Sorgen um Post vom Jugendamt: Eltern von Neugeborenen haben nichts zu befürchten

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Seit einigen Jahren gibt es in Holzwickede das Familienbüro des Jugendamtes. Bei Hausbesuchen der Beraterin schrecken viele Eltern erstmal zusammen. Die Angst ist meist aber unbegründet.

Holzwickede

, 11.02.2020, 17:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Auf einen eigenen Raum in Holzwickede muss Katja Kortmann noch ein paar Wochen warten. Junge Familien aus Holzwickede berät die Mitarbeiterin des Familienbüros momentan noch von Unna aus und setzt daher vor allem auf Hausbesuche.

Bis zum September 2019 gab es beim Kreis Unna noch eine einzige Stelle, die das sogenannte Familienbüro für die Kommunen Fröndenberg, Bönen und Holzwickede koordinierte. Durch ein neues Konzept sind in den drei Kommunen aber seitdem drei Mitarbeiterinnen mit jeweils einer halben Stelle vertreten. Die Ansprechpartnerin für Holzwickede ist Katja Kortmann.

Das Familienbüro

Katja Kortmann: „komme in Frieden“

  • Das Familienbüro des Kreisjugendamtes, das seit 2008 in den Kommunen Fröndenberg, Bönen und Holzwickede vertreten ist, soll jungen Familien ein niederschwelliges Beratungsangebot bieten.
  • Von der Vermittlung von Hebammen bis hin zum Kita-Antrag: Unerfahrenen Eltern sollen im Alltag die Hürden genommen werden, damit sie sich voll und ganz auf die Erziehung ihrer Kinder konzentrieren können.

Mit den Holzwickeder Familien trifft sie sich derzeit ausschließlich in den jeweiligen Wohnungen, sozusagen in der Komfortzone der Familien. In vielen Fällen kann das aber auch ein Problem sein. Manche Familien befürchten bei Kortmanns Hausbesuchen, dass Informationen gegen sie verwendet werden könnten. Das Horror-Szenario: Sie will ihnen ihr Kind wegnehmen.

Katja Kortmann soll als Bindeglied fungieren

Kortmanns Absichten sind aber gegenteiliger Natur. Sie versteht sich als Bindeglied zwischen den Holzwickeder Familien und dem Jugendamt. Sie informiert über Frühe Hilfen und möchte Frauen, die vor kurzem entbunden haben, ein Stück weit durch die Herausforderungen lotsen, die mit einem Säugling anstehen.

Mit der Öffnung eines eigenen Familienbüros in der alten HSC-Geschäftsstelle an der Hauptstraße (neben Schuhmacher Meiritz), die für Ende März geplant ist, soll sich das Prozedere ändern. Einmal in der Woche soll es eine offene Sprechstunde geben. Hinzu kommt eine offene Gesprächsrunde, bei der etwa auch Experten wie Hebammen dabei sein sollen. Kurzum: Kortmann soll näher an die Familien heranrücken.

Sorgen um Post vom Jugendamt: Eltern von Neugeborenen haben nichts zu befürchten

Knapp fünf Wochen muss das Holzwickeder Familienbüro noch ohne ein eigenes Büro auskommen. In der ehemaligen HSC-Geschäftsstelle wird derzeit noch umgebaut. © Marcel Drawe

Neben den Gesprächen in den Haushalten hat Kortmann dann auch einen neutralen Ort, an dem sie Familien informieren kann. Sie erhofft sich dadurch, dass sie in einem anderen „Setting“ befreiter auftreten können, wenn sie ihre Probleme kommunizieren.

Denn nicht nur Beratung gehört zum Kompetenzbereich der studierten Sozialarbeiterin. Sie soll auch dann helfen, wenn in Familien der Kinderschuh drückt. Ihr Ansatz ist die systemische Beratung, bei der sie sich den Sachverhalt ohne moralischen Zeigefinger anschaut. „Ich betrachte die Familie immer als Ganzes. Die Schuldfrage ist dabei völlig nebensächlich. Ich gehe davon aus, dass Eltern immer nach besten Gewissen handeln“, erklärt Kortmann.

Viele Eltern stehen dem Familienbüro eher skeptisch gegenüber

Sie glaubt, dass ihre Präsenz vor Ort vor allem auch einen Image-Wechsel des Familienbüros ermöglichen könnte. Denn allzu oft seien junge Eltern skeptisch, wenn sie einen ersten Brief von ihr erhalten: Hinter dem Familienbüro steht nämlich auch das Kreisjugendamt.

Geschenke und Infos

Willkommensbesuch für kleine Neu-Bürger

  • Sobald Eltern aus Holzwickede ihr Neugeborenes beim Standesamt melden, bekommt Kortmann einen Hinweis. Dann sendet sie der Familie ein Glückwunsch-Schreiben zu und kündigt einen Termin an.
  • Ob die Familie ihr Angebot annimmt, liegt dann bei ihr selbst. Häufig werden die Termine verschoben oder abgesagt. Oft kommt es auch mal vor, dass Kortmann vor einer verschlossenen Tür steht.

Bei frisch gebackenen Eltern sorgt dieses Logo oft für Ängste, die Kortmann ihnen nehmen möchte: „Ich komme in Frieden, sage ich immer“, erzählte am Montag im Ausschuss für Jugend, Familie, Senioren und Gleichstellung, wo sie sich vor Vertretern der Lokalpolitik vorstellte.

Ihre Aufgabe ist nicht, die Lebensverhältnisse der Familien zu untersuchen. Die Angst, dass ihnen ihr Kind weggenommen werden könnte, wenn sie etwas falsches machen oder sagen, ist laut Kortmann im Regelfall unbegründet. Bis zu einem gewissen Grat untersteht sie nämlich einer Schweigepflicht. Die greift nur dann nicht mehr, wenn das Kindeswohl gefährdet ist.

Sie hofft, dass sie nach ihrem Umzug nach Holzwickede noch besser vernetzt sein wird und noch mehr junge Familien die erste Etappe beim Elternsein mit ihr gemeinsam gehen. Die zweifache Mutter ist auf jeden Fall schon jetzt auch ohne eigenen Raum vor Ort bestens auf Holzwickeder Nachwuchs vorbereitet.

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