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Radfahren im Skatepark Unna: Wer’s hier kann, kann es überall

Jeder fängt mal klein an, wird aber schnell besser, wenn ein Profi hilft: Gordon Brown zeigt Kindern in Unna, wie sie mit ihren BMX- und Mountainbikes tricksen. Was cool aussieht, hilft auch im Alltag.
Paula ist 14 Jahre jung und kommt aus Unna-Massen. Alleine hätte sie sich nicht in den Skatepark getraut. Am Ende des ersten Tages springt sie wie selbstverständlich aus der Betonschüssel. © Udo Hennes

Um es sehr überspitzt auszudrücken: Natürlich bringt ein Rückwärtssalto mit dem Rad im Straßenverkehr nichts. Im Gegenteil: Das wäre ziemlich leichtsinnig. Wer so einen spektakulären Trick aber an dafür vorgesehenen Orten wie einem Skate- oder Bikepark beherrscht – der hat sein Fahrrad im Allgemeinen unter Kontrolle. Das wiederum ist nötig, wenn etwa das eigene Kind regelmäßig auf zwei Rädern den Weg zur Schule meistern soll.

Damit ist die Zielgruppe auch umschrieben, an die sich während der schulfreien Zeit rund um Ostern ein Ferienspaß-Angebot der Stadt Unna richtet: Kinder und Jugendliche, die ein paar Tricks mit ihren Rädern lernen wollen. Der Rückwärtssalto steht dabei natürlich nicht auf dem Programm, beim Angebot für Anfänger zeigt Mountainbike-Profi Gordon Brown den Kindern die Grundlagen. Der Dortmunder schafft im Skatepark an der Hansastraße eine Basis, damit sich die jungen Radfahrerinnen und Radfahrer sicher im Hindernisparcours bewegen.

„Ich fahre seit anderthalb Jahren und wohne eigentlich nur um die Ecke. Aber hier im Park bin ich nie gefahren. Ich hatte immer Angst, dass das peinlich würde“, sagt die 14-jährige Paula. Der Papa fährt Mountainbike, habe ihr auch das eine oder andere beigebracht, ist am Ende aber eben doch der Papa: „Genau so einen Kurs brauche ich. Wenn ich hier den Bunny Hop lerne, das wäre gut.“

Ein kleiner Sprung ist die Basis für Tricks mit dem Mountainbike

Der „Bunny Hop“ bezeichnet den Sprung samt Rad – ob auf flachem Asphalt oder über eine Rampe, der „Hop“ ist die Grundlage für nahezu jeden Trick. Im Unnaer Skatepark, im Grunde eine Betonschüssel samt einiger Hindernisse, hilft ein kleiner Hüpfer schon bei den ersten Übungen: „Wir üben das Kurvenfahren an den Steilwänden. Der nächste Schritt ist dann ein 180“, sagt Kursleiter Gordon Brown.

Joshua an der Steilrampe: Die Wende bringt entweder eine langgezogene Kurvenfahrt – oder die effektivere und cooler aussehende schnelle 180-Grad-Drehung per Mini-Sprung. © Udo Hennes

Die Zahl spricht er Englisch aus „One Eighty“. Statt also an den steilen Wänden in großem Radius eine Kurve zu fahren, lernen die Kinder eine Drehung samt Rad um 180 Grad. Die wird nach der Anfahrt an die Wand am höchsten Punkt vollzogen, kurz bevor ein Fahrer zum Stehen kommt. Ein kleiner Sprung und „dann ist wichtig, dass ihr den ganzen Körper mit dreht, nicht nur das Rad“, sagt der Profi. Die Begrenzung des Skateparks mag einschüchternd wirken, ihre Steilheit begünstigt aber die Drehung.

„Wichtig ist, dass ihr dahin schaut, wo ihr hinwollt“, sagt der 27-jährige Dortmunder. Sonst passiert das, was dem Reporter beim Selbstversuch widerfährt: Er bleibt parallel zur Wand „kleben“ und rutscht samt Rad nach unten. Helm und Protektoren sind daher Pflicht. Bestenfalls kommen ein BMX oder ein Dirtbike genanntes kleines Mountainbike zum Einsatz. Die sind nahezu unkaputtbar und überleben auch große Sprünge.

Fahrer und Rad müssen eine Einheit bilden

„Wer früh mit dem Sport anfängt, wird irgendwann eins mit seinem Rad und kann es entsprechend kontrollieren. Hinfallen gehört dazu, aber Kinder lernen so schnell, tasten sich da von ganz alleine ran. Die Angst, die kommt erst mit dem Alter“, sagt Brown, der die Bikeschule „Fun-Ride“ betreibt. Zudem geht er auch bei internationalen Wettbewerben an den Start und misst sich mit den besten Tricksern der Welt.

Trainer Gordon Brown (2.v.l.) erklärt nicht nur, er hört auch zu, wenn etwa Joshua aus Kamen eine Frage zu einer kniffligen Stelle im Skatepark hat. © Udo Hennes

Früh angefangen hat auch der 13-jährige Joshua. Er sitzt seit sieben Jahren auf dem Mountainbike und das sieht man auch. Trotzdem: „Ich bekomme hier gute Tipps, ohne die würde ich mich nicht an die Wände trauen. Gordon macht das richtig cool und sympathisch“, sagt der Kamener. Und auch Lennard aus Königsborn sagt: „Mit meinem kleinen Bruder und meinen Eltern bin ich eher bei Touren im Wald unterwegs. Aber was ich hier lerne, kann auch dort nicht schaden“, so der Zwölfjährige.

Drei Tage lang trifft sich das Trio um Paula, Joshua und Lennard morgens um 9 Uhr am Skatepark. Bis 12 Uhr üben sie mit Gordon Brown. „Das Ziel ist Sicherheit auf dem Rad. Und wenn am dritten Tag im Sprung schon kurz die Hand vom Lenker geht, dann ist es umso cooler“, nennt der Trainer den als „No Hander“ in der Szene umschriebenen Trick.

Bis zum „Backflip“ ist es von da aus zwar noch ein weiter Weg. Dass so was aber auch in Unna an der Hansastraße machbar ist, beweist der Profi wie selbstverständlich und springt per Rückwärtssalto mal eben aus der Betonschüssel auf den grünen Rasen. Das sorgt natürlich auch bei seinen drei Schülern für Staunen. Dass er nur drei Nachwuchsbiker betreut, findet Brown ein bisschen schade. Es dürfte nicht an ihm liegen, sondern am Umstand, dass die Stadt Unna den Ferienspaß-Kurs beworben und dabei verschwiegen hat, dass bei Anmeldung im Kinder- und Jugendbüro 25 Euro fällig wurden.

Große Sprünge auf dem Platz der Kulturen

  • In der zweiten Osterferienwoche findet ein weiterer Bike-Kurs mit Gordon Brown statt. Dann sind fortgeschrittene Fahrer an der Reihe. Sie zeigen zum Abschluss der Ferienwoche zusammen mit anderen Fahrern ihr Können auf dem Platz der Kulturen, wo ein großes Luftkissen aufgeblasen wird.
  • Per se können hier am Freitag, 22. April, zwischen 14 und 18 Uhr alle erfahrenen Biker Sprünge trainieren und zeigen. Infos dazu gibt es beim Kinder- und Jugendbüro unter Tel. (02303) 10 33 44.

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