Wenn die Hektik im Straßenverkehr gerade zur Normalität geworden ist, nimmt man hinterm Steuer fast alles gelassen. Aber reicht die Erfahrung aus, um die Fahrschulprüfung erneut erfolgreich zu meistern?

Holzwickede

, 09.09.2019, 11:56 Uhr / Lesedauer: 3 min

Markus Hainer macht seit 28 Jahren die Straßen in Holzwickede (un)sicher. Der Fahrlehrer und Fahrschulinhaber hat inzwischen so manchen Härtefall in seinem Fahrschulauto sitzen gehabt. Viele Situationen, die im Fahralltag vorkommen, hat er entweder am Steuer oder als Beifahrer schon erlebt.

Dieses Unterfangen war für ihn aber neu: Nach neun Jahren Fahrpraxis absolvierte Redakteur Carlo Czichowski noch einmal die Führerscheinprüfung in Hainers Fahrschule an der Hauptstraße. Der Selbsttest startete durchaus holprig.

Theorie

Nicht mehr als zehn Fehlerpunkte

  • An der Theorieprüfung hat sich in den vergangenen Jahren grundsätzlich nichts geändert. Jede falsch beantwortete Frage gibt Fehlerpunkte. Je nach Gewichtung können es etwa drei, vier oder fünf sein.
  • Bestanden hat der Prüfling, sofern er die Punktzahl zehn nicht überschreitet. Voraussetzung ist dabei, dass es keine zwei „Fünfer-Fragen“ sind. Ist das der Fall, ist man ebenfalls durch die Prüfung gerasselt.
  • Die Prüfung kann man beliebig oft wiederholen, bis der Prüfantrag abgelaufen ist. Das passiert nach einem Jahr. Man muss allerdings nach jeder gescheiterten Prüfung eine Frist von mindestens 14 Tagen einhalten, bis man wieder an den Rechner darf.

Ohne zu lernen in die Theorieprüfung

Ohne zu lernen ging es zu Beginn vor den Fahrschul-Computer. 30 Fragen aus einem Pool von knapp 900, die so manche Fahrschüler-Knie regelmäßig zum Schlottern bringen, galt es zu beantworten. Während alles rund um die Themen Vorfahrt oder etwa Busüberholvorgängen relativ locker von der Hand ging, waren gerade die technischen Fragen eine wahre Herausforderung.

Noch einmal auf die Fahrschulbank: So schwierig ist die Prüfung nach Jahren der Fahrpraxis

Der Theorietest offenbarte große Wissenslücken. Ganze 32 Fehlerpunkte in 30 Fragen wurden am Ende auf dem Bildschirm angezeigt. Insgesamt zehn darf man sich erlauben, sofern keine zwei „Fünfer-Fragen“ darunter sind. © Udo Hennes

Abbildungen und Video-Sequenzen

Während die Mehrzahl der Autofahrer wohl die Prüfung noch mit Papier und Stift hinter sich gebracht hat, läuft heute alles ganz digital: Seit einigen Jahren absolviert man die „Theoretische“ am PC, zu den Fragen gibt es Abbildungen, in den vergangenen Jahren kamen auch noch kurze Video-Sequenzen dazu, in denen Gefahrensituationen gezeigt werden.

Für die Fahrschüler gilt es dann, die richtigen Häkchen zu setzen, wenn man auf dem Bildschirm gesehen hat, wie zum Beispiel ein Pkw auf einer Landstraße zum überholen ansetzen will. Der Prüfling muss dann entscheiden, ob ein Überholvorgang möglich oder Gegenverkehr zu erwarten ist.

Noch einmal auf die Fahrschulbank: So schwierig ist die Prüfung nach Jahren der Fahrpraxis

Am Fahr-Simulator lernen Schüler der Fahrschule Team Hainer das Anfahren, Lenken und die ersten „Schritte“ im Straßenverkehr. © Udo Hennes

Zum Ende des Tests schleicht sich der Gedanke ein, dass das Ergebnis schlechter sein könnte als vermutet. Nach jahrelanger Fahrpraxis dürfte zu erwarten sein, dass alles rund ums Fahrzeug auch in theoretischer Hinsicht bekannt ist.

Das niederschmetternde Resultat: 32 Fehlerpunkte. Doch Hainer tröstete die frustrierte Fahrerseele: „Das wäre bei den meisten anderen Autofahrern genauso gewesen, auch bei den noch erfahreneren.“ Nach einer kurzen Übung am fahrschuleigenen Fahr-Simulator ging es dann nach draußen.

Fahr-Simulator

Üben auf der virtuellen Strecke

  • In Hainers Fahrschule in Unna stehen zwei Fahrsimulatoren. Sie kosten etwa so viel wie ein gut ausgestatteter Kleinwagen. Prüflinge lernen damit grundlegende Dinge wie Lenken oder Anfahren.
  • Von einigen Fahrschulen wird die Nützlichkeit dieser Geräte in Frage gestellt. Laut Aussage von Markus Hainer bringen sie den gewünschten Erfolg: Die Fahrschüler starten dadurch deutlich sicherer in die ersten praktischen Stunden.

Voller Ambitionen in den praktischen Teil

Was in Sachen Theorie mächtig in die Hose gegangen war, sollte dann in der Praxis wieder wettgemacht werden. Einfach gestaltete sich aber auch die Übungsfahrt durch Holzwickede und Unna nicht. Im ebenso bequemen wie gut ausgestatteten Mini führte der Weg durch die Stadt, über die B1 und auch zum fahrschuleigenen Übungsplatz „Move“ in Unna. Dort folgten ein paar Lenk- und Bremsübungen.

Alles unter den kritischen Blicken von Markus Hainer. Der ist es nämlich gewöhnt, immer die Kontrolle zu behalten: „Fahrlehrer zu sein bringt viele schöne Dinge mit sich. Man hat viel Abwechslung, trägt Verantwortung und bleibt irgendwie jünger. Man ist gewissermaßen nah dran an der Basis“, erzählt der 51-Jährige.

So manche Härtefälle

Und er ist sich sicher: „Fahrlehrer kann man nur sein, wenn man wirklich dafür brennt. Für mich ist es nicht nur ein Beruf, sondern eine Berufung.“ Mitbringen muss ein guter Fahrlehrer vor allem Geduld. So manche Härtefälle, so verrät er, habe er in all den Jahren in seinem Auto sitzen gehabt.

Vereinzelt komme es durchaus mal vor, dass der ein oder andere die Flinte ins Korn wirft und mit dem Thema Führerschein vollständig abschließt. „Das ist aber die absolute Ausnahme“, erzählt Hainer. Denn egal wie schwer sich manche auch tun, die breite Masse seiner Schüler hat am Ende den „Lappen“ in der Tasche. Zur Not auch im zweiten Versuch.

Drei Fehler hätten zu vorzeitigem Ende geführt

Ein Härtefall war der Selbsttest sicher nicht, auch wenn im praktischen Teil der Prüfung nicht alles rund lief. Drei Fehler hätten in einer echten Prüfung zu einem vorzeitigen Ende geführt. „Du hast mehrfach den Schulterblick vergessen. Außerdem waren da ein paar leichte Geschwindigkeitsüberschreitungen dabei“, erklärt Hainer. In der Summe hätten sie vermutlich zum Abbruch der Prüfung geführt. Dem Prüfer bleibt dabei aber ein gewisser Ermessensspielraum.

Ein anderes Problem war die Gefahrenbremsung: Dabei gilt es, sobald der Fahrlehrer das Signal für eine potenzielle Gefahr gibt, den Wagen so schnell wie möglich zum Stehen zu bringen. Nicht ganz so einfach, wenn keine wirkliche Gefahr da ist. Das Bremsen war wohl ein wenig zu zaghaft. Auch das ist durchaus ein Durchfall-Grund.

Noch einmal auf die Fahrschulbank: So schwierig ist die Prüfung nach Jahren der Fahrpraxis

Prüfung erfolglos, Test geglückt: Redakteur Carlo Czichowski (links) durfte seinen Führerschein trotz einiger Fehler behalten. Fahrlehrer Markus Hainer (rechts) befürchtet, dass wahrscheinlich viele erfahrene Autofahrer die Fahrprüfung nicht noch einmal bestehen würden, sofern sie vorher nicht lernen oder Übungsstunden in der Fahrschule nehmen. © Udo Hennes

Trend zu Hektik

Ausbremsen möchte Hainer gerne jene Autofahrer, die es immer eilig haben. Er sieht im Straßenverkehr einen allgemeinen Trend zur Hektik. „Viele beschweren sich über ältere Menschen, die eine Gefahr für darstellen sollen. Die machen aber statistisch nicht mehr Unfälle. Wenn ein Rentner mit 45 Kilometern pro Stunde unterwegs ist, wo 50 erlaubt sind, regen sich immer nur die auf, die zu spät dran sind.“ Hainer appelliert daher zu mehr Geduld.

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