Bilder, die zu einem besseren Umweltbewusstsein aufrufen sollen, Gute-Laune-Plakate, die Mitarbeiter der Gemeindeverwaltung erstellt haben und daneben ein Plakat, auf dem Kinder ihre Sorgen und Ängste in der Corona-Pandemie mitteilen können: Das alles ist Bestandteil einer gemeinsamen Plakataktion, die mehrere Projekte bündeln soll. © Carlo Czichowski
Meinung

Plakataktion für Kinder: Nett gemeint, aber an der Realität vorbei

Die Gemeinde Holzwickede will mit einer Plakataktion Kindern eine Möglichkeit geben, ihre Ängste in der Corona-Pandemie mitzuteilen. Unser Autor meint, dass das Ziel verfehlt ist.

Es klingt nach einer so schönen Idee: Die Plakate, die Holzwickeder zu einem besseren Bewusstsein in Sachen Umwelt motivieren sollen. Und daneben auch noch eine Plattform für Kinder zu schaffen, auf der sie bei einem Spaziergang eine Parole schreiben können, um ihre Gefühle in der Corona-Pandemie mitzuteilen: Das ist aus meiner Sicht für betroffene Kinder nur ein Tropfen auf dem heißen Stein.

Das hier möchte ich vorwegschicken: Ich bin mir zu hundert Prozent sicher, dass die Akteure eine gute Absicht verfolgt haben und den Kindern mit den Plakaten wirklich einen Gefallen tun wollten. Außerdem ist die Gemeinde Holzwickede ausdrücklich nicht für die harten Einschnitte der Coronaschutzverordnung verantwortlich. Und nicht jedes Kind ist durch die Begleiterscheinungen der Pandemie gleich belastet. Viele Kinder finden sich wie vor Corona in einem wohlbehüteten Umfeld wieder.

Aber: Für die Probleme, die besonders belastete Kinder seit mehr als einem Jahr haben, ist die Aktion keine große Hilfe. Depression, Vereinsamung, psychische und körperliche Misshandlung, sind die wohl schwerwiegendsten Begleiterscheinungen der Pandemie: Es fällt mir schwer mir vorzustellen, dass solche Kinder große Lust haben, ihre Sorgen auf ein Plakat zu kritzeln.

Wie gesagt: Es ist sicher eine nette Aktion, die aber meiner Meinung nach leider an der Realität vorbeiläuft. Plakat hin oder her – was bleibt, sind die seelischen Narben bei jenen Geschöpfen, die Erwachsene eigentlich besonders schützen sollten.

Über den Autor
Redaktion Unna
1993 in Hagen geboren. Erste journalistische Schritte im Märkischen Sauerland, dann beim Westfälischen Anzeiger in Werne. Spielt in seiner Freizeit gerne Handball und hört Musik.
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Carlo Czichowski

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