Presbyter – das bezeichnet evangelische Ehrenamtler, die ihre Kirchengemeinde mitgestalten wollen. Warum das eine erfüllende Aufgabe sein kann, weiß eine langjährige Presbyterin.

Holzwickede

, 16.11.2019, 04:55 Uhr / Lesedauer: 3 min

Seit 1996 ist Annegret Hoffmann bereits Teil des Presbyteriums in Holzwickede. Der für Laien sperrige Begriff entstammt dem Altgriechischen und lässt sich mit Ältestenrat übersetzen. In seiner heutigen Form fast eine widersprüchliche Übersetzung, darf man für das Ehrenamt doch maximal 75 Jahre alt sein und gibt es in den Reihen des Holzwickeder Kirchenvorstands durchaus Presbyter unter 30 Jahre.

Fast so lange engagiert sich Hoffmann schon im Presbyterium. Als sie einst ihr Amt antrat, gab es noch die getrennten Kirchengemeinden Holzwickede und Opherdicke. „Die Fusion Anfang der 2000er-Jahre konnte ich schon mitgestalten“, sagt die 59-Jährige, die sich auch seit drei Jahrzehnten im Kindergottesdienst einbringt.

Kirchenwahl 2020: Darum lohnt das Ehrenamt in der Glaubensgemeinde

Presbyterin Annegret Hoffmann und Pfarrerin Claudia Brühl-Vonnhoff (v.l.) werben für ein Engagement in der evangelischen Kirchengemeinde. © Greis

Das Presbyterium ist ähnlich aufgebaut wie weltliche Gemeindegremien. Es gibt diverse Ausschüsse, die Themen wie Gottesdienste und Kirchenmusik, Diakonie, Kindergärten oder Finanzen und Bau behandeln. „Der Finanz- und Bauausschuss tagt dabei in der Regel monatlich und hat die größte Bedeutung“, weiß Pfarrerin Claudia Brühl-Vonnhoff.

Presbyter auf einer Ebene mit den Pfarrern

Die Pfarrerin steht mit ihren Kollegen auf einer Ebene mit den Ehrenamtlichen. „Presbyter zu sein, das heißt gleichberechtigt mit den Pfarrern zu arbeiten. Da gibt es keine Hierarchie. Wir sind auf Augenhöhe mit den Hauptamtlichen“, sagt Hoffmann.

Ihr Spezialgebiet liegt im Kindergartenausschuss, zudem sitzt sie auch im Finanz- und Bauausschuss. „Wir treffen uns regelmäßig mit den Kita-Leitungen. Ich bin mindestens zwei Mal vor Ort in den drei evangelischen Kitas, spreche mit den Mitarbeitern“, sagt Hoffmann.

Rechtlich verantwortlich für Einrichtungen ist zwar mittlerweile das Evangelische Kindergartenwerk, wenn aber beispielsweise wie unter der Woche eine gesetzliche Impfpflicht in Kitas und Schulen beschlossen wird, dann sei das auch für den Ausschuss ein Thema.

Gremium umfasst in Holzwickede 14 Mitglieder

Das Presbyterium in Holzwickede umfasst 14 Mitglieder und wird alle vier Jahre gewählt. Bei den Wahlen im kommenden Jahr wollen sich davon acht zur Wiederwahl aufstellen lassen. „Es ist kein verknöchertes Gremium, wir haben immer wieder neue Presbyter, die frischen Wind reinbringen“, sagt Claudia Brühl-Vonnhoff.

Die Pfarrerin sagt aber auch, dass eine gewisse Kontinuität nicht schade. Optimal seien natürlich Kandidaten, die aus beruflicher Perspektive eine Nähe zu einem der gemeindlichen Themengebiete mitbringe.

Annegret Hoffmanns Engagement in der Kirchengemeinde ist für sie schon mit einer Halbtagsstelle zu vergleichen, da sie in zwei Ausschüssen und zudem auch in der Kreis- und Landessynode aktiv ist. „Ich habe aber den Luxus, dass ich nicht erwerbstätig sein muss.“

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Presbyterin und Pfarrerin bestätigen unisono, dass so viel Arbeit im Amt nicht geleistet werden muss. „Wir haben auch einen jungen Vater mit zwei kleinen Kindern, der voll berufstätig ist und der macht seine Sache sehr gut“, sagt Brühl-Vonnhoff.

Allgemein herrsche im Presbyterium ein gesunder Mix aus Jung und Alt sowie Frau und Mann. „Das würden wir gerne beibehalten“, sagt die Pfarrerin mit Blick auf die Wahl 2020.

Die Basis soll in der Kirchengemeinde mitentscheiden

Kirchenwahl

Kandidatensuche bis 29. November

  • Alle volljährigen Gemeindemitglieder unter 75 Jahren können sich zur Wahl stellen und dürfen noch bis 29. November vorgeschlagen werden. Fünf Unterschriften für einen Kandidaten oder eine Kandidatin reichen aus.
  • Gewählt wird am 1. März 2020 in zwei Wahllokalen in den Gemeindehäusern in Holzwickede und Opherdicke.
  • Auch eine Briefwahl ist möglich. Ab Mitte Februar liegen dafür die Unterlagen im Gemeindebüro an der Goethestraße aus.
  • Nach der Wahl werden die Presbyter am 22. März 2020 offiziell eingeführt.

Für die können sich Kandidaten seit dem 11. November aufstellen lassen. Nach dem sonntäglichen Gottesdienst in der Kirche am Markt um 11 Uhr wird im Anschluss im Gemeindehaus an der Goethestraße in einer Gemeindeversammlung zum Thema informiert und werden Vorschlagszettel ausgeteilt. Bewerber brauchen fünf Unterschriften von Gemeindemitgliedern, um sich aufstellen zu lassen.

Das Mitgestalten von der Basis aus – bis hinauf auf Landesebene. Das reizt Annegret Hoffmann an ihrem Ehrenamt. „Die Landessynode hat sich vor einigen Jahren mit einem veränderten Familienbild befasst. Solche Themen dann mit in die Gemeinde zu nehmen und zu schauen, wie sich Familie vor Ort verändert, das finde ich interessant“, sagt sie.

Dieses Mitgestalten von unten, von der Basis, damit wirbt Claudia Brühl-Vonnhoff. „Presbyter zu sein, ist eine riesige Chance mitzubekommen, wie Gesellschaft und wie Kirche funktioniert.“ Mit Blick auf das Motto der Kirchenwahl: „gemeinde bewegen“ mit einer hervorgehobenen Botschaft fügt sie an: „Und es bietet die Chance, sich selbst weiterzuentwickeln.“

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Zur Kirchenwahl 2020

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