Bauern haben Angst vor der Afrikanischen Schweinepest: „Dann bricht der Markt zusammen“

dzSchweinefleisch-Preise gestiegen

Die Afrikanische Schweinepest hält momentan nicht nur ganz China in Atem: Auch die heimischen Landwirte und Fleischhändler schlagen Alarm, sollte es nur einen Fall in Deutschland geben.

Holzwickede, Kamen, Fröndenberg

, 20.12.2019, 16:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Zu Beginn des Monats sind nur 35 Kilometer vor der deutsch-polnischen Grenze etwa zehn Wildschweine entdeckt worden, die mit Erregern der Afrikanischen Schweinepest (ASP) infiziert sind. Die ASP-Fälle, die in diesem Jahr zunächst hauptsächlich China betrafen, haben aber auch Auswirkungen auf die Schweinefleisch-Preise in den heimischen Betrieben.

Auf dem Wochenmarkt in Holzwickede war am Freitag auch wieder Schweinefleisch gut gefragt. Allerdings gab es nur einen Stand, der Fleisch vom Schwein verkaufte. Betrieben wird er vom Hof Heidemann-Kötter aus Fröndenberg.

ASP-Fälle sind auch in heimischen Betrieben deutlich spürbar

Laut Marianne Kötter-Middelschulte, die auf dem Markt fleißig Wurst- und Fleischwaren verkaufte, sind die Auswirkungen der ASP-Fälle in China und Europa deutlich spürbar. Dennoch ging am Freitag einiges an Schweinefleisch über ihre Theke.

Bauern haben Angst vor der Afrikanischen Schweinepest: „Dann bricht der Markt zusammen“

Für die Markthändlerin Marianne Middelschulte-Kötter aus Fröndenberg, die einen Stand auf dem Holzwickeder Wochenmarkt betreibt, sind die Auswirkungen der Schweinepest deutlich spürbar. Dennoch ging am Freitag wieder einiges an Schweinefleisch über ihre Theke. © Carlo Czichowski

Für die Landwirte ist die Schweinepest ein großes Problem: Wie Hans-Heinrich Wortmann, Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes im Kreis Unna, erklärt, ist die Lage bei den Schweinebauern derzeit ziemlich angespannt. „Unsere größte Angst ist ein Fall in Deutschland“, sagt Wortmann, der auf seinem Hof in Kamen etwa 1800 Schweine hält.

Preis für Kilogramm Schweinefleisch von 1,40 auf 1,95 Euro gestiegen

Dass sich die ASP-Erreger inzwischen nicht nur in China, sondern auch wieder etwa in den baltischen Staaten und Polen verbreitet haben, hat schon jetzt Auswirkungen auf den heimischen Fleischmarkt. Kostete ein Kilogramm Schweinefleisch im Sommer noch knapp 1,40 Euro, so ist der Preis auf inzwischen knapp 1,95 Euro gestiegen. Das hängt vor allem mit der gestiegenen Nachfrage aus China zusammen.

Afrikanische Schweinepest

Krankheit breitet sich langsam aus

  • Die Infektion mit Afrikanischer Schweinepest (ASP) führt sowohl bei Haus- als auch bei Wildschweinen zu einer schweren Erkrankung die fast immer tödlich ist. Verursacht wird die Erkrankung durch ein Virus.
  • Die Afrikanische Schweinepest ist in Deutschland anzeigepflichtig und kann klinisch nicht von der Klassischen Schweinepest (KSP), die vor allem im europäischen Raum auftritt, unterschieden werden.
  • Da eine Ansteckung vornehmlich über Blut, bluthaltige Flüssigkeiten und bluthaltige Gewebe erfolgt, breitet sich die Infektion oftmals nur sehr langsam aus. Dabei reichen jedoch sehr geringe Blutmengen für eine Ansteckung aus.
  • Menschen sind nicht direkt durch die Afrikanischen Schweinepest gefährdet: Für die Gesundheit sind die ASP-Erreger ungefährlich.

Der weltweite Handel mit Schweinefleisch befinde sich derzeit im Ausnahmezustand. Auch wenn momentan viele Bauern durch die Afrikanische Schweinepest Mehreinnahmen verbuchen, könnte die Situation schnell umschlagen: Wortmann und alle anderen heimischen Schweinebauern haben vor allem die Sorge, dass die ASP erstmals auch direkt Deutschland betreffen könnte.

„Wildschweine halten sich nicht an Grenzen“

Die Wahrscheinlichkeit, dass das eintreten könnte, ist durch die Fälle in Osteuropa jedenfalls gestiegen: „Wildschweine halten sich nicht an Grenzen“, sagt der Kamener Landwirt und zeichnet ein schlimmes Szenario, „sollte auch nur ein totes Schwein mit ASP-Erregern in Deutschland gefunden werden:

Dann bricht der Markt zusammen“, sagt er. „Ich will da keine Preise heraufbeschwören, aber es würde schlimm werden.“ Die Chinesen hätten durch die Pest rund die Hälfte der Schweine verloren und treten seitdem massiv als Käufer auf.

Bauern haben Angst vor der Afrikanischen Schweinepest: „Dann bricht der Markt zusammen“

Die Afrikanische Schweinepest wird von Wildschweinen (Bild) und auch von Haus- oder Mastschweinen übertragen. © picture alliance/dpa

Wortmann erklärt, wie einfach das gehen könnte: „Nehmen wir mal an, ein Lkw-Fahrer aus Litauen schmiert sich am Sonntag ein Wurstbrot, das die Erreger in sich trägt. Ein paar Tage später fährt er nach Deutschland, stellt fest, dass es nicht mehr schmeckt, und wirft es aus dem Fenster. Dann muss nur ein Wildschwein dieses Wurstbrot fressen und wir haben den ersten Fall.“

Sofortiger Export-Stopp bei einem Fall in Deutschland

Die Schutzmechanismen unterscheiden nämlich nicht zwischen Wildschweinen und Haus- oder Mastschweinen: Sobald es ein befallenes Schwein in Deutschland gäbe, gäbe es gleichzeitig einen bundesweiten, sofortigen Export-Stopp.

Die heimischen Landwirte haben deshalb einige Vorkehrungen getroffen und Zäune um ihre Schweineställe gebaut. Der Landwirtschaftliche Kreisverband arbeite zudem sehr eng mit dem Kreisveterinäramt zusammen.

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