Mehr Platz für den Breitensport: Den wollen zwei Sportvereine durch ein eigenes Sportforum schaffen. Knackpunkt für weitere Planungen ist der Standort – an ihm entscheidet sich, ob das Projekt scheitert oder nicht.

Holzwickede

, 05.02.2020, 13:55 Uhr / Lesedauer: 3 min

Anfang Dezember vorigen Jahres kamen Vertreter des Holzwickeder SC und der Gemeindeverwaltung zuletzt zusammen, um sich über das Projekt „Forum für Bewegung und Gesundheit“ auszutauschen, das der HSC in Kooperation mit der Turngemeinde Holzwickede realisieren will.

Die damalige Hausaufgabe der Verwaltung für die Vereinsvertreter: Grundstück vermessen und entsprechende Pläne einreichen, um den Quadratmeter-Bedarf für den Gebäudekorpus prüfen zu können. Per Antrag wollte die CDU im Planungs- und Bauausschuss am Dienstagabend wissen, woran man momentan ist.

Vorstands- und Aufsichtsratsmitglieder des Holzwickeder SC waren im Ausschuss in Mannschaftsstärke zugegen, um den aktuellen Planungsstand zu erläutern. In Peter Wehlack saß zudem der TGH-Vorsitzende als Ausschussmitglied der SPD in der Mensa des Schulforums.

Zwei Punkte sorgen für Ablehnung bei der CDU

Bedarfsermittelung

Veranstaltung im März geplant

  • Im Kalender von HSC und TGH steht für den 21. März eine Veranstaltung, zu der andere örtliche Vereine, Krankenkassen, Firmenvertreter sowie Vertreter aus Verwaltung und Politik geladen werden.
  • Dabei will man sich zu möglichen Bedarfen austauschen. Speziell beim Thema Gesundheitssport arbeitet man hier mit der Hochschule für angewandtes Management in Unna zusammen.

Ratsherr Winfried Hardung sah für die CDU zwei zentrale Punkte, die nicht stimmig seien: die finanzielle Beteiligung der Gemeinde und der geplante Standort auf dem Sandparkplatz am Aachener Weg.

Eine erste Berechnung des HSC sieht eine finanzielle Beteiligung der Gemeinde vor, die im Gegenzug das Gebäude beispielsweise für den Schulsport nutzt. Hier orientiert man sich am Vorbildprojekt des TV Jahn Rheine. Der Unterschied: Die finanzielle Beteiligung kommt dort nicht von der Stadt, sondern maßgeblich vom Kreis Steinfurt.

„Die Gemeinde soll das Grundstück kostenfrei zur Verfügung stellen, 300.000 Euro einmalig zuschießen und monatlich 15.000 Euro für die eigene Nutzung zahlen? Das gibt der Haushalt nicht her und lehnen wir ab“, sagte Hardung zu Zahlen aus dem vorliegenden Sachstandsbericht.

Pläne zum Sportforum neben dem Schulzentrum überzeugen nicht restlos

Kopieren und Einfügen: Geht es nach dem HSC und der TGH kopiert man das Rheiner Sportforum und zieht es auf dieser Fläche am Schulzentrum hoch. © Greis

Diesen Kritikpunkt entschärfte Professor Gerd Grube aus dem HSC-Aufsichtsrat: „Die Gemeinde hat klar gemacht, dass sie keinen Bedarf an zusätzlichen Halleneinheiten hat. Wenn die Gemeinde keine Nutzung wünscht, zahlt sie auch nicht“, sagte der Ingenieur und Chef eines Dortmunder Unternehmens für Beratung und Geschäftsentwicklung.

HSC-Aufsichtsratsmitglied Reiner Harting machte klar: „Das sind Modellrechnungen, keine Fakten. Wir müssen jetzt neu überlegen. Aber wir bauen nichts, dass sich betriebswirtschaftlich nicht rechnet. So töricht ist kein Verein“, sagte der Sparkassendirektor a.D.

SPD sieht steigende Bedarfe in den Sporthallen

Die Haltung der Verwaltung kritisierte SPD-Fraktionschef Michael Klimziak: Man würde sich allein auf Zahlen der kommunalen Prüfungsanstalt mit Sitz in Herne stützen. „Die Hallen können nicht für die Ganztagsbetreuung genutzt werden, das Gymnasium schwenkt zurück auf G8 – diese Bedarfe sehen die Schreibtischtäter in Herne nicht.“

Stand jetzt würde die Gemeinde dem Verein lediglich das gewünschte Grundstück kostenfrei überlassen. Vor allem die CDU hat arge Bauchschmerzen beim Standort und erinnerte daran, dass der Sandparkplatz einst als möglicher Kita-Standort in der Diskussion war.

„Wir zaubern nicht mal eben einen neuen Standort her. Ein Sportforum passt inhaltlich und örtlich da rein.“
SPD-Fraktionschef Michael Klimziak

„Die Problematik haben sie damals doch mitbekommen“, sagte CDU-Ratsherr Frank Lausmann mit Blick auf die bestehende Verkehrsbelastung vor Ort durch den Schulbetrieb. „Zugunsten der Anwohner steigen wir beim jetzigen Standort aus“, so Lausmann. Für die Kita, die nun neben dem Platz von Louviers entsteht, habe man schließlich auch eine Alternative gefunden.

Pläne nach dem Prinzip: Kopieren und Einfügen

Problem beim Sportforum: Ein zweistöckiges Gebäude nach Rheiner Vorbild bräuchte knapp 2900 Quadratmeter an Fläche. Insgesamt bietet das Grundstück rund 4400 Quadratmeter. Erste Berechnungen gehen von rund 50 Parkplätzen aus. Geht es nach den Vereinen, entsteht in Holzwickede ein Rheiner Gebäude-Zwilling, um Planungskosten zu sparen.

Pläne zum Sportforum neben dem Schulzentrum überzeugen nicht restlos

So sieht das Sportforum in Rheine aus: Nach den Plänen der Sportvereine passt das Gebäude auch auf die Holzwickeder Wunsch-Fläche. Politik und Verwaltung reichen die eingereichten Pläne aber nicht aus. © TV Jahn Rheine

Die Verwaltung machte klar, dass man kein entsprechendes Grundstück in vergleichbarer Lage kostenfrei zur Verfügung stellen könne. Momentan gehen die Vereine von bis zu 3,5 Millionen Euro an Gesamtkosten aus – ein Grundstückskauf würde das Budget endgültig sprengen.

„Wir zaubern nicht mal eben einen neuen Standort her. Ein Sportforum passt inhaltlich und örtlich da rein“, sagt Klimziak. Letztlich einigte sich der Ausschuss auf einen Beschluss, der mit zehn Ja-Stimmen bei sechs Gegenstimmen und einer Enthaltung den Sportvereinen zumindest weitere Planungen ermöglicht: „Die Gemeinde überlässt dem HSC das Grundstück, wenn alle relevanten Auflagen und Maßgaben erfüllt werden und sich ins Bauvorhaben einfügen.“

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„Die Vereine müssen konkrete Vorschläge für die Verkehrs- und Parkplatzsituation liefern. Auch für den Gebäudekorpus braucht es mehr als die vorgelegten Pläne“, erläutere Bauamtsleiter Uwe Nettlenbusch am Mittwoch auf Nachfrage. Erst dann könne man eine Entscheidung treffen.

Gewünscht hatten sich die HSC-Vertreter eine Antwort auf die Frage: „Stehen Verwaltung und Politik hinter unserem Vorhaben?“, wie es der HSC-Vorsitzende Udo Speer formuliert. Uwe Nettlenbusch macht klar: Werden die bauordnungsrechtlichen Faktoren beachtet, steht von Verwaltungsseite der Standort nicht zur Disposition.

Verkehrssituation wird ein entscheidender Punkt

Für die Ratsfraktionen gilt das weniger. Die CDU dürfte dem Projekt auch in Zukunft skeptisch gegenüberstehen. Auch Grüne und BBL äußerten Bedenken, dass sich Verkehr und Sportforum nicht in Einklang bringen lassen.

„Auch wenn die Entscheidung nicht einstimmig war, ist das ein positiver Schritt. Wir gehen nun alle baurechtlichen Themen an. Sollte sich keine Lösung finden, gehen wir auf die Kommune zu und fragen nach Alternativen. Die wurden uns bislang nicht aufgezeigt“, sagte Reiner Harting am Mittwoch auf Nachfrage.

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