Das gab es auf dem Level noch nicht in Holzwickede: Die Premiere des Musicals „Natürlich Blond“ überzeugte das Publikum am Samstag restlos. Das Ensemble verdient Aufmerksamkeit über die Grenzen der Gemeinde hinaus.

Holzwickede

, 22.09.2019, 15:08 Uhr / Lesedauer: 3 min

Unterschätzte Blondine erkämpft sich der vermeintlich großen Liebe wegen einen Platz an der juristischen Fakultät von Harvard; wächst nach anfänglichen Schwierigkeiten über sich hinaus; gewinnt einen kniffligen Prozess, findet die wahre Liebe und ihre Bestimmung. Die Geschichte hinter „Natürlich Blond“ ist schnell erzählt.

Das Musical spielt über zwei Akte laut, schrill und quietschbunt mit gesellschaftlichen Stereotypen. Die werden mal bestätigt, mal widerlegt - zu viel muss man dabei nicht in das Stück hineininterpretieren. Schließlich geht es darum, unterhalten zu werden. Und das schafft „Natürlich Blond“ dank eines großartigen Ensembles von der ersten Minute an, als der erste Titel des Abends mit dem Refrain „O mein Gott, wie heiß“ gleich kraftvoll die Richtung für den Abend klar machte.

Eine Pause zwischen den Akten eingerechnet, waren die rund 30 Darsteller am Samstag gut drei Stunden auf Anschlag und haben konsequent auf hohem Niveau durchgepowert. Der Lohn: Gut 300 Gäste in der ausverkauften Kinderglück-Halle, die sich nach dem Finale erhoben und minutenlang Beifall spendeten.

Premiere von „Natürlich Blond“ in Kinderglückhalle: „O mein Gott, wie heiß!“

Das Ensemble von „Natürlich Blond“ wurde nach der Premiere am Samstagabend minutenlang gefeiert. © Greis

Das wäre alles nicht so unüblich, nur muss man bedenken: In der Unnaerin Annika Schneider, die als Elle Woods schauspielerisch und gesanglich überzeugte, stand nur ein Ensemble-Mitglied auf der Bühne, das durch Schauspielausbildung und Studium der Theaterpädagogik überhaupt tiefergehende Erfahrungen in dem Bereich hatte. „Und ein Musical, das Singen, das war auch für mich ganz neu“, sagte die 26-Jährige nach der Premiere.

Harte Probenarbeit bis tief in die Nacht zahlt sich bei der Premiere aus

Warum die am Samstag vom Publikum gefeiert wurde: „Weil alle bei uns von Beginn an einen hohen Anspruch an sich hatten“, sagt Schneider. Beleg dafür war auch die letzte Probenwoche, als man nahezu täglich noch bis tief in die Nacht hinein probte. „Wenn ich es mir hätte wünschen können, dann wäre es genau so gekommen. Aber mit einer Woche mehr Zeit für die Durchlaufproben“, sagt Regisseurin Anja Gimbel lachend.

Sie könne stolzer nicht sein auf das ganze Team - zu dem nicht nur die Laiendarsteller auf der Bühne gehören. Auch hinter den Kulissen bei Licht, Ton, Maske, Kostümen und Kulissenbau betraten die meisten Vereinsmitglieder absolutes Neuland. Und auch hier überzeugte der Verein, der sich erst im April 2018 gründete - die allererste Vorstellung von „Vorhang auf, Holzwickede“ wirkte wie aus einem Guss.

„Alle Beteiligten haben das knallhart durchgezogen, haben sich mitunter privat für Proben getroffen. Oder spielten draußen vor der Halle, wenn drinnen gerade eine andere Gruppe dran war“, sagt Gimbel. Die Entscheidung, das locker-leichte Musical mit seinen flapsigen Humoreinlagen zu wählen, stellte sich nicht nur für das Publikum als goldrichtig heraus.

Auch die Nebenrollen dürfen in „Natürlich Blond“ glänzen

„Es gibt viele Rollen, das Stück ist nicht auf die Hauptdarstellerin fixiert. Das ist wichtig. Alleine kannst du keinen König spielen, du braucht Typen um dich rum, die dich dazu machen“, sagt Gimbel.

Seien es Lisa Petter als quirlige Frisörin Paulette, Simon Klemp als hochnäsiger Jura-Professor, Marco Fröse als versnobbter Warner Huntington, Jan Lukas Schubert als gutherzig-biederer Emmet oder Romina Heßmert als taffe Emanzen-Kommilitonin Enid - als Zuschauer nimmt man allen Darstellern ihre Rollen ab. Und so ziemlich jede Rolle bekommt während des Stücks seinen Moment zu glänzen - und sei es durch das laszive Abgeben eines Paketes.

Premiere von „Natürlich Blond“ in Kinderglückhalle: „O mein Gott, wie heiß!“

Simon Klemp (Mitte) geht als herrlich arroganter Jura-Professor Callahan in seiner Rolle auf. © Vorhang auf

„Natürlich Blond“

Karten und weitere Termine

  • Freitag, 27. September, 19 Uhr (Einlass 18.15 Uhr)
  • Samstag, 28. September, 19 Uhr (Einlass 18.15 Uhr)
  • Sonntag, 29. September, 17 Uhr (Einlass 16.15 Uhr)
  • Donnerstag, 3. Oktober, 17 Uhr (Einlass 16.15 Uhr)
  • Freitag, 4. Oktober, 19 Uhr (Einlass 18.15 Uhr)
  • Samstag, 5. Oktober, 19 Uhr (Einlass 18.15 Uhr)
  • Karten gibt es in Holzwickede bei Schreibwaren Lohenstein und in Howi‘s Lädchen, in Unna im Café Honey sowie an der Abendkasse. Online können Tickets über Eventim geordert werden. Karten kosten 15 Euro (ermäßigt 10 Euro). Beim Onlinekauf fallen 2 Euro Gebühr an.

Als Zuhörer überzeugen die Laien auch stimmlich über die vollen drei Stunden, was man bei zwei Dutzend Gesangseinlagen mit Spiel, Tanz und Umbauten gar nicht hoch genug bewerten kann. Die Tempowechsel, chorale Einlagen, Wechsel zwischen den Soloparts; dazu der eine oder andere textliche Ausflug in juristische Redewendungen, die sitzen müssen - das ist anspruchsvoll.

Ebenso das Zusammenspiel mit einer Liveband, die aus lizenzrechtlichen Gründen quasi ein Muss ist, aber erst wenige Wochen vor der Premiere zum Team stieß. Für das Stück ist das Quartett um den musikalischen Leiter Kim Friehs ein absoluter Gewinn und trägt seinen Teil dazu bei, dass man für 15 Euro auf Profi-Niveau einen Abend lang herrlich unterhalten wird.

„Natürlich Blond“ - das erste Stück des jungen Musicalvereins „Vorhang auf, Holzwickede“ ist jeden Euro wert. Wer die Chance hat, einen der Folgetermine bis 5. Oktober wahrzunehmen, sollte das unbedingt tun.

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