In zwei Jahren muss Holzwickede einen großen Schritt in Sachen Digitalisierung gemacht haben. Parkausweise kann man dann bequem per Smartphone beantragen. Einfach ist der Weg dahin nicht.

Holzwickede

, 27.10.2019, 04:55 Uhr / Lesedauer: 3 min

Bauanträge, Anträge für Parkausweise und die Anmeldung eines Hundes – all das sind Dinge, die bei Ämtern momentan noch zwingend in Papierform eingereicht werden müssen. Die Folgen sind immer vollere Aktenschränke und ein stetig wachsender Dschungel aus Dokumenten.

Jetzt macht die Gemeinde in Sachen Digitalisierung Nägel mit Köpfen: In den kommenden zwei Jahren soll möglichst der gesamte Papierbestand der Gemeinde eingescannt und digital abgespeichert werden. Das bedeutet für die Verwaltung einen großen Aufwand.

Bürgerservice soll schneller und effizienter werden

Dafür soll das Ergebnis aber umso gewinnbringender sein. Deutlich weniger Akten in den Ämtern der Gemeinde, für die Bürger soll es laut dem Ersten Beigeordneten Bernd Kasischke schneller und auch effizienter werden. Wenn derzeit jemand eine Frage beispielsweise zum Stand seines Bauantrags hat, dann muss das ein Mitarbeiter der Gemeinde erst noch recherchieren. Auf die Antwort muss man dann oft mehrere Tage warten.

In Zukunft soll das etwas anders laufen: Ein Anruf bei einem Sachbearbeiter sollte in den meisten Fällen genügen. Innerhalb weniger Sekunden und nach ein paar Klicks am Computer hat der Sachbearbeiter das Ergebnis dann auf dem Schirm. Der Bürger bekommt umgehend eine Antwort.

Schneller, effizienter und möglichst papierlos: So wird im Rathaus der Zukunft gearbeitet

Ist Mitglied eines zehnköpfigen Digitalisierungsteams der Gemeinde: Erster Beigeordneter Bernd Kasischke. © Carlo Czichowski

Digitalisierung ist große Herausforderung

Für Kasischke ist die Digitalisierung eine große Herausforderung: „Wir haben allein Tausende von Steuerakten und Hunderte von Personalakten“, sagt er. Demnächst werde eine Firma beauftragt, die sich durch die Aktenfülle sukzessive durchwühlt und alle Dokumente einzeln auf einen Computer spielt.

Dabei stieß Kasischke, der sich selbst einen Überblick über die Aktensituation verschafft hat, jüngst auf ein Problem. So ist ein Teil des Bestandes im Keller vom Gebäude des Baubetriebshofs gelagert. Ein kleiner Teil der Akten dort ist wohl feucht geworden. Diese müssten jetzt entsprechend sensibel behandelt werden, ehe sie eingescannt werden könnten.

„Wir haben allein tausende von Steuerakten und hunderte von Personalakten“
Bernd Kasischke, Erster Beigeordneter der gemeinde

Die Gemeinde kommt damit den Bestimmungen des sogenannten Online-Zugangsgesetzes nach, das die Bundesregierung bereits 2013 verabschiedet hatte. Während Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) im selben Jahr erklärte, dass das Internet noch für alle Neuland sei, sieht Kasischke in diesem Punkt Stand heute ein Versäumnis der Politik. Im Vergleich zu anderen Ländern sei Deutschland verhältnismäßig spät dran.

„Bin froh, dass es das Gesetz gibt“

Aus seiner Sicht hätte die bundesweite Digitalisierung früher beginnen müssen. Bund und Land hätten zu lange keinen Druck in der Sache gespürt und sich stattdessen mit anderen Themen beschäftigt. „Ich bin froh, dass es das Gesetz gibt, auch wenn es uns jetzt sehr viel Mühe bereitet“, sagt Kasischke, der gemeinsam mit Bürgermeisterin Ulrike Drossel zu einer zehnköpfigen Arbeitsgruppe gehört, die sich speziell um Belange rund um die Digitalisierung kümmert.

In den kommenden Monaten stehe etwa Auswahl einer Software an. Und diese Entscheidung muss gut durchdacht sein. Es soll nämlich eine langfristige Lösung her. „Wenn wir aus irgendwelchen Gründen, zum Beispiel weil der Anbieter Pleite geht, die Software wechseln müssen, könnte es kompliziert werden alle Daten zu übertragen.“

Zudem ist ein weiterer Punkt, der bei allen Fragen rund ums Internet eine Rolle spielt, das Thema Sicherheit. Die Gemeinde möchte nach den Angaben von Kasischke gewährleisten, dass die Daten der Bürger bestmöglich geschützt werden.

„Ich hätte es besser gefunden, wenn wir landesweit ein gemeinsames Bürgerportal hätten“
BERND KASISCHKE, ERSTER BEIGEORDNETER DER GEMEINDE

Probleme beim Umzug möglich

Problematisch könnte auch die Tatsache sein, dass sich jede Kommune um ein eigenes System bemühen muss: „Ich hätte es besser gefunden, wenn wir landesweit ein gemeinsames Bürgerportal hätten“, sagt Kasischke. Wenn ein Holzwickeder in eine andere Gemeinde umzieht, muss er möglicheweise damit rechnen, dass er sich alles neu einrichten müsse.

Jeder Bürger hat in zwei Jahren nämlich die Möglichkeit, sich einen eigenen Zugang zuzulegen. Dafür werde ein neues Internetportal entstehen, das über die Website der Gemeinde www.holzwickede.de zu finden sein wird.

Für die jüngere Generation ist das inzwischen selbstverständlich

Dabei handelt es sich um einen langen Prozess, der in der Freien Wirtschaft schon länger vorangetrieben wird. „Für die junge Generation ist das inzwischen selbstverständlich. Sie bestellen per Smartphone ein Paket und bezahlen es mit PayPal“, sagt Kasischke. Es gibt allerdings eine breite Masse, zu der vor allem ältere Menschen zählen, die sich damit nicht beschäftigen möchte oder kann.

Menschen, die nicht gerade online-affin sind, müssen sich aber erstmal keine Sorgen machen: Das bestehende System wird lediglich durch das digitale Angebot ergänzt, nicht ersetzt. Wer möchte, der kann auch nach 2021 etwa seinen Anwohnerparkausweis persönlich bei der Gemeinde beantragen. Das Papier wird, jedenfalls vorerst, nicht vollständig aus den heimischen Ämtern verschwinden.

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