Im Perthes-Haus können ab nächster Woche Senioren auch teilstationär betreut werden. Das Angebot richtet sich besonders an pflegende Angehörige, die schwer loslassen können – aber nicht nur.

Holzwickede

, 27.08.2019, 11:41 Uhr / Lesedauer: 3 min

Etwas mehr als zwei Jahre dauerte es, bis der Perthes-Heimleiter Bernhard Pendzialek den Anbau am Emscherweg, der rund 500.000 Euro kostete, nun dafür nutzen kann, wofür er ursprünglich geplant war: Die neue Tagespflege.

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Betreuung auf 450 Quadratmetern

Die 450 entstandenen Quadratmeter werden nämlich künftig für die sogenannte teilstationäre Betreuung genutzt. Das Angebot ergänzt die stationäre Pflege im Bestandsgebäude und richtet sich unter anderem an pflegende Angehörige, die nur schwer loslassen können. Die Senioren können morgens in die Einrichtung gebracht und nachmittags zum Kaffee wieder abgeholt werden.

„Manche haben ein Problem damit, ihre Angehörigen anderen Menschen anzuvertrauen“, sagt Ulrike Wilkens, die künftig die Tagespflege im Perthes-Haus leiten wird. „Wir möchten ihnen ein gutes Gefühl dabei geben, wenn sie sich mal für ein paar Stunden nicht um sie kümmern können.“

Bedarf nach dieser Pflegeform in Holzwickede vorhanden

Das neue Angebot richtet sich nämlich vor allem an jene Senioren, die alleine oder bei ihren Angehörigen wohnen, im Alltag aber nicht alleine sein möchten oder schlichtweg sollten. Der Bedarf nach dieser Pflegeform sei durchaus vorhanden, bekräftigt auch Pendzialek, der auf eine enge und konstruktive Zusammenarbeit mit Wilkens hofft. Denn auch wenn stationäre und teilstationäre Pflege räumlich getrennt sind, ist ein Austausch zwischen Heimbewohnern und Gästen der Tagespflege durchaus erwünscht. „Wenn Freundschaften entstehen, ist es umso besser“, sagt Wilkens.

Wilkens ist in der Perthes-Familie keine Unbekannte: Seit 23 Jahren ist sie dort beschäftigt. Bis zuletzt war sie in der stationären Pflege tätig.

Bis zum kommenden Dienstag hat sie im Anbau am Emscherweg noch alle Hände voll zu tun: Die Bauarbeiten sind, mit Ausnahme von Restarbeiten, soweit fertig. In den kommenden Tagen werden dann die Möbel geliefert. „Zum Schluss werden wir dann noch dekorieren“, erklärt Wilkens.

Zum Auftakt drei Probetermine

Ab Dienstag geht´s dann los. Für die ersten drei Tage stehen aber zunächst einige Probetermine an: „Die Gäste können vorbei kommen und ganz unverbindlich einen Tag verbringen“, erzählt sie. Dieser Schnuppertag sei für Interessenten kostenlos und unverbindlich. Insgesamt 17 Anfragen gibt es bereits für solche Kennenlerntage. „Das ist schon ordentlich“, findet Pendzialek.

Der Rest der freien Plätze werde sicherlich noch durch „Mundpropaganda“ gefüllt werden. Denn 18 Plätze sind im neuen Gebäudetrakt vorgesehen. Ob Gäste nur an einem Tag pro Woche betreut werden wollen, oder an mehreren, ist ihnen selbst überlassen.

Bis zu 50 Gäste möglich

Wegen der potenziellen Fluktuation sind bis zu 50 Gäste möglich, wie Pendzialek kalkuliert. Die Tagespflege soll vor allem eines sein: Ein Treffpunkt für Senioren, an dem sie primär nicht gepflegt werden, sondern vielmehr betreut. „Sie sollen sich hier wohl fühlen. Unser Interesse ist es, dass sie so eigenständig wie möglich bleiben“, betont Wilkens. Zu diesem Zweck werden dort verschiedene Aktivitäten wie Gedächtnisübungen stattfinden.

Großer, offener Gemeinschaftsraum

In dem rund 450 Quadratmeter großen Anbau gibt es auch ansonsten genügend Möglichkeiten zur Beschäftigung. In einem großen, offenen Gemeinschaftsraum werden mehrere Sitzmöglichkeiten entstehen. Für den Fall, dass mehrere Veranstaltungen gleichzeitig stattfinden sollen, kann im Gemeinschaftsraum eine Trennwand aus der Decke herausgefahren werden. Zusätzlich gibt es mehrere kleinere Räume, die den Senioren als Rückzugsort dienen, falls sie etwas Ruhe benötigen.

Anbau komplett barrierefrei

Im Gemeinschaftsraum befindet sich außerdem eine große Küchenzeile, wo die Gäste alleine oder gemeinsam kochen können. Für die Gäste gibt es insgesamt vier Toiletten und ein Badezimmer. Der Anbau ist zudem komplett barrierefrei.

Damit Gäste und Personal auch an heißen Sommertagen einen kühlen Kopf behalten, gibt es auch eine Klimaanlage.

Perthes-Haus geht mit Tagespflege an den Start: 50 neue Betreuungsplätze in Holzwickede

Heimleiter Bernhard Pendzialek und Ulrike Wilkens schauten sich rund eine Woche vor dem Start im Anbau um. Noch sind alle Räume leer, nur im Gemeinschaftsraum steht bereits die Küche. © Udo Hennes

Neunköpfiges Pflegeteam

Hinsichtlich des Personals setzt Pendzialek auf bewährte und auch frische Kräfte: Das neunköpfige Pflegeteam um Wilkens wurde ungefähr zur Hälfte mit Fachkräften aus der stationären Pflege zusammengestellt und zur anderen Hälfte mit neu eingestelltem Personal. Einfach war das aber nicht, der Fachkräftemangel sei auch in Holzwickede deutlich spürbar: „Die Situation auf dem Arbeitsmarkt ist schwierig. Auf ausgeschriebene Stellen melden sich kaum Bewerber“, erklärt der Einrichtungsleiter.

Platz kostet knapp 20 Euro am Tag

In finanzieller Hinsicht ist die teilstationäre Pflege günstiger als die stationäre: Laut Auskunft von Pendzialek müssen Angehörige knapp 20 Euro am Tag bezahlen. Der Rest werde von der Pflegekasse übernommen: „Dabei handelt es sich um einen Richtwert. Das hängt vor allem von dem Pflegegrad des Gastes ab.“

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