Holzwickede ist in alle Richtungen ein Knotenpunkt des Berufsverkehrs

dzPendler

Der Weg zur Arbeitsstätte wird auch im dicht besiedelten Ruhrgebiet immer länger. Was der RVR nun im Ganzen bilanziert, zeigt sich beim B1-und A44-Anlieger Holzwickede in extremer Weise.

Unna

, 07.01.2020, 13:29 Uhr / Lesedauer: 2 min

Einen Arbeitsplatz in der eigenen Stadt zu haben, ist tatsächlich noch der Mehrheit der Menschen im Ruhgebiet vergönnt. Aber: Die Statistik läuft auf ihren Kipppunkt zu, wie der Regionalverband Ruhr (RVR) nun aufzeigt. 48,8 Prozent der Beschäftigten in der Metropolregion fahren zum Arbeiten mindestens in die Nachbarstadt. Ihr Anteil am Heer der Arbeitnehmer ist in den vergangenen 25 Jahren um gut ein Viertel gestiegen.

Holzwickede gilt in dieser Betrachtung als ein besonders extremes Beispiel. Die Pendlerströme über die Gemeindegrenzen hinaus sind in beide Richtungen stark. Und: Viele, die zum Arbeiten in die Emschergemeinde fahren, haben einen langen Weg.

Holzwickede hat viele Arbeitsplätze – für Auswärtige

Generell gilt Holzwickede als Einpendlergemeinde. Das liegt allerdings auch an der wirtschaftlichen Kraft der Gemeinde. Rechnerisch bietet der Ort viel mehr Arbeitsplätze, als dafür nötig wären, die eigene Bevölkerung zu versorgen.

13.400 Menschen arbeiten in einem sozialversicherungspflichtigen Job in Holzwickede. Doch nur 1916 dieser Stellen sind mit Holzwickedern besetzt. 11.484 Arbeitnehmer reisen von auswärts an – und zwar keineswegs nur aus der direkten Nachbarschaft.

Zwar steht die Nachbarstadt Dortmund mit 2253 Beschäftigten als Wohnort der größten Einpendlergruppe in der Statistik der Bundesagentur für Arbeit, doch noch stärker besetzt ist die Kategorie „Sonstige“. 15 Städte im direkten und im weiteren Umfeld hat die Agentur daraufhin abgeklopft, wer zum Arbeiten nach Holzwickede fährt, darunter auch Bochum, Essen und Castrop-Rauxel. Doch 6358 Arbeitnehmer wohnen andernorts und haben dementsprechend eine noch längere Anfahrt.

Jetzt lesen

Die Holzwickeder selbst arbeiten eher im Umfeld

Mit einer Einpendlerquote von 85,7 Prozent auf den 13.400 Stellen im Ort liegt Holzwickede in einer landesweiten Rangliste auf dem zweiten Platz aller Kommunen. Doch die Einpendlergemeinde Holzwickede ist ebenso ein Auspendlerort: 77,8 Prozent der Beschäftigten aus Holzwickede arbeiten nicht in Holzwickede.

Von den gut 17.000 Einwohnern der Emschergemeinde gehen nach Daten des Landesbetriebs für Information und Technik („IT NRW“) 8639 einer Erwerbstätigkeit nach. 1916 tun dies wie beschrieben im eigenen Ort. 6723 fahren nach auswärts.

Dortmund und Unna sind wichtige Partner

Auch in diesem Austauschverhältnis ist Dortmund der wichtigste Partner. 2477 Holzwickeder arbeiten in der Großstadt. Das sind 224 Menschen mehr, als in Gegenrichtung unterwegs sind.

Zweitwichtigster Tauschpartner der Holzwickeder ist die Kreisstadt Unna: 1248 Holzwickeder fahren zur Arbeit über die Ortsgrenze. Im Gegenzug verdienen 886 Unnaer ihr Geld in der Emschergemeinde.

Gründe für die Reisebereitschaft sind vielfältig. Dass die Zahl der möglichen Berufe und der damit verbundenen Qualifikationsprofile immer weiter zunimmt, ist ein Grundfaktor, der die Mobilitätsbedarfe am Arbeitsmarkt erklärt. In Holzwickede gibt es aber auch viele zugkräftige Betriebe. Der Überhang an Stellen im Ort findet sich im boomenden Ecoport, aber auch bei Wiederholt, bei der Montanhydraulik und in den Betrieben an der Natorper Straße. Eine wichtige Rolle spielt vermutlich aber auch die gute Verkehrsanbindung der Gemeinde mit Anschluss an B1 und A44 und einem eigenen Bahnhof.

Jetzt lesen

Lesen Sie jetzt
Hellweger Anzeiger Gedenktag für Holocaust-Opfer
Holzwickeder Recherche-Gruppe zu NS-Opfern setzt Zeichen gegen Rassismus und Vergessen
Hellweger Anzeiger Treffpunkt Villa
Workshop für Produkte zum Selbermachen: Umweltschutz ist eine Frage der Haltung
Hellweger Anzeiger Bezahlbarer Wohnraum
Flüchtlingshäuser an der Bahnhofstraße abreißen – dafür mehr zentrumsnahe Wohnungen