Die Heimatstube zu, eine neue Ausstellung zu Grasbahnrennen vorerst vertagt: Das Coronavirus trifft den Historischen Verein. Pläne und Ideen, um Vergangenes zu wahren, bleiben aber aktuell.

von Martin Krehl

Holzwickede

, 27.03.2020, 04:55 Uhr / Lesedauer: 3 min

Die Neuzeit mit all‘ ihren Erscheinungen beschäftigt die Mitglieder des Historischen Vereins Holzwickede durchaus: Der Virusgefahr geschuldet ist zum Beispiel die Schließung der Heimatstube in Opherdicke und die Absage des Jubiläums-Gedenkens an das legendäre Grasbahnrennen im Mai. Die Heimatstube wird allen Gerüchten zum Trotz aber nicht umziehen.

Gerade noch rechtzeitig vor der allgemeinen Verfügung zum Verbot von Versammlungen konnten sich die Mitglieder des Historischen Vereins noch im März versammeln. Wahlen waren turnusmäßig nicht nötig, Andreas Heidemann führt den Verein weiter, vertreten wird der durch Birgit Skupch und Dieter Niederstadt. Stolz kann der Vorstand sieben Neuaufnahmen vermelden, alles Mitmenschen, die den Altersschnitt der Mitglieder deutlich nach unten beeinflussen.

Auch die Ortshistoriker nahmen Abschied vom Dorfkrug

Dass man sich mit traurigen wie vielversprechenden Entwicklungen gleichermaßen beschäftigt, liegt bei einem Historischen Verein in der Natur der Sache. So kennzeichnet auch die Abwechslung die Vorstandsberichte. Sich mit der fernen und nahen Historie zu befassen, ist alles andere als langweilig.

Der Schriftzug ist längst verschwunden: Mit der Schließung des Dorfkrugs hatte auch der Historische Verein seinen Treffpunkt verloren. Nun kommt man bei Hoppy‘s Treff zusammen.

Der Schriftzug ist längst verschwunden: Mit der Schließung des Dorfkrugs hatte auch der Historische Verein seinen Treffpunkt verloren. Nun kommt man bei Hoppy‘s Treff zusammen. © Udo Hennes

So mussten die Mitglieder im letzten Jahr Abschied vom Dorfkrug nehmen; an dieser historischen Stätte hat immer die Hauptversammlung stattgefunden. Im Dorfkrug wurden die Zapfhähne endgültig nach oben gedreht. Die neue Heimstatt musste ein ähnlich würdiger Ort sein, das alte Gasthaus Zur Post birgt diese Garantie – auch wenn die Gaststätte jetzt Hoppy’s Treff heißt.

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Den Bogen vom Damals zum Heute schlagen aktuell gerade auch die zu einer chinesischen Industriegruppe gehörenden Wiederholt-Werke. Der Historische Verein konnte im letzten Jahr noch ungestört dort eine umfangreiche Werksführung erleben. Wo heute aktuell weltweit gefragte Präzisionsstahlrohre gefertigt werden, begann die industrielle Entwicklung vor etwas über 100 Jahren mit einer traditionellen Metallwarenfertigung.

Immer auf der Suche

Ein Appell an Jung und Alt

  • Die Bewahrung und Weitergabe von Daten und Fakten aus längst vergangenen Zeiten funktioniert nur, wenn die gesichert vorliegen.
  • Andreas Heidemann appelliert an alle Holzwickeder, zu erzählen und das Erzählte aufzuschreiben. „Das ist ein Projekt, wo Junge den Alten helfen müssen“.
  • Auf der vereinseigenen Internetseite findet man eine Plattform, wo solche Geschichten präsentiert werden können: www.geschichtswerkstatt-holzwickede.de
  • Unter Tel. (02301) 89 79 799 ist jederzeit ein Anrufbeantworter geschaltet, um Hinweise und Anregungen entgegenzunehmen.

Die Heimatfreunde pflegen auch das Brauchtum, natürlich wurde über Heimatfreund Wolfgang Wellke mit den Schlüter- und Schlepperfreunden der Maibaum aufgestellt und im Herbst auch wieder abgebaut und eingelagert. Die drei Holzwickeder Ortsheimatspfleger sind ins Vereinsgeschehen fest und vertrauensvoll eingebunden, ebenfalls könnte der Verein ohne gute Kontakte ins amtliche Gemeindearchiv gar nicht arbeiten.

Verein bietet Gemeindeverwaltung Hilfe bei Archivarbeit an

Andreas Heidemann plant einen Kooperationsvertrag mit der Gemeinde, um ehrenamtliche Kompetenz und Kapazität in die dort so wichtige Arbeit einzubringen. Es steht nämlich zu wenig Arbeitszeit für die hauptamtliche Archivarbeit zur Verfügung, hier könnte und möchte der Historische Verein einspringen.

Schnadegänge, also Wanderungen entlang uralter Flur- und Ortsgrenzen, gab es lange in Holzwickede nicht mehr. Der Historische Verein hat diese Tradition wieder aufleben lassen. Nur durch solche Gänge bleibt zum Beispiel die Erinnerung an den Weg von der Ostgrenze Opherdickes zum Mundloch des alten Caroliner Erbstollens wach. Logisch, dass man sich vor Ort von einem sachkundigen Bergbauhistoriker in die Geschichte und die Bedeutung des Mundlochs und des Erbstollen einweisen ließ.

Auf dem Gelände des Emscherquellhofes wurde die Dudenrother Knorpelkirsche bereits im Vorjahr gepflanzt. Auch Privatpersonen sollen die Kirsche noch anpflanzen können – im Vorjahr fiel die Auslieferung vorerst flach, weil es zu trocken war.

Auf dem Gelände des Emscherquellhofes wurde die Dudenrother Knorpelkirsche bereits im Vorjahr gepflanzt. Auch Privatpersonen sollen die Kirsche noch anpflanzen können – im Vorjahr fiel die Auslieferung vorerst flach, weil es zu trocken war. © Emschergenossenschaft

Ob es in diesem Herbst Knorpelkirschen gibt? Der Historische Verein möchte die uralte heimische Obstbaumart erhalten, konnte wegen des trockenen Sommers 2019 aber keine Bäumchen verteilen. Stattdessen haben auch die Knorpelkirsch-Empfänger eine neuartige Weihnachtspost erhalten, papiersparend ist der Umschlag als auch der Brief. Zusammen mit dem Schmuckblattverkauf zum Adventsfenster hat das zumindest Aufmerksamkeit erzeugt.

Nicht nur räumlich an das Haus Opherdicke anknüpfen

Wieder war es Wolfgang Wellke, der den Kontakt zu Arne Reimann und Stefanie Kettler vom Kulturbüro der Kreisverwaltung herstellte. Dass die Heimatstube in Opherdicke an die Wasserschloss-Mauern grenzt, könnte sich auch in Kooperationsprojekten niederschlagen.

Tue Gutes und rede darüber: Holzwickedes Geschichte hat Einzug gefunden in die Jahrbücher des Kreises Unna und ins Jahrbuch "Schönes Westfalen 2020" – natürlich mit dem Startschuss für das Grasbahnrennen vor 60 Jahren und Schoofs Fähre ganz im Süden der Gemeinde nahe Drüpplingsen. Am Guts- und Gasthof Schoof unterhalb von Hengsen konnte eine Ponton-Ruhrfähre noch nach Kriegsende genutzt werden. Seit 1955 kann dort bequem die Ruhrbrücke mit den sieben Kunstzeichen benutzt werden.

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Einige Programmhefte wie dieses zum 13. Grasbahnrennen 1973 hat der Historische Verein eingescannt. Sie kann man kostenfrei auf der Homepage des Vereins durchstöbern.

Einige Programmhefte wie dieses zum 13. Grasbahnrennen 1973 hat der Historische Verein eingescannt. Sie kann man kostenfrei auf der Homepage des Vereins durchstöbern. © MSC Holzwickede

Mit dem Motorsportclub MSC hatte der Historische Verein sich auch der Erinnerung an die legendären Grasbahnrennen in Holzwickede angenommen. Den wegen des Rathaus-Neubaus auf den Opherdicker Schlosshof verlegte Start der Oldtimer-Rallye im vergangenen Sommer hatten die Heimatfreunde zum Anlass genommen, eine Ausstellung über das Grasbahnrennen in der benachbarten Heimatstube zu zeigen.

„Das war eine tolle Kooperation mit dem MSC, dabei haben wir zufällig herausgefunden, dass das Grasbahnrennen genau vor 60 Jahren das erste Mal stattgefunden hat," sagt Andreas Heidemann. Und der 17. Mai, der Internationale Museumstag, wäre rein rechnerisch pünktlich der Gedenktag zum Rennstart vor 60 Jahren gewesen.

„Wir hatten ganz entspannt Kontakte zu Zeitzeugen geknüpft, wollten Interviews machen – und dann kam uns Corona in die Quere. In Zeiten erhöhter Virus-Ansteckungsgefahr gerade ältere Menschen zu befragen, das geht aktuell nun wirklich nicht. Das ist schade“, so Andreas Heidemann. Die zweite, größere Ausstellung zum Grasbahnrennen kann also nicht wie erhofft im Mai stattfinden.

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