Momentaufnahme: In einem toten Rathaus summt nur leise der Server

dzEntkernung für Umbau

Mit ein bisschen Farbe ist es nicht getan: Wie umfangreich der Umbau des historischen Rathauses in Holzwickede wird, zeigt ein Rundgang im Gebäude.

Holzwickede

, 24.09.2019, 04:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Muffig riecht es im Historischen Rathaus und Staub setzt sich schon nach wenigen Schritten auf der Kleidung ab. Die Füße federn im Eingangsbereich über Sperrholzplatten, die zusammen mit einem Vlies die denkmalgeschützten Bodenfliesen schützen. Überhaupt ist viel verpackt: Der komplette Treppenaufgang ist mit Sperrholzplatten eingeschalt. „In der ersten Woche hat die Kreissäge ordentlich gebrummt“, sagt Bauamtsleiter Uwe Nettlenbusch.

Seit gut vier Wochen wird das Gebäude entkernt. Viel ist nicht mehr zu tun. „Die beauftragte Firma hat sehr sauber und genau gearbeitet. Das ist auch nicht immer der Fall“, weiß Nettlenbusch.

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Rundgang im entkernten Rathaus

Wie umfangreich der Umbau und die Sanierung des Holzwickeder Rathauses wird, zeigt ein Blick ins Innere: Nach dem Motto: Alles muss raus, ähnelt das Gebäude aktuell mehr einer Ruine als einem Rathaus.
23.09.2019
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Die Böden mit den denkmalgeschützten Fliesen im Rathaus sind mit Sperrholzplatten abgedeckt.© Greis
Auch dieser Türsturz macht deutlich, dass das Rathaus über 100 Jahre alt ist.© Greis
Energetische Sanierung: Einige der ausgebauten Heizungsrohre dürften schon einige Jahrzehnte auf dem Buckel haben.© Greis
Ratskeller Rathaus© Greis
Wo einst die Politik über Holzwickedes drängende Themen debattierte, herrscht aktuell die Leere.© Greis
Alles ruht, nur einer summt: Der Server für die IT der Gemeindeverwaltung verbleibt während der Umbauarbeiten im Historischen Rathaus.© Greis

An anderen Stellen ist es mit Verpacken nicht getan. Die Fliesen an den Wänden im Eingangsbereich sind verschwunden. Sie wurden ebenso wie schützenswerte Türzargen ausgebaut und eingelagert. Letztere werden von einem Restaurator in Paderborn aufgefrischt und warten dann darauf, wieder eingebaut zu werden. Der Denkmalschutz spricht bei der Umgestaltung des 1915 seiner Bestimmung übergebenen Gebäudes eines gewichtiges Wort mit.
Im Moment ist das Rathaus im Inneren auf seinen mehr als 100 Jahre alten Kern reduziert. Beim Gang durch die Räume streift der Blick das nackte Mauerwerk – das Rathaus wirkt wie eine Ruine oder ein Bunker. Nur ein Raum stellt sich dem Eindruck entgegen: Hinter einer gesicherten Tür summt der Server der Gemeindeverwaltung auch während des Umbaus ungerührt vor sich hin. „Für den Server, die zugehörige Klimaanlage und die Dachsirene wurde eine separate Stromleitung gelegt. Der Rest des Hauses ist momentan tot“, erklärt Uwe Nettlenbusch.

Momentaufnahme: In einem toten Rathaus summt nur leise der Server

Bauamtsleiter Uwe Nettlenbusch am Treppenaufgang: Die Wände im Rathaus geben an vielen Stellen den Blick aufs Mauerwerk frei. Sensible Stellen wurden mit Sperrholzplatten abgedeckt. © Greis

Der Denkmalschutz macht Zugeständnisse und stellt Bedingungen

Im einstigen Ratskeller, der zum Bürgersaal umgebaut wird, ist der markante Erker hin zur Allee verschwunden. Baulich hätte sich der nicht mit einem geplanten Seiteneingang zum Anbau vertragen. Beim Erker habe dann auch der Denkmalschutz nachgegeben. Auflage ist aber, dass Fenster und Holzverkleidung später wieder eingepasst werden. Auch sie wurden eingelagert. „Da müssen wir schauen, ob das alles am Ende passt. Im Zweifel wird angepasst oder das Element nachgebaut“, sagt Nettlenbusch. Da bleibt der Denkmalschutz streng – der Charakter des Gebäudes muss erhalten bleiben.

Beim Blick auf das Gemäuer, auf beindicke Heizungsrohre und Strohfasern, die anno dazumal der Dämmung dienten und vereinzelt aus den Wänden lugen, wird deutlich, dass die Komplettsanierung schon aus energetischer Sicht sinnvoll ist.

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Das Holzwickeder Rathaus und der Denkmalschutz

Bis zum Jahr 2021 soll das historische Holzwickeder Rathaus einen modernen Anbau bekommen. Auch das bestehende Gebäude selbst bleibt von den Maßnahmen nicht verschont. Im Gegensatz zum Neubau muss hier ein wichtiger Aspekt bedacht werden: der Denkmalschutz. Wird der korrekt berücksichtigt, dann sollten Mitarbeiter und Bürger auch nach dem Umbau einige Ecken wiedererkennen.
23.01.2019
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Der Eingangsbereich: Nach dem Umbau wird das nicht mehr der Haupteingang zum Rathauskomplex sein. Vielmehr soll der jetzige Haupteingang vor allem für Trauungen genutzt werden. Die Farbgestaltung an den Wänden wird sich ändern, nicht aber...© Marcel Drawe
...der Boden: Die schwarz-weißen Fliesen sind denkmalgeschützt. Auch die alten Holzbänke sollen bleiben. Die Herausforderung wird also sein, das historische mit einem modernen Design zu verbinden. © Marcel Drawe
Der alte Aschenbecher im Foyer ist nicht geschützt. Die Erinnerung an Zeiten, in denen noch im Rathaus gequalmt wurde, wird den Umbau wohl nicht überstehen. Anders sieht es schon mit den Kacheln an der Wand aus: Optisch Geschmackssache fallen sie dennoch unter den Denkmalschutz.© Marcel Drawe
Dieser Heizkörper steht ebenfalls im Foyer des Rathauses. Und nein, er ist nicht denkmalgeschützt. Seine Füße sind indes schützenswert. Über solche Konstruktionen muss im Zweifel im Einzelfall entschieden werden. © Marcel Drawe
Freie Hand bei der Gestaltung hat die Verwaltung im Sitzungssaal. Man könnte vielleicht meinen, dass Decke oder Boden schützenswert sind. Das ist nicht der Fall. Hier wird sich viel ändern: Die Bürgermeisterin und der Erste Beigeordnete bekommen hier neue beziehungsweise erweiterte Büros. © Marcel Drawe
Der Hilgenbaum dürfte sich auch nach dem Umbau noch im Rathaus finden.© Marcel Drawe
Finger weg: Der Treppenaufgang samt Stufen ist denkmalgeschützt und wird sich nicht verändern.© Marcel Drawe
In allen Stockwerken finden sich historische Türzargen, die unter den Denkmalschutz fallen. Sie sollen erhalten bleiben.© Marcel Drawe
Die Treppe zum Dachboden wird verschwinden und an anderer Stelle im historischen Rathaus platziert. © Marcel Drawe
Auf dem Dachboden findet sich eine alte Lüftungsanlage, die aber nicht mehr in Gebrauch ist. © Marcel Drawe
In Teilen dient der Dachboden zudem als Aktenlager. © Marcel Drawe
Auch ein alter Kerzenleuchter, der eins im Ratssaal hing, lagert hier. © Marcel Drawe
Die Leiter führt aufs Dach. Grundsätzlich ist der Dachboden des historischen Rathauses für den Denkmalschutz wenig interessant. Weil durch den Umbau der Bestandsschutz entfällt, ist das Dach eher aus Sicht des Brandschutzes relevant. "Das Dach wurde vor zehn Jahren neu gemacht. Da machen wir uns wenig Sorgen", sagt Uwe Nettlenbusch, Leiter Technische Dienste.© Marcel Drawe
Lange wurde diskutiert, ob nach dem Um- und Anbau der Ratskeller wieder gastronomisch belebt werden soll. Aus Kostengründen hat man sich dagegen entschieden. Stattdessen soll hier ein Treffpunkt für Vereine, Initiativen oder Parteien entstehen.© Marcel Drawe
Aktuell steht der Ratskeller leer. Er soll später per Aufzug und auch Treppe vom neuen Anbau aus erreichbar sein. Der Zugang über die Allee bleibt ebenfalls erhalten. © Marcel Drawe
Eine knifflige Ecke bietet der Ratskeller: Der Erker im ehemaligen Gesellschaftszimmer muss weg, steht aber unter Denkmalschutz. Die Ausbuchtung steht dem Anbau und einem weiteren Seiteneingang im Weg. Der Plan ist, die Wand nach innen zu ziehen und die Verkleidung zu erhalten. © Marcel Drawe

Spannend wird es auf der Baustelle in den Wochen nach dem 9. Oktober. Dann soll im nicht öffentlichen Teil des Planungs- und Bauausschusses die Auftragsvergabe für die Rohbauarbeiten erfolgen. In einer ersten Ausschreibung hatte sich über den Sommer kein geeigneter Bewerber gefunden. Im zweiten Anlauf hat das nun geklappt.

80 Pfähle werden für den Anbau ins Erdreich getrieben

Bevor der Anbau neben dem Bestandsgebäude hochgezogen wird, müssen 80 Pfähle zwölf bis 13 Meter in den Boden getrieben werden, damit der Anbau später sicher steht. „Wir haben uns für das aufwendige Verfahren entschieden, denn wenn der Anbau später nur einen Zentimeter absinkt, wäre das katastrophal“, sagt Nettlenbusch auch mit Blick auf das historische Bestandsgebäude.

Nettlenbusch rechnet damit, dass gegen Ende Oktober mit den Arbeiten im Außenbereich begonnen wird. „Insgesamt sind wir noch gut im Zeitplan. Die Verzögerung bei der Ausschreibung hat uns drei bis vier Wochen gekostet“, sagt Nettlenbusch – nichts, was eine geplanten Eröffnung Mitte 2021 gefährde.

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