Maximal 87 katholische Pfarrer für ebensoviele Zuständigkeitsbereiche sind bis 2025 für das Bistum Paderborn vorgesehen. Auch für den künftige Pastoralen Raum Unna bedeutet das große Veränderungen.

Holzwickede, Unna, Fröndenberg

, 06.09.2019, 04:55 Uhr / Lesedauer: 3 min

Bislang standen den Pfarreien in Unna, Fröndenberg und Holzwickede je ein Pfarrer vor. Das wird sich durch die Neuordnung der Pastoralen Räume im Bistum Paderborn ändern. Für die drei Gemeinden bedeutet das konkret: nur noch ein Pfarrer und mittelfristig auch weniger Pastoren.

Laut Terminplan werden die Pfarrgemeinden der drei Kommunen zum 1. Januar 2020 unter einem Pastoralen Raum und einem Pfarrer geführt. Der Rücktritt von Pfarrer Norbert Wohlgemuth in Fröndenberg hat dieser Umstruktierung vorgegriffen.

Zur Sache

Priester, Pfarrer und Pastoren

Geistliche in der katholischen Kirche werden zu Priestern geweiht. Nur ein Priester darf die Eucharistie feiern. Zudem kann auch nur ein Priester auch Pfarrer sein. Im Gegensatz zur evangelischen Kirche steht der Pfarrer bei den Katholiken immer einer Gemeinde vor. Ein Pastor ist in beiden Konfessionen allgemein Geistlicher im Dienst einer Kirchengemeinde.

Denn einen neuen Geistlichen mit dem Status eines Pfarrers wird es für Fröndenberg nicht geben. Und auch in Holzwickede wird Bernhard Middelanis seinen Status als Pfarrer abgeben.

Nur noch ein Pfarrer steht den Kirchengemeinden vor

Zuständig für den Pastoralen Raum Unna mit den Kirchengemeinden in Fröndenberg und Holzwickede ist ab 1. Januar dann Pfarrer Paul Mandelkow. Nach Wohlgemuths Rücktritt steht er bereits jetzt der Fröndenberger Glaubensgemeinde vor. Und auch wenn die Glaubensgemeinschaft hier zuletzt einen eigenen Pfarrer forderte: Das wird nicht passieren.

Aus personeller Sicht sieht das Bistum Paderborn für den Pastoralen Raum Unna in den kommenden drei Jahren fünf Priester vor, danach wird nochmals um eine Stelle auf vier Priester reduziert.

„Klar ist, dass sich die Zahl der Gottesdienste in Fröndenberg sicher verringern wird. Auch in Unna und Holzwickede könnte je einer wegfallen“, sagt Paul Mandelkow. Die Zahl der Eucharastiefeiern in Gottesdiensten dürfte ebenfalls sinken. Im Gegenzug wird man vermehrt auf alternative Modelle wie Wortgottesdienste setzen, die von Laien geleitet werden.

Pastoraler Raum greift nach Norbert Wohlgemuths Rücktritt bereits

Wohlgemuths Rücktritt und die damit quasi vorgezogene Personalstruktur machen sich in Fröndenberg bereits bemerkbar: So wurde die Messe am Mittwochmorgen vom Holzwickeder Pfarrer Middelanis gehalten. Mandelkow übernimmt wiederum eine Messe und eine Beerdigung am Wochenende.

„Die einzelnen Gemeinden werden aber auch in Zukunft einen festen Pastor haben, der auch vor Ort wohnt“, sagt Mandelkow. Das sind für Fröndenberg und Holzwickede wie gehabt Heinrich Stangorra und Bernhard Middelanis. Im Urlaubs- oder Krankheitsfall sind künftig aber alle Geistlichen im Pastoralen Raum gefragt, um sich untereinander zu vertreten. Unterstützend kommen hier auch Pfarrer im Ruhestand wie Unnas Heinz-Josef Löckmann oder Josef Eickhoff hinzu, der in der Opherdicker Gemeinde St. Stephanus aktiv ist.

Mehr Verantwortung für weniger Priester in Unna, Fröndenberg und Holzwickede

Paul Mandelkow steht dem Pastoralen Raum Unna als Pfarrer vor. © Pieper

Wenn es aber um die inhaltliche Ausrichtung im neuen Zusammenschluss geht, weiß Mandelkow: „Den Subsidiaren kann ich auch nicht zu viel Verantwortung anlasten.“ Denn Verantwortung, die will Mandelkow auf möglichst viele Schultern verteilen und so auch die Gemeinden einbeziehen – soweit es die Vorgaben aus Paderborn eben zulassen.

Themen an Experten aus den eigenen Reihen delegieren

Der Pfarrer denkt an Themen wie die Rolle der Frau. Hier hat er in Unnas Gemeindereferentin Michaela Labudda eine Expertin im Team, die sich als Vorsitzende des Bundesverbandes der Gemeindereferentinnen auch beim „Synodalen Weg“ einbringt. Den will die Bischofskonferenz gemeinsam mit dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) in den kommenden zwei Jahren gehen. Dabei könnten grundlegende Reformen der katholischen Kirche in Deutschland angestoßen werden.

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In St. Marien

Pfarrer lädt zur gemeinsamen Diskussion ein

Mit Blick auf die zukünftige Situation des Pastoralen Raumes Unna, Fröndenberg, Holzwickede lädt Pfarrer Mandelkow für Donnerstag, 26. September, in die Kirche St. Marien nach Fröndenberg. Ab 19 Uhr will man gemeinsam mit den Gläubigen drängende Themen und offene Fragen diskutieren, die auch in der Gemeindeversammlung Ende August in Fröndenberg aufkamen.

Beim Thema Ökumene denkt Mandelkow wiederum an Bernhard Middelanis - schließlich sei der jährliche Taufgottesdienst an Pfingsten auf Haus Opherdicke mittlerweile ein Modellprojekt, das im Juni auch beim Evangelischen Kirchentag in Dortmund vorgestellt wurde. „Denkbar, dass man in Pastor Middelanis dann einen Ansprechpartner hat, der den ökumenischen Gedanken auch in die anderen Gemeinden trägt“, sagt Mandelkow.

Er wolle keinesfalls Alleinentscheider im Pastoralen Raum sein. Auch bleiben die Pastoren vor Ort weiter erste Ansprechpartner für die Gläubigen. Mit Blick auf den Unmut, den Norbert Wohlgemuths Rücktritt und der Umgang des Bistums damit hervorrief, sagt er aber auch: „Wir müssen hier eine berechtigte Krise überwältigen. Ich habe aber das Gefühl, dass die Fröndenberger nicht resignieren. Die Bereitschaft, zu gestalten ist da und die begrüße ich“, sagt Mandelkow. So stehe er der Idee der Fröndenberger, einen legitimierten Gemeindeleiter zu ernennen, nicht ablehnend gegenüber. Es wird eben nur kein Pfarrer sein.

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