Holzwickeder Recherche-Gruppe zu NS-Opfern setzt Zeichen gegen Rassismus und Vergessen

dzGedenktag für Holocaust-Opfer

Einen enormen Beitrag zur Aufarbeitung der Gemeindegeschichte in der Zeit des Nationalsozialismus leistet seit einigen Jahren die Projektgruppe „Spurensuche NS-Opfer Holzwickede“. Einen Tag vor einem wichtigen Gedenktag setzte die Gruppe ein eigenes Zeichen gegen Rassismus und Vergessen.

von Sebastian Pähler

Holzwickede

, 27.01.2020, 15:59 Uhr / Lesedauer: 2 min

Seit ihrer Gründung vor rund vier Jahren kann die VHS-Gruppe über mangelndes Interesse nicht klagen und hat schon einiges bewegt. Die Spurensucher zeichneten Opferschicksale nach, auf ihre Anregung hin wurden erstmals in der Gemeinde Stolpersteine in Gedenken an NS-Opfer verlegt.

Am Sonntag stellten sich die „Spurensucher“ und damit einen Tag vor dem „Internationalen Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocausts“ in der Begegnungsstätte „Seniorentreff“ an der Berliner Allee vor und setzten mit einem Vortrag bei Kaffee und Kuchen ihr Zeichen gegen Rassismus und das Vergessen.

Übersehene Schicksale einer kleinen Gemeinde

„Wer hätte je gedacht, dass es so viele Verbrechen an Bewohnern des kleinen Holzwickede gegeben hat? Das ist für mich überhaupt nicht vorhersehbar gewesen“, fasste Wilhelm Hochgräber als Leiter der VHS-Gruppe es zusammen, nachdem zuvor Ulrich Reitinger einen Vortrag über Holzwickeder hielt, die aufgrund einer Behinderung zu Opfern des NS-Regimes wurden.

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Der Ausspruch ließe sich auch auf Hochgräbers gesamte Arbeit im Rahmen der Projektgruppe „Spurensuche“ beziehen, die er 2016 initiierte. Damals hatte er bereits bei der Spurensuche-Gruppe in Unna mitgewirkt und richtete sein Augenmerk auf Anraten der Volkshochschule schließlich auf seinen eigenen Wohnort.

Das Interesse an dem Arbeitskreis, der sechs Mal im Jahr in der Begegnungsstätte zusammenkommt, war von Anfang an groß und ebenso dessen Resultate. War in Literatur aus dem Jahr 2000 noch zu lesen, es hätte in Holzwickede keine Opfer des Nationalsozialismus gegeben, identifizierte man rasch eine Reihe von Menschen, die unter den Nazis zu Schaden gekommen waren.

Opfer haben viele Gesichter

Einen Meilenstein der „Spurensuche“-Arbeit stellte die Verlegung der ersten Holzwickeder Stolpersteine 2018 dar. Bei diesem Projekt des Künstlers Gunter Demnig werden kleine Gedenktafeln, idealerweise am letzten selbstgewählten Wohnsitz von NS-Opfern im Boden eingelassen. Anfangs habe sich die Gemeindeverwaltung noch schwergetan, den zugehörigen Antrag zu genehmigen, doch mittlerweile sei der Umgang mit dem Thema „vorbildlich“, so Hochgräber.

Wichtig ist der Gruppe auch: Nicht alle NS-Opfer waren Juden. Und nicht alle Opfer wurden getötet. So befasste sich etwa Ulrich Reitinger mit jenen Holzwickedern, die aufgrund einer Behinderung getötet, aber auch zwangssterilisiert wurden.

Die Arbeit der „Spurensucher“ geht weiter

Wer ein Interesse am Thema hat, kann jederzeit zu einem der Treffen der Gruppe „Spurensuche NS-Opfer Holzwickede“ kommen. Das nächste steht für Donnerstag, 12. März, ab 18.30 Uhr an der Berliner Allee im Kalender.

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Am 22. März veranstaltet die Gruppe in der Rausinger Halle ab 15 Uhr zudem eine Gedenkveranstaltung für die Opfer der Bombardierung Holzwickedes vor 75 Jahren. 54 zivile Todesopfer sind in der 1988 erschienenen Ortschronik „Geschichte der Gemeinde Holzwickede“ des Autors Willy Timm vermerkt. „Das waren auch Opfer der Nazis“, sagt Zeitzeuge Wilhelm Fahrtmann, der die Gruppe auf den bevorstehenden Jahrestag aufmerksam gemacht hatte und sich seit langem für eine Gedenktafel für die Opfer der Katastrophe einsetzt.

Nach der Gedenkveranstaltung, die an den schwersten Bombenangriff auf Holzwickede während des Zweiten Weltkrieges erinnern soll, ist eine weitere Stolpersteinverlegung für Oktober geplant. Informationen rund um die „Spurensucher“ bekommen Interessierte auch bei Wilhelm Hochgräber unter Tel. (02301) 91 27 73.

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