat ein Lernprozess stattgefunden und sind richtige Teams zusammengewachsen“, so Klimziak.

Über den Autor
Redaktion Holzwickede
Jahrgang 1985, aufgewachsen auf dem Land in Thüringen. Fürs Studium 2007 nach Dortmund gekommen. Schreibt über alles, was in Holzwickede passiert. 17.000 Einwohner mit Dorfcharakter – wie in der alten Heimat. Nicht ganz: Dort würden 17.000 Einwohner locker zur Kreisstadt reichen. Willkommen im Ruhrgebiet.
Zur Autorenseite
Christian Greis

Unna am Abend

Täglich um 18 Uhr berichten unsere Redakteure für Sie im Newsletter über die wichtigsten Ereignisse des Tages.

Informationen zur Datenverarbeitung im Rahmen des Newsletters finden Sie hier.