Längst gehen nicht mehr nur junge Leute für den Klimaschutz auf die Straße. Es gibt „Demos für alle“ und inzwischen über 200 Ortsgruppen der organisierten „Parents for Future“ – eine darunter in Holzwickede.

Holzwickede

, 17.06.2019, 17:40 Uhr / Lesedauer: 3 min

Bei kurzen Strecken auf das Auto verzichten, die Haare mit Alternativen zum Shampoo aus der Plastikflasche waschen – oder einfach weniger Fleisch essen: Es gibt viele Möglichkeiten, eine Kleinigkeit für die Umwelt zu tun. Dabei muss keiner perfekt leben, es hilft schon, wenn jeder ein bisschen tut. So lautet das Credo von rund 25 Eltern aus Holzwickede. Das neu erwachte Umweltbewusstsein der Jugend hat auch bei ihnen das Interesse an Nachhaltigkeitsthemen befeuert. Sie nennen sich „Parents for Future“ – angelehnt an die von Greta Thunberg inspirierten „Fridays for Future“, bei denen einige ihrer Kinder demonstrieren. Und sie sind mit ihrer kleinen Holzwickeder Ortsgruppe bereits Teil eines bundesweiten Netzwerks.

Parents for Future: Wenn die Jugendbewegung bei den Eltern ankommt

Plastikmüll auf einer Insel im Golf von Thailand: Solche Bilder wollen die Eltern aus Holzwickede zukünftig nicht mehr sehen. Sie setzen auf Stoffbeutel anstatt Plastiktüte, große statt kleine Verpackungen et cetera. Wenn jeder ein bisschen tut, erziele das insgesamt große Wirkung. © picture alliance/dpa

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Parents for Future

Eltern solidarisieren sich mit der Jugend

  • Die Parents for Future sind ein freier Zusammenschluss erwachsener Menschen.
  • Sie Unterstützen die jungen Menschen bei ihrem Einsatz für den Klimaschutz.
  • Die Eltern befürworten das Mittel des Schulstreiks.
  • Rund 200 Ortsgruppen gibt es bundesweit. Über 40 Ortsgruppen sind es in NRW.
  • Jeder, der sich mit den Zielen identifiziert, kann bei den Parents for Future aktiv werden. Auch kinderlose Erwachsene sind eingeladen, die Jugend zu unterstützen.
  • Im Internet unter www.parentsforfuture.de sind alle Ortsgruppen aufgelistet. Dort findet sich auch ein Kontakt zur WhatsApp-Gruppe der in Holzwickede organisierten Eltern.

Eltern stehen hinter den Schulstreiks, wollen die Jugendlichen unterstützen

Sandra Windau-Loer, Judith Kuck-Bösing, Doreen Kremser und Katja Kazmierz sind vier dieser Eltern, die sich den Kampf für die Zukunft des Planeten auf die Fahne geschrieben haben. Die vier Frauen kennen sich aus verschiedenen Zusammenhängen. Normalerweise tauschen sie sich über den Messenger WhatsApp aus. Wer den Frauen zuhört, wenn sie mal im Café zusammensitzen, merkt schnell, wie wichtig ihnen Umweltpolitik – und die kleinen Beiträge, die jeder einzelne leisten kann – sind. Grundsätzlich stehen alle hinter den Schulstreiks. Aber wenn auch die Erwachsenen politischer werden, „könnten die Kinder ja wieder in den Unterricht gehen“, sagt Doreen Kremser.

Parents for Future: Wenn die Jugendbewegung bei den Eltern ankommt

Katja Kazmierz, Doreen Kremser, Sandra Windau-Loer und Judith Kuck-Bösing (v.l.) sind Mitglieder der Holzwickeder „Parents for Future“. Sie tauschen sich regelmäßig über Umweltthemen aus, gehen auf Demos und suchen weitere Mitstreiter. © Hornung

Judith Kuck-Bösing hat die Holzwickeder Ortsgruppe gegründet, einfach mal all ihre Kontakte angeschrieben und abgewartet, wer einsteigt. Doreen Kremser war aus eigener Motivation auf ihrer ersten Demo. Über den Treffpunkt Villa kam schließlich der Kontakt zu den anderen Holzwickedern zustande. Inzwischen hat die Gruppe 26 Mitglieder.

Jetzt, in den Anfängen, tauschen sich die Frauen und auch Männer sehr viel aus. Was macht der eine schon, was macht der andere? Wo gibt es Demos, wo kann man gemeinsam hingehen? Wer kennt Apps, mit denen man seinen CO2-Fußabdruck berechnen kann? Wie kann man Müll vermeiden und wie holt man möglichst viele Leute mit ins Boot? Sandra Windau-Loer kennt sich gut mit Alternativen zu Plastik aus – etwa auch bei Hygieneartikeln und Kosmetik. Doreen Kremser weiß aus beruflichen Gründen viel über Energiegewinnung und Energiepolitik. Und Judith Kuck-Bösing kommt aus einer Familie, in der man immer schon alternativ gelebt hat, politisch aktiv war.

Fridays for Future sollen nicht als Hype abgetan werden
„Ich möchte einfach symbolisch hinter meinen Kindern stehen.“ Katja Kazmierz von den Parents for Future.

„Dürfen eure Kinder da mit?“, diskutierten Eltern aus der Klasse, in die Katja Kazmiers Kind geht. „Mein Kind soll erst mal zu Hause Müll trennen“, war die Antwort eines Elternteils darauf. Katja Kazmiers war schockiert. „Ich hatte damals gegen den Golfkrieg demonstriert“, erinnert sie sich. „Ich möchte einfach symbolisch hinter meinen Kindern stehen“, sagt sie. Dass es immer wieder heiße, die Kinder wollten doch nur nicht in die Schule gehen, ärgert alle Mütter maßlos. Auch sollten die Fridays for Future aus ihrer sich nicht als Hype abgetan werden. Es sei höchste Zeit, einen neuen Klimakurs einzuschlagen, sich langfristig dafür zu engagieren.

Zur politischen Arbeit, die die Eltern ab jetzt leisten möchten, gehört es auch, selbst auf Demonstrationen zu gehen. Protestveranstaltungen gibt es längst nicht mehr nur freitags für Jugendliche, sondern auch am Wochenende, sodass alle Bürgerinnen und Bürger ihrem Ärger und ihren Wünschen Ausdruck verleihen können. Zuletzt am Wochenende waren sie bei einer solchen „Elterndemo“ in Dortmund.

Parents for Future: Wenn die Jugendbewegung bei den Eltern ankommt

Eltern bezogen bei der Parents-for-Future-Demo am Samstag in Dortmund eine klare Stellung zum Klimawandel und wollen die Fridays-for-Future-Demonstrationen damit unterstützen. Die Demonstrationen sind so angelegt, dass Alt und Jung zusammenkommen können. © Schaper

Mutter und Tochter gehen auch zusammen demonstrieren

Die Tochter von Sandra Windau-Loer war schon mit ihrer Mutter zusammen auf einer Demo, weil sich in ihrer Schulklasse niemand fand, der mitstreiken wollte. Auch Doreen Kremsers erwachsene Tochter möchte ihre Mutter jetzt ab und an begleiten. Nicht alle Kinder der vier Holzwickederinnen waren direkt Feuer und Flamme für das, was ihre Eltern tun. Von „ich bin stolz auf dich, Mama“ bis „mach du mal“ reichten die Reaktionen zuhause. Ein Problem mit dem Engagement ihrer Eltern für die Umwelt hat aber keines der Kinder.

Inzwischen gebe es rund 200 Ortsgruppen bundesweit, freut sich Judith Kuck-Bösing, die als Delegierte aus Holzwickede überregional vernetzt ist. Wer Kontakt mit den Eltern aus der Emschergemeinde aufnehmen, sich in der Gruppe engagieren oder mit zu einer Demonstration fahren möchte, kann das über die Internetseite www.parentsforfuture.de. Weil die Whats-App Gruppe offen ist – und daher oft für Spam missbraucht wurde – können neue Mitglieder anfangs nichts schreiben. Es kristallisiere sich dann aber schnell heraus, wer es Ernst meint. Dann erhält das neue Mitglied die Berechtigung, sich einzubringen.

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