Der Fahrradunfall an der Chaussee war zwar ein Einzelfall, doch optimal ist die Radverkehrssituation dort nicht. Der ADFC zeigt Schwachpunkte auf, die sich wohl nur schwer beseitigen lassen.

Holzwickede

, 18.09.2019, 12:23 Uhr / Lesedauer: 3 min

Als Teil der „Alten Reichsstraße 1“ hat die Chaussee schon einmal eine Verkehrswende erlebt. Ihre Trasse stammt bereits aus Zeiten vor der Erfindung des Automobils, wurde von den Preußen ab 1788 für einen besseren Kutschverkehr befestigt. Später war sie Teil der längsten Autostraße Deutschlands. Ihre Eignung für den Fahrradverkehr ist dagegen eingeschränkt.

Der Unfall in der vergangenen Woche, bei dem ein 58-jähriger Radfahrer aus Dortmund leicht verletzt worden ist, beschäftigt auch den ADFC. Der Zusammenstoß mit einem Autofahrer an der Einmündung der Sachsenstraße darf statistisch als Einzelfall gelten. Doch überraschend kommt er nicht.

„Wir haben da keine wirklich vernünftige Radwegeführung“, meint ADFC-Ortsgruppensprecher Uli Lohenstein. „Aber die Autofahrer wissen auch nicht immer, was sie machen sollen. Ihnen kann man dann auch keine Schuld geben.“

Bei den gemeinsamen Ausfahrten erleben die Mitglieder des ADFC im Bereich der Chaussee bisweilen „haarige Situationen“, so Lohenstein. Das Radfahren im Nahbereich des Flughafens fühlt sich offenbar schlimmer an, als es ist.

In der Polizeistatistik sind Fahrradunfälle an der Chaussee sehr selten

Unfälle, bei denen Beteiligte die Polizei alarmieren, sind selten. Im gesamten Jahr 2018 etwa habe es keinen einzigen gegeben, erklärt Polizeisprecher Bernd Pentrop. Der Unfall in der vergangenen Woche war der erste in diesem Jahr. Eine 63-jährige Dortmunderin kam mit ihrem Auto aus der Sachsenstraße, wollte nach links auf die Chaussee abbiegen, stieß aber mit dem von rechts kommenden Radfahrer zusammen. Offenbar hatte sie den Mann auf dem Fahrrad übersehen. Und das steht für ein typisches Problem des Radverkehrs an der Chaussee.

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Wege, auf denen Radfahrer abseits der Autofahrbahn fahren könnten, gibt es immer nur auf einer Seite. Zwischen der großen Flughafenkreuzung an der Nordstraße und den Einmündungen von Wilhemstraße und Zeche-Norm-Straße dürfen Radfahrer einen meist breiten und von Fußgängern wenig genutzen Gehweg befahren. An den Einmündungen der Seitenstraßen verdeutlichen rote Fahrbahnmarkierungen, dass ein Radweg kreuzt. Aber dass ein Radfahrer von rechts kommen kann, ist vielleicht nicht jedem Autofahrer schnell genug ersichtlich.

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Weiter westlich müssten Radfahrer die Straßenseite wechseln, wenn sie weiterhin der Chaussee folgen wollen. Auf der Nordseite führt ein schmaler, stark beschädigter Weg zwischen Flughafen und Straße vorbei, von dem gar nicht ersichtlich ist, ob der Radfahrer ihn nutzen kann. Vermutlich darf er es, weist der Radroutenplaner des NRW-Verkehrsministeriums ihn doch noch als Teil des offiziellen Radroutennetzes aus.

Ausgeschildert ist die Wegeempfehlung allerdings längst anders: Auf Anraten des ADFC führen die rot-weißen Schilder die Radfahrer jetzt durch den Ecoport. Die Gottlieb-Daimler-Straße hat zwar auch keinen gescheiten Radweg, ist aber weniger stark und schnell befahren als die parallel verlaufende Chaussee.

Weitläufiges Umfahren des Bereiches gehört für Uli Lohenstein zu den grundsätzlichen Empfehlungen. Wer gar nicht in Holzwickede aufbricht, sondern etwa von Sölde nach Unna will, dem schlägt der ADFC sogar einen Schwenk auf die Nordseite des Flughafens vor. Der Radweg an Osterschleppweg und Zeche-Norm-Straße ist herrlich. Allerdings verlangt die Anfahrt über die Wirtschaftswege an der alten Windmühle auch etwas „Bergfestigkeit“.

Für Radfahrer ist die Chaussee ein unangenehmes Pflaster

Die Routenempfehlung des Verkehrsministeriums für eine Fahrt aus dem Holzwickeder Norden nach Unna schickt Radfahrer auf einen rund zweieinhalb Kilometer langen Umweg. © Radroutenplaner NRW

Der Weg nach Unna ist für Radfahrer aus Holzwickede auch nicht immer ersichtlich. Wer vom Flughafen her nach Osten fährt, erlebt an der Wilhelmstraße zunächst das Ende des Radweges. Ein rot-weißes Schild weist nach rechts auf eine Route, die den Radler von hinten durch die Brust ins Auge führt: Über die B1 am Bauhof vorbei durch die Bahnunterführung am Oelpfad, auf einer völlig unsinnigen Runde um die Kleingartenanlage herum zurück zur Chaussee und dann auf die „Rollschuhbahn“, wie die Ortskundigen den autofreien Altarm der Provinzialstraße nennen. Aus gut 500 Metern werden dabei mal eben drei Kilometer.

Für Radfahrer ist die Chaussee ein unangenehmes Pflaster

Die Empfehlung für Nervenstarke mit Fahrtziel Unna: Ohne Radweg 500 Meter an der alten Reichsstraße 1 entlang, um an der Ampelkreuzung am Oelpfad nach Links auf die „Rollschuhbahn“ zu kommen. © Sebastian Smulka

Dass man sich diese Runde auf den Spuren der rot-weißen Pfeile auch sparen könnte, zeigt ein schwarz-gelbes Empfehlungsschild, das gleich nach dem Radwegsende einen Schwenk nach links empfiehlt. Ihm zu folgen, verlangt allerdings etwas Nervenstärke, weil es eben 500 Meter entlang der „Alten Reichsstraße 1“ geht – geradewegs auf den Abschnitt der Straße zu, die als zweispurige Kraftfahrtstraße für Radler gesperrt ist.

Patentlösungen für eine Fahrradführung entlang der Chaussee hat auch der ADFC nicht parat, räumt Sprecher Uli Lohenstein ein. „Wir hatten da ja schon Ortsbesichtigungen mit der Gemeindeverwaltung. Aber das wird dann irgendwie abgetan“, so Lohenstein. Der Radverkehr habe in Holzwickede keine ausreichende Lobby.

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